Bildquelle: Pixabay / PIRO4D

Während sich die westliche Welt noch in trügerischer Sicherheit wog, schlug das Virus in der Kunstwelt früher zu. Am 6. Februar wurde die Art Basel Hongkong, eine der wichtigsten Kunstmessen weltweit und terminiert für Mitte März, abgesagt.

Während sich die Art Karlsruhe Ende Februar noch ins Ziel retten konnte, musste die bedeutsame TEFAF in Maastricht nach bekanntwerden der Corona-Infektion eines Galeristen am 11. März, vier Tage vor ihrem Ende, abgebrochen werden. Ein echter Wirkungstreffer für die Branche. Messen, Ausstellungen, Vernissagen, Events, Besichtigungen – alles abgesagt. Wie die Welt insgesamt, so taumelte auch der Kunstmarkt, nicht wissend, was da auf ihn zukommt.

Auch im Jahr 2008 konnte sich der Kunstmarkt nicht dem Phänomen der Banken- und der daraus resultierenden Wirtschaftskrise entziehen. Wurden im Jahr 2008 noch 62 Mrd. USD umgesetzt, brach der Umsatz im Jahr 2009 auf 39,5 Mrd. USD ein. Doch allen Unkenrufen zum Trotz erholte er sich bereits 2010 wieder deutlich und bewegt sich seither um die 60 Mrd. USD Handelsvolumen pro Jahr.

Man muss kein Prophet sein: das Jahr 2020 dürfte wieder dramatisch rückläufig sein. Das Umsatzvolumen des Marktes ist aber nur eine Kennzahl. Wichtiger ist für die Inhaber von Kunst der Blick auf die konkrete Preisentwicklung von Kunstwerken. Oder als Frage formuliert: geht dieser Handelseinbruch einher mit einem Preisverfall von Kunstwerken?

Die Schockstarre des Marktes hielt etwa drei/vier Wochen an. Dann kehrte die Nachfrage wieder in die Galerien zurück, teilweise auch getrieben von der Sorge, welche finanziellen Folgen die Corona-Krise mit sich bringen würde. Die Kunst als Wertspeicher spielte bei diesen Kaufüberlegungen offensichtlich eine Rolle. Wer sich aber auf „Schnäppchenjagd“ begeben wollte, der dürfte diese Bemühungen nach kurzer Zeit wieder frustriert eingestellt haben.

Manches Werk, welches ohne Krise nicht zum Kauf angeboten worden wäre, mag den Weg in den Markt gefunden haben. Aber auffällig ist, dass Arbeiten etablierter Künstler weiterhin zu sehr stabilen bis hin zu überhöhten Preisen offeriert werden. Die Preise haben explizit nicht nachgegeben und ein Ausverkauf ist nicht zu erkennen.

Leider ist aber zu befürchten, dass vor allem kleinere, lokale Galerien zur Aufgabe gezwungen sind. Sie verkaufen oft junge Kunst und sind deswegen darauf angewiesen, Kunst erlebbar zu machen.  Wenn aber der Galerie-Besuch nicht oder nur sehr reduziert stattfinden kann, dann resultieren daraus existenzielle Probleme für Galerien und Künstler.

Die Lebendigkeit und Vielfältigkeit von Kunst kann nur erhalten bleiben, wenn auch neue Zugangswege zu ihr gefunden und Interessierten zur Verfügung gestellt werden. Es bedarf also neuer Strategien und moderner Möglichkeiten Kunst darzustellen und zugänglich zu machen.

Es rächt sich in der Krise, dass die Kunstszene grundsätzlich in Sachen technische Entwicklung nur sehr langsame Fortschritte gemacht hat. Das ist einerseits verständlich, weil das Erleben Kunst vor Ort niemals digital ersetzt werden kann. Anderseits wird das Thema Digitalisierung aus Gründen knapper zeitlicher Ressourcen, der wachsenden Bedeutsamkeit der Nachhaltigkeit und der weltweiten Distributionsmöglichkeiten für Galerien eine zusehends wichtigere Bedeutung spielen. Das Virus wird deswegen auch in der Kunstwelt seine Spuren hinterlassen.

Ein Beitrag von Arne von Neubeck

Er ist Gründer & Geschäftsführender Gesellschafter von The Global Fine Art. Das Augsburger Kunsthandelshaus verbindet die Leidenschaft für die Kunst mit der kaufmännischen Analyse von Kunstwerken.
www.tgfag.de

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Bildquelle: Pixabay / PIRO4D – Arne von Neubeck

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