Bildquelle: Pressefoto Wirecard

Die Wirecard-Ereignisse der letzten acht Handelstage können viele Anleger kaum verdauen. Nicht wenige werden im Depot bei ihrer Wirecard-Position nur noch Schrott vorfinden. Wie geht es weiter, was können Anleger aus dem Wirecard-Debakel lernen, welche Konsequenzen müssen bei der Finanzaufsicht Bafin gezogen werden? marktEINBLICKE hat kurz nachgefragt bei Marc Tüngler, dem obersten Aktionärsschützer des Landes, von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW).

Welche Folgen hat die Wirecard-Pleite für den Finanzplatz Deutschland?

Wir müssen aufpassen, dass wir nicht das Kinde mit dem Bade ausschütten. Zunächst einmal haben wir einen Betrugsfall und einen Skandal bei Wirecard. In der Tat scheint es aber auch über Wirecard hinaus doch auch Problem im System zu geben, denn weder die BaFin noch die Staatsanwaltschaft, aber vor allen Dingen der Wirtschaftsprüfer haben hier die Probleme erkannt.

Was sind die Lehren aus dem Wirecard-Skandal?

Wir müssen den Wirecard-Skandal bis in die letzten Kapillare aufklären. Nur dann wird es möglich sein, dass wir für zukünftige Fälle bessere Regeln, besseren Schutz erlangen. Sollte sich herausstellen, dass wir hier ein Systemversagen vorliegen haben, muss auf Basis der bedingungslosen Ermittlungen der richtige Schluss daraus gezogen werden. Heute ist es noch zu früh dafür, aber es zeichnet sich ab, dass es Veränderungen geben wird.

Muss die Finanzaufsicht reformiert werden?

Wir müssen die Frage stellen, welche Rolle die BaFin hier bei der Wirecard AG überhaupt gespielt hat und welche Zugriffsrechte und Aufsichtsrechte sie hatte. Eine andere Frage ist, wie die BaFin in der Vergangenheit agiert hat und ob wir nicht aus der Causa Wirecard lernen müssen, die BaFin deutlich transparenter, vor allen Dingen aber deutlich schlagkräftiger auszustatten.

In Berlin wird immer wieder damit gehadert, mehr finanzielle Mittel und mehr Personal der BaFin zuzuordnen. Wenn die Politik also jetzt mit dem Finger auf die BaFin zeigt, sollte sie sich auch an die eigene Nase fassen.

Sollte die Deutsche Börse bei der Indexzusammensetzung reagieren?

Das geringste Problem der Wirecard-Aktionäre ist derzeit, ob Wirecard noch weiter im DAX verbleibt. Aber auch die Deutsche Börse muss sich die Frage stellen, welche Rolle Compliance und Corporate Governance bei der Zusammensetzung Ihrer Indices spielt. Die Deutsche Börse möchte sicherlich nicht Richter sein über die Gesellschaften, die an der Börse notieren und dann groß genug sind und auch genügend Liquidität in der Aktie haben, dass sie in einen Index kommen dürfen. Aber für den Kapitalmarkt und Finanzplatz Deutschland und auch für die Deutsche Börse AG ist es sicherlich nicht gut, wenn wir so einen Skandal im DAX zu verzeichnen haben.

Ist der Imageverlust für den deutschen Aktienmarkt nachhaltig?

Zunächst sollten wir schauen, dass wir unsere Bemühungen auf Wirecard und das Umfeld von Wirecard konzentrieren. Erst wenn der Sachverhalt klar ist, können wir weitere Schritte und in die nächste Ebene gehen. Erkennen wir Defizite, müssen diese in der Aufsicht, in der Prüfung und auch in der Corporate Governance verbessert werden. Die nächsten Monate werden hier noch sehr viele Ansatzpunkt bringen.

Marc Tüngler ist Hauptgeschäftsführer der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) und ist ein profunder Kenner des deutschen Aktienmarktes. Als Redner und Aktionärsvertreter auf vielen Hauptversammlungen weiß er um die Befindlichkeiten von Vorständen und Aktionären.
www.dsw-info.de

Bildquelle: Pressefoto Wirecard

 

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