Bildquelle: Pixabay / wondr

Dresden ist als „Elbflorenz“ bekannt. Eine Schiffrundfahrt auf der Elbe zählt daher zu den Attraktionen bei einem Besuch in der sächsischen Metropole. Diese Tour genießt man am besten auf einem Dampfschiff der Weißen Flotte Dresden, das traditionell immer noch mit Dampf betrieben wird. Doch es droht das Aus. In die Schlagzeilen ist die Raddampferflotte kürzlich aufgrund eines laufenden Insolvenzverfahrens geraten. Dadurch besteht die Gefahr, dass die Sächsische Dampfschifffahrts-GmbH & Co. Conti Elbschiffahrts KG (SDS) und deren Töchter einen privaten Käufer für die gesamte Flotte oder auch für einzelne Schiffe finden (wir berichteten) und sie dann nicht mehr der Allgemeinheit zur Verfügung stehen würden. Wir sprachen dazu mit Nicole Scholze, Stellvertretende Vorsitzende des Vorstands von Weiße Flotte Dresden – Freunde der Sächsischen Dampfschiffahrt e. V. Der Verein setzt sich für den Erhalt der Weißen Flotte ein.

Der Verein „Weiße Flotte Dresden – Freunde der Sächsischen Dampfschiffahrt e.V.“ setzen sich für den Erhalt der Weißen Flotte ein. Das Echo in den Medien geht nun schon über Dresden und Freistaat Sachsen hinaus. Wie ist der aktuelle Status, was dürfen und können Sie uns erzählen?

Den aktuellen Stand können Sie der Pressemitteilung von Freitag entnehmen. Am Donnerstag wird der Zuschlag an einen Bieter erwartet. Der „Neue“ soll den Geschäftsbetrieb schon zum 01.09.2020 übernehmen. Neben der United Rivers AG haben uns weitere Bieter ihr Konzept bisher nicht vorgestellt.

Der Personendampfer „Stadt Wehlen“, der älteste Schaufelraddampfer der Weißen Flotte, und der Personendampfer „Dresden“ vor der eindrucksvollen Kulisse Dresdens. (Bildquelle: Pixabay / goerich)

Was sind die Ziele, die Visionen des Vereins?

Hauptziel ist für uns die dauerhaften Erhaltung und der Ausbau der Flotte und/oder des historischen Fahrgebiets. Hierfür sind wir bereit, ggf. Satzungsänderungen vorzunehmen.

Aktuell ist Zweck des Vereins laut Satzung die Erhaltung und Förderung der zwei Jahrhunderte alten Tradition der Dampfschifffahrt auf der Oberelbe als bewahrenswertes kulturelles Erbe Dresdens und des oberen Elbtals mit ihrer denkmalgeschützten einzigartigen Raddampferflotte. Der Satzungszweck wird verwirklicht insbesondere durch:

  • die Unterstützung der Öffentlichkeitsarbeit zu den Themen der Wasserwirtschaft und Schifffahrt auf der Ober- und Mittelelbe unter historischen, wissenschaftlichen, technischen, kulturellen, wirtschaftlichen, sozialen, politischen u.a. Aspekten
  • die Organisation und Unterstützung von Veranstaltungen, wie Informationstreffen, Besichtigungen, Workshops, Exkursionen, Ausstellungen und Messebeteiligungen zu Themen der Sächsischen Dampfschiffahrt
  • die Unterstützung und Beratung der thematisch Zuständigen bei der Erarbeitung neuer, den Ansprüchen an die Denkmalpflege und dem Klimawandel entsprechender Geschäftsmodelle und –strategien sowie zur Erschließung neuer Geschäftsfelder die Herausgabe von Informationsmaterialien, Publikationen, Flyer und Poster zur Elbschifffahrt und zur Dampferflotte sowie die Gestaltung einer Online-Plattform zur Sächsischen Dampfschiffahrt im Internet, einschließlich eines Newsletters
  • die Förderung des Verständnisses des Betriebs der historischen Raddampfer auf der Elbe und Unterstützung denkmalpflegerischer Arbeiten zum Erhalt und Schutz der einzigartigen technischen Kulturdenkmale
  • die Unterstützung von denkmalpädagogischen Schülerprojekten zur Sächsischen Dampferflotte als Kulturdenkmal
  • die Sammlung von Dokumenten zur Geschichte und von Zeitzeugenberichten zur Elbschifffahrt sowie der Aufbau eines Informations- und Dokumentationszentrums zur Sächsischen Dampfschifffahrt
  • die Erforschung kulturhistorischer Traditionen der Elbschifffahrt und Pflege der Sächsischen Dampfschiffahrt als immaterielles Kulturerbe
  • die Förderung des nationalen und internationalen Erfahrungsaustausches und der Zusammenarbeit mit anderen Fördervereinen für die Pflege der Traditionen der Dampfschifffahrt und mit musealen Einrichtungen der Verkehrstechnik, des Schiffbaus und Schifffahrt, insbesondere dem Verkehrsmuseum Dresden.

