Bildquelle: Pressefoto Lufthansa

Die Aktie der Lufthansa (WKN: 823212 / ISIN: DE0008232125) konnte seit Mitte Mai kräftig zulegen. Doch nun besteht die Gefahr eines erneuten Kurseinbruchs, denn es ist möglich, dass der ausgehandelte Rettungsplan doch noch scheitert.

Der Münchener Unternehmer Heinz Hermann Thiele will nämlich den Rettungsplan für die in Schieflage geratene Kranich-Airline mit dem Einstieg des Staates nachverhandeln.

Großaktionär ist gegen die Staatsbeteiligung

In einem Interview mit der Frankfurter Allgemeine Zeitung (F.A.Z.) bringt sich der Lufthansa-Großaktionär Thiele insbesondere gegen die vorgesehene Aktienbeteiligung von 20 Prozent an der Lufthansa in Stellung, die der Staat im Gegenzug für seine Finanzunterstützung von neun Milliarden Euro erhalten soll.

Ausbau des Aktienpaketes

Thiele hat in den vergangenen Tagen seinen Anteil an dem DAX-Konzern von zehn auf 15 Prozent ausgebaut, um seinen Einfluss zu erhöhen. Thiele will laut eigener Aussage damit sein starkes Interesse an der Sanierung der Lufthansa unterstreichen.

Durch den Ausbau des Aktienpaketes hat Thiele eine starke Gegenposition zur anstehenden Beteiligung des Bundes aufgebaut. Auf der außerordentlichen Hauptversammlung am 25. Juni soll über die Staatsbeteiligung entschieden werden. Diese wurde vom Konzernvorstand und vom Aufsichtsrat bereits befürwortet.

Zweidrittelmehrheit in Gefahr

Ohne Thieles Zustimmung wird die erforderliche Zweidrittelmehrheit auf dem virtuell stattfindenden Aktionärstreffen aber möglicherweise nicht erreicht werden, da nie alle Aktionäre anwesend sind. Gegenüber der F.A.Z. erklärte Thiele, dass er abschließend aber noch keine Entscheidung über sein Stimmverhalten getroffen hat und dass er nichts blockieren will.

Der Großaktionär bemängelt, dass der Staat als Aktionär in eine Doppelrolle gerate und die nötige Sanierung so verschleppt werden könnte. Thiele kann sich als Kompromisslösung zum Beispiel eine indirekte Beteiligung der staatlichen KfW-Bank vorstellen, da sich diese politisch zurückhalte.

Lufthansa warnt vor Scheitern

Der Lufthansa-Vorstand erklärte am Mittwoch, dass er davon ausgeht, dass die Präsenz bei der außerordentlichen Hauptversammlung am 25. Juni unter 50 Prozent liegen wird. Er hält es angesichts der jüngsten Thiele-Äußerungen für möglich, dass das Stabilisierungspaket die in diesem Fall erforderliche Zweidrittelmehrheit der abgegebenen Stimmen verfehlen könnte. Dies würde bedeuten, dass die Lufthansa möglicherweise zeitnah zur Hauptversammlung ein insolvenzrechtliches Schutzschirmverfahren beantragen müsste, wenn es dann nicht unverzüglich zu einer anderen Lösung kommt.

Vorstand ruft zur HV-Teilnahme auf

Nach dem Wirtschaftsstabilisierungsbeschleunigungsgesetz ist bei einer Hauptversammlungspräsenz von unter 50 Prozent eine Zweidrittelmehrheit der abgegebenen Stimmen für die Annahme der Stabilisierungsmaßnahmen erforderlich. Die ebenfalls virtuell durchgeführte ordentliche Hauptversammlung am 5. Mai verzeichnete lediglich eine Präsenz von 33 Prozent. Im Falle einer Präsenz von über 50 Prozent verringert sich das Zustimmungserfordernis auf die einfache Mehrheit der abgegebenen Stimmen. Der Lufthansa-Vorstand richtet an alle privaten und institutionellen Aktionäre den eindringlichen Appell, ihr Stimmrecht wahrzunehmen und an der Entscheidung über die Zukunft des Unternehmens mitzuwirken.

Kurzfristig weiteres Aufholpotenzial

Auch wenn über die Beteiligung des Staates noch nicht entschieden wurde, eröffnet sich wegen dem Start der Urlaubssaison und der Rückführung von Lockdown-Maßnahmen weiteres Erholungspotenzial bei der Lufthansa-Aktie. Da aber bereits abzusehen ist, dass der internationale Flugverkehr nicht das Vorkrisenniveau erreichen wird, ist das Aufwärtspotenzial begrenzt. Risikofreudige Anleger können trotzdem kurzfristig auf eine Fortsetzung der Kurserholung setzen.

Wer der Ansicht ist, dass die Lufthansa-Aktie zulegen wird, kann mithilfe entsprechender Hebelprodukte auf der Long-Seite (WKN: MC9RTH / ISIN: DE000MC9RTH1) sogar überproportional von Kurssteigerungen profitieren.

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