Bildquelle: Pressefoto Deutsche Börse AG

Wenn die Märkte gut laufen, sollte man bekanntlich den Trend surfen. Doch wie lange die Märkte gut laufen, weiß natürlich niemand so genau. Daher ist es umso wichtiger, die Warnsignale ernst zu nehmen und gegebenenfalls zu reagieren.

Grundsätzlich hat sich am positiven Bild, das vor allem durch die Geldflutung der Notenbanken geschaffen wurde, nichts geändert. Allerdings stellen sich immer mehr Anleger die Frage bezüglich der Nachhaltigkeit der Corona-Hausse.

Denn die Pandemie flackert immer wieder in vielen Ländern neu auf. In Teilen der USA, aber auch in Brasilien oder Afrika läuft die Krise erst so langsam richtig hoch. Die Probleme kommen also erst noch. Nachdem die Pandemie in New York überstanden geglaubt wurde, sah sich die gesamte USA bereits als Post-Pandemie-Land – doch die aktuellen Infektionszahlen in vielen Bundesstaaten zeigen das Gegenteil.

Alarmsignal

Einer der wichtigsten Akteure auf dem Markt ist zweifellos das Investmenthaus Blackrock. Als Anbieter von ETFs und Fonds ist das Unternehmen so nah am Markt, wie kaum ein anderes. Blackrock-Chef Larry Fink hat nun vor zu viel Euphorie gewarnt. Er hält diese nicht nur für übertrieben und verfrüht, sondern auch für gefährlich.

Dabei geht es im nicht direkt um die großen Player an der Börse, sondern eher um die kleinen Unternehmen. Aus seiner Sicht wurden diese durch die Corona-Krise am stärksten betroffen – da diese Unternehmen gleichzeitig 70 Prozent der US-Wirtschaft ausmachen, steht also die gesamte Volkswirtschaft vor einem Problem. Für eine konsumgetriebene Ökonomie wie die amerikanische könnte also ein gewaltiges Problem entstehen – sofern es nicht sogar schon unter der Oberfläche wabert.

Europas schwierige Konjunktur

Es wird deutlich, wie schwer die wirtschaftlichen Folgen einer Pandemie einzuschätzen sind, wenn man sich die jüngste Konjunkturprognose der EU-Kommission anschaut. Wurde bislang für die Eurozone ein BIP-Rückgang für 2020 um 7,4 Prozent erwartet, sind es nun 8,3 Prozent. Für das kommende Jahr rechnet die EU-Kommission nun mit einem BIP-Wachstum von 6,1 Prozent. Auch hier liegt man unter den April-Schätzungen.

Deutschlands Finanzen

In der größten Volkswirtschaft der EU, in Deutschland, ist die Lage ebenfalls nicht rosig. Zwar gibt es von der deutschen Industrie positive Signale, aber die gewaltigen Nachtragshaushalte im Bund machen deutlich, wie finanziell belastet die Lage ist. Das gilt auch für die privaten Haushalte. Laut einer Umfrage der ING musste in der Krise fast jeder Fünfte seine Notreserven anbrechen. 14 Prozent der Befragten gab an, dass sie bei der Miete oder den Raten für ihre Baufinanzierung wegen der Corona-Krise in Verzug geraten. Rund jeder Siebte gab an, dass er neue bzw. zusätzliche Kredite aufnehmen muss. Die Ergebnisse der Befragung zeigen auch, dass 43 Prozent der Befragten größere Anschaffungen lieber erstmal aufschieben will. 33 Prozent dagegen wollen nicht verzichten. Soviel zur angeblich so positiven Stimmung.

Fazit

Generell agieren wir angesichts der schwierigen realwirtschaftlichen Bedingungen einerseits und der heiß laufenden Märkte andererseits zunehmend vorsichtiger. Die positive Stimmung kann sich schnell drehen – das haben wir im Frühjahr mit der ersten Coronawelle in Europa gemerkt. Sollte sich die Lage in den USA dramatisch verschlechtern, besteht die Chance, dass sich das Szenario wiederholt. Auch die Bilanzsaison zum zweiten Quartal könnte hier negative Überraschungen bringen. Je mehr Experten zur Vorsicht mahnen, umso ernster sollte man die Risiken im Markt nehmen – trotz aller notenbankgetriebenen Euphorie.

In diesem Sinne, bleiben Sie gesund und verlieren Sie Ihren Optimismus nicht.

Ihre marktEINBLICKE-Gründer
Christoph A. Scherbaum & Marc O. Schmidt

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