Bildquelle: Heiko Thieme

Das Jahr 2020 ist in der Börsengeschichte bereits jetzt schon das volatilste überhaupt! Am 15. März nannte ich die Tiefstände für dieses Jahr beim DAX 8.500 und beim Dow Jones 19.000. Nur wenige Tage später wurden diese Niveaus bereits erreicht und lösten auf meiner täglichen Marktprognose auf heiko-thieme.com ein Kaufsignal aus.

Einen solchen Börsencrash von rund 40 Prozent innerhalb eines Monats hatte es bisher noch nie gegeben. Genauso beispiellos war die anschließende Erholung. Der DAX und Dow Jones stiegen über 50 Prozent in weniger als drei Monate! Meine Höchstmarken für den DAX von 11.500 und 25.000 für den Dow Jones wurden dabei bereits Ende Mai deutlich überschritten und lösten diesmal bei mir Anfang Juni ein klares Verkaufssignal aus. Der jüngste Rückgang bestätigte diese Empfehlung. Beim aktuellen Indexniveau – DAX 11.950 und Dow Jones knapp 25.600 – stellt sich die Frage, wie geht es weiter?

Das Coronavirus hat die Weltwirtschaft in eine tiefe Rezession gestürzt. Einen solchen künstlichen globalen Wirtschaftsstillstand hat es in der Geschichte noch nie gegeben. Die führenden Wirtschaftsinstitute und Zentralbanken sind sich einig, dass die Talsohle des Einbruchs im zweiten Quartal erreicht wurde. Die anschließende Erholung wird zwar bereits mit dem dritten Quartal beginnen, aber kaum eine steile V-Formation aufweisen.

Es wird mindestens zwei Jahre dauern, bevor das globale Wirtschaftsniveau von Ende 2019 wieder in Sicht ist. Etliche Betriebe und Wirtschaftszweige werden leider auf der Strecke bleiben. Die Arbeitslosenrate ist weltweit explodiert und wird bis Mitte dieses Jahrzehnts relativ hoch bleiben.

Hoffnungen, dass noch vor Jahresende ein Impfstoff gegen das Virus eingesetzt werden kann, sind kaum realistisch. Im Laufe des nächsten Jahres sollte es jedoch möglich sein, obwohl auch dies eine eher optimistische Prognose ist. Kommt es im Sommer wegen Disziplinlosigkeit zu einer zweiten Coronavirus-Welle, so werden die Börsen die Tiefstände vom März nochmals im Blickfeld haben, ohne diese jedoch erneut testen zu müssen.

Beim Ölpreis wurden die Tiefstände in diesem Jahr im April gesehen. Der negative Ölpreis – Käufer bekamen im April Geld bei der Abnahme von Öl – beruhte auf einer bisher nie dagewesenen technischen Konstellation, die sich kaum wiederholen dürfte. Der Preis für Texas-Öl (WTI) kann in der zweiten Jahreshälfte zwischen 30 und 50 US-Dollar schwanken. Ölaktien und Bohrgesellschaften stehen auf meiner Empfehlungsliste mit einem Anlagehorizont von mindestens zwei Jahren.

Inflation ist nach wie vor kein Problem, obwohl die Notenbanken eine enorme Liquidität kreiert haben, um einen totalen Zusammenbruch der globalen Wirtschaft zu vermeiden. Leitzinsen werden in den kommenden Jahren niedrig bleiben. Der Aktienmarkt hat somit wenig Konkurrenz. Die Rekordhöhen im Februar beim DAX und Dow Jones werden jedoch wegen der fehlenden Unternehmensgewinne vor 2022 kaum wieder erreicht werden.

Allerdings offeriert die momentane Volatilität enorme Chancen für flexible Anleger. Wer Gewinne Ende Februar mitnahm, als der DAX und Dow Jones neue Höchstmarken erreicht hatten und bereits einen Monat später nach einem Rückgang von 40 Prozent wieder einstieg, um Anfang Juni nach einem Plus von über 50 Prozent erneut auf der Verkaufsseite zu sein, kommt auf ein stattliches Plus in der ersten Jahreshälfte. Ein Wiedereinstieg beim DAX lohnt sich zwischen 11.500 bis hinunter auf 9.500. Beim Dow Jones ist es die Bandbreite von 24.500 bis 21.000.

Das Coronavirus ist nicht die einzige Herausforderung in diesem Jahr. Das Verhältnis zwischen USA und China ist alles andere als stabil. Für die EU ist der geplante Austritt von Großbritannien immer noch nicht gelöst. Russland unter Putin bleibt eine Belastung. Der Nahe Osten ist nach wie vor ohne Lösung. Südamerika und Afrika können nicht ewig ignoriert werden. Die Anfang November anstehende Präsidentschaftswahl und Kongresswahlen in den USA werden ab September die Schlagzeilen füllen und den Börsenalltag beeinflussen.

Trotz dieser Fragezeichen und Herausforderungen kann der DAX in der zweiten Hälfte dieses Jahrzehnts die 20.000 Marke erreichen und der Dow Jones auf 40.000 steigen! Allerdings ist Weg bis dahin alles andere als gradlinig. Daher gilt unverändert: bitte angeschnallt bleiben!

Ein Beitrag von Heiko Thieme
Er ist über 45 Jahre im internationalen Anlagegeschäft tätig und schrieb 16 Jahre als freier Kolumnist für die FAZ. Seit dem Jahr 1979 gibt es seine Marktanalysen und Einschätzungen sowie die älteste deutsche Börsenhotline.
www.heiko-thieme.club

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