Haben Sie schon einmal an eine Online-Petition gedacht, um Ihre Ziele zu erreichen?

Die Privatmänner Michael Hillmann und Lars Funke haben eine solche Petition betrieben bei https://www.dresden.de/de/leben/gesellschaft/buergebeteiligung/epetition.php. Die Zeichnungsfrist ist unterdessen abgelaufen. Es gab 1.473 Mitzeichnungen.

Der Verein behält sich vor, eine eigene Petition bei Bedarf zu veranlassen, wollte allerdings keine „Konkurrenzpetition“ auflegen und damit die Schlagkraft minimieren.

Der Personendampfer „Pirna“ wurde im Jahre 1898 gebaut. Es versprüht durch urgemütliche, kleine Salons nostalgischen Charme. (Bildquelle: Pixabay / wondr)

Angenommen es wird zu einer Lösung mit privaten Investoren kommen, wie würde die Zukunft der „Weißen Flotte“ aussehen? 

Wir hoffen, dass es nach dem Zuschlag auch mit einem privaten Investor aufwärts geht. Die United Rivers AG lässt solchen Aufwind erhoffen. Ob sie allerdings den Zuschlag erhält ist derzeit noch unklar. Wir werden uns in jeden Fall mit aller Kraft dafür einsetzen.

Das Risiko bei einem Zuschlag an eine Privatperson bleibt die Zerschlagung und/oder die Nichtpflege der Flotte zur Optimierung der Gewinne. Generell sollten Kulturdenkmäler nach den Vorstellungen unsere Mitglieder nicht den wirtschaftlichen Interessen Einzelner dienen. Aus diesem Grund hätten wir die Sicherung des Eigentums der Schiffe in öffentlicher Hand mehr begrüßt. Der Betrieb selbst hätte über Verpachtung o. ä. gern privat organisiert sein können. Denn selbst wenn private Inhaber die Flotte pflegen, stellt sich immer die Frage der Handhabung in den nächsten Generationen. Der Zugriff ist dann aber nicht mehr ohne weiteres möglich.

Vielen Dank für das Gespräch.

Es bleibt zu hoffen, dass die Weiße Flotte in Dresden als bedeutungsvolles Kulturgut erhalten bleibt und es ist wünschenswert, dass sie in staatlichem, kommunalem oder gemeinnützigem Besitz bleibt.

Helfen Sie mit, die größte und älteste Raddampferflotte der Welt zu bewahren und die einzigartigen Denkmäler der Industrietechnik kommenden Generation weiter zugänglich zu machen – und das nicht als stehendes Museum, sondern als fahrende Zeitzeugen der Geschichte.

Die marktEINBLICKE-Redaktion unterstützt diese Aktion – wir würden uns freuen, wenn unsere Leser mitmachen, damit der Verein „Weiße Flotte Dresden – Freunde der Sächsischen Dampfschiffahrt e. V.“ seine Arbeit fortsetzen und stetig erweitern kann.

Direktspende an den Weiße Flotte Dresden e.V.
Spendenkonto:
Ostsächsischen Sparkasse Dresden
IBAN: DE35 8505 0300 0221 1816 87
BIC: OSDDDE81XXX

Rechtsanwaltsanderkonto für Großspenden ab € 1.000,00:
Deutsche Kreditbank AG
IBAN DE33 1203 0000 1008 4472 35
BIC: BYLADEM1001

Wer noch mehr Informationen haben möchte: www.weisseflotte-dresden.de

Bildquelle: Pixabay / analogicus

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[…] aus nah und fern auf die Elbe locken. Wir berichteten in den letzten Wochen mehrfach über die Rettungsversuche und das Engagement der Freunde der Sächsischen […]