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Das Thema Nachhaltigkeit ist en Vogue. Spätestens seit Blackrock-Chef Larry Fink Mitte Januar 2020 den Klimaschutz in den Fokus der Investmentzunft gerückt hat, müssen alle Marktteilnehmer sich mit der Thematik ernsthaft auseinandersetzen. Die Deutsche Börse hat auf ihre Art und Weise reagiert und einen neuen Index ins Leben gerufen, den DAX 50 ESG Index.

Fink sprach in seinem Brief davon, dass er von einer fundamentalen Umgestaltung der Finanzwelt ausgeht. Eine solche Veränderung setzt eben auch eine Veränderung in der Index-Landschaft voraus. Der DAX 50 ESG Index berücksichtigt Kriterien aus den Bereichen Umwelt, Soziales und Unternehmensführung, kurz ESG (aus dem Englischen für Environmental, Social, Governance) und bildet die Top-50-Firmen basierend auf ESG-Performance, Börsenwert und -umsatz ab. Bei den Initiatoren Deutsche Börse und Qontigo gibt man sich selbstsicher, dass der neue Index der Standard für ESG-Investments in Deutschland wird.

Startpunkt für den DAX 50 ESG Index ist der HDAX mit aktuell 98 Werten. Der HDAX setzt sich zusammen aus den 30 DAX-Werten, den 50 MDAX-Titeln sowie den 30 TecDAX-Papieren, die aber ebenso in den erstgenannten Indizes sein können. Daher kann die Anzahl der Indexwerte schwanken. Bei der Erstellung des DAX 50 ESG Index werden normbasierte Ausschlusskriterien angewandt, die den UN Global Compact-Prinzipien folgen, außerdem produktbasierte Ausschlusskriterien, die umstrittene Waffen, Tabak, Kohle, Kernkraft und militärische Verträge umfassen.

Aus den daraus resultierenden Werten wird eine Rangliste gebildet, nach Marktkapitalisierung, Börsenumsatz und ESG-Bewertung von Sustainalytics, einem der führenden weltweiten Anbieter von ESG-Research, Ratings und Daten. Von dieser Liste werden die Top-50-Werte für den Index ausgewählt. Der Index wird alle drei Monate überprüft; wie beim DAX-Index gelten Fast-Exit- und Fast-Entry-Regeln – auch wenn es zu Verstößen gegen die Nachhaltigkeitskriterien kommen sollte.

Soweit die schöne neue Nachhaltigkeitswelt. Wie auch bei anderen ESG-Produkten stellt sich die Frage, nach der tatsächlichen Nachhaltigkeit. Kritik wird vor allem an der DAX-Fixierung geübt. 23 der 30 DAX-Werte sind zum Start Mitglied des DAX 50 ESG Index. Darunter finden sich etwa die Chemiekonzerne Bayer mit der Düngemittelsparte Monsanto und BASF mit der Erdöl-Sparte Wintershall. Dagegen sind neben den Versorgern E.ON und RWE auch der Triebwerksbauer MTU Aero Engines, sowie Volkswagen, Fresenius Medical Care, Vonovia und Wirecard nicht Bestandteil des Index.

Mit Start des Index im März 2020 waren noch keine Produkte auf den Index aufgelegt. Das dürfte sich aber im Lauf des Jahres mit Sicherheit ändern. Neben Index-nahen Fonds und ETFs dürfte auch die Zertifikatebranche auf den Nachhaltigkeitszug aufspringen. Bis dahin hat die Börse ja noch die Gelegenheit an ihrem Indexkonzept zu arbeiten.

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