Bildquelle: Pressefoto Adyen

Der Bilanzskandal von Wirecard (WKN: 747206 / ISIN: DE0007472060) und die damit erste Insolvenz eines amtierenden DAX-Mitglieds haben dem gesamten Finanzmarktplatz Deutschland geschadet. Zu allem Überfluss war die Wirecard-Aktie der Liebling deutscher Privatanleger. Viele haben einen großen Teil ihres Vermögens verloren, als der Wert des Papiers ins Bodenlose stürzte.

Ärgerlich ist auch der Umstand, dass sich Wirecard in einem Wachstumsfeld bewegt, das durch die Auswirkungen der Coronavirus-Pandemie auf das Kaufverhalten der Menschen zusätzlichen Schub erhalten sollte. Das Potenzial schien riesig zu sein. Entsprechend dürften sich Anleger nach Alternativen umsehen. Zumal Branchenkonkurrenten nun neben den positiven Wachstumsaussichten im Bereich Bezahldienstleistungen auch davon profitieren sollten, dass mit Wirecard starker Widersacher vorerst Schwierigkeiten dabei haben wird, bei Kunden und Partnern für Vertrauen zu werben.

Adyen sorgt weiter für Furore

Wenn es darum geht, von dem bereits vor Corona stark wachsenden E-Commerce-Bereich sowie den Bezahlmethoden der Zukunft zu profitieren, ist Adyen (WKN: A2JNF4 / ISIN: NL0012969182) ganz vorne zu finden. Das im Jahr 2006 gegründete Unternehmen legte am 13. Juni 2018 ein viel beachtetes Börsendebüt hin. Seitdem sorgt der niederländische Zahlungsabwickler immer wieder für Furore. Das Unternehmen, das im Geschäftsjahr 2019 Umsatzerlöse in Höhe von 497 Mio. Euro vorzuweisen hatte und ein Transaktionsvolumen von etwa 240 Mrd. Euro abwickelte, kommt derzeit auf einen beeindruckenden Börsenwert von mehr als 40 Mrd. Euro.

Seit Anfang 2020 weist dir Adyen-Aktie einen Kursanstieg von rund 94 Prozent auf. Eine Corona-bedingte Kursdelle infolge der allgemeinen Börsenturbulenzen nach dem Ausbruch von SARS-CoV-2 ist nicht zu beobachten gewesen. Warum auch? Technologieunternehmen und Zahlungsdienstleister wie Adyen werden allgemeinhin zu den Corona-Gewinnern gezählt. Das Unternehmen ermöglicht Händlern reibungslose Zahlungsabläufe – online, mobil und am Point-of-Sale (POS). Auch wenn der stationäre Einzelhandel unter den Lockdown-Maßnahmen zu leiden hatte, blieben die Menschen häufiger zu Hause und kauften daher verstärkt online ein.

Zwar litten die Adyen-Umsätze im März dieses Jahres darunter, dass die Online-Reiseveranstalter wegen Corona mit einem Einbruch der Buchungszahlen zu kämpfen hatten. Dafür verzeichneten die anderen Online-Händler starke Geschäfte. Konzernweit verzeichnete Adyen im ersten Quartal 2020 im Vorjahresvergleich einen Umsatzzuwachs um 34 Prozent. Dagegen schrumpfte die EBITDA-Marge. Allerdings ist dies halb so wild.

Der Grund für diesen Rückgang lag in den anhaltend hohen Wachstumsinvestitionen, die sich langfristig auszahlen sollen. Auch am Markt störte man sich an der wenig überzeugenden Profitabilität wenig. Schließlich konnten die Wachstumszahlen überzeugen. Corona dürfte auch mittel- bis langfristig dafür sorgen, dass immer mehr Menschen ihre Einkäufe online erledigen, um sich vor Ansteckungsgefahren zu schützen. Darüber hinaus könnte Corona dafür sorgen, dass das Bargeld immer mehr verschwindet und sich kontaktlose Bezahlmethoden durchsetzen. Gut für Adyen. Schließlich will man als Technologienunternehmen die Bezahlmethoden revolutionieren.

Long Mini Future auf Adyen
WKN VP54ZX
ISIN DE000VP54ZX5
Emissionstag 14. Juli 2020
Produkttyp Mini Futures
Emittent Vontobel

Corona sorgt für noch mehr Schub

Neben Adyen profitiert auch PayPal (WKN: A14R7U / ISIN: US70450Y1038) von wichtigen Trends wie dem boomenden Online-Handel. Dabei verbindet Adyen und den US-Bezahldienst PayPal so einiges. Beispielsweise arbeitet eBay, PayPals ehemalige Muttergesellschaft nun lieber mit Adyen zusammen, um die Bezahlvorgänge auf der eBay-Handelsplattform abzuwickeln. Allerdings schmerzt PayPal dies kaum noch, da sich der Bezahldienstleister in den vergangenen Jahren von eBay unabhängig gemacht hat.

Das Unternehmen befindet sich seit Jahren auf Wachstumskurs. Dieser wurde durch die Coronavirus-Pandemie sogar noch verstärkt. Im April 2020 kamen im Vergleich zum Vorjahresmonat netto 135 Prozent oder 7,4 Millionen neue PayPal-Nutzer hinzu. Das waren knapp 250.000 neue Accounts pro Tag. Die verstärkte Nutzung von Online-Handelsplattformen in Zeiten des Lockdowns machte sich auch auf der Umsatzseite und bei den Ergebnissen bemerkbar.

Im ersten Quartal 2020 lagen die PayPal-Umsatzerlöse bei 4,6 Mrd. US-Dollar. Ein Anstieg von 12 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Im Monat April lag das Umsatzplus dank Corona sogar bei 17 Prozent (währungsbereinigt: +20 Prozent). Zu diesem Anstieg hat unter anderem ein Plus bei den Transaktionen um 20 Prozent auf rund 1,2 Milliarden beigetragen. Zudem wurde der Gesamtwert der Transaktionen (Total Payment Value, TPV) im April währungsbereinigt um 22 Prozent auf etwa 68 Milliarden US-Dollar gesteigert.

Die Zahlen zum zweiten Quartal werden am Mittwoch, den 29. Juli veröffentlicht. Das Management stellt ein währungsbereinigtes Umsatzplus von 15 Prozent in Aussicht. PayPal setzt jedoch nicht nur auf den Online-Handel. Im stationären Handel sorgt das Unternehmen ebenfalls für kontaktlose Bezahlmöglichkeiten. Dazu gehört ein zuletzt in 28 Ländern eingeführtes QR-Code-Bezahlverfahren.

Mini-Future auf PayPal
WKN MC9E5P
ISIN DE000MC9E5P9
Emissionstag 8. Mai 2020
Produkttyp Mini-Future
Emittent Morgan Stanley

FAZIT

Wirecard hat den Finanzplatz Deutschland Ansehen gekostet. Dem bereits vor Corona aussichtsreichen Bereich digitale Bezahlmethoden dürfte das Schicksal des Zahlungsabwicklers aus Aschheim bei München eher weniger geschadet haben. Gute Nahrichten also für Branchenkonkurrenten wie Adyen oder PayPal.

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Bildquelle: Pressefoto Adyen

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[…] schaut, denken viele an Home Office, Essens-Lieferdienste oder Online-Shopping. Doch im Payment-Sektor könnte dies ebenfalls der Fall sein. Immer mehr Bezahlsysteme halten in unserem Alltag Einzug. […]