Bildquelle: © Grenke
Der Wirecard-Skandel ist noch nicht verarbeitet, da macht ein weiterer deutscher Finanzkonzern Schlagzeilen: Grenke. Am Dienstag sorgte ein Bericht von Viceroy Research für einen drastischen Kursabsturz. Der Grund: Die Vorwürfe reichen von Bilanzfälschung bis Betrug. Deutschland und Finanzkonzerne scheint keine gute Verbindung zu sein. Dass es auch anders geht, zeigt der Blick ins Ausland.

Massive Vorwürfe

Grenke (WKN: A161N3 / ISIN: DE000A161N30) galt lange Zeit als spießiger Leasinganbieter für den Mittelstand. Über die Jahre ist das Unternehmen stark gewachsen, hat Zukäufe im Ausland getätigt und ist inzwischen im MDAX beheimatet. Die Ähnlichkeiten mit Wirecard (WKN: 747206 / ISIN: DE0007472060) liegen auf der Hand. Bleibt die Frage, was an dem Bericht von Viceroy Research wirklich Wahrheit und was Dichtung ist. Aussagen von Grenke brauchten fast einen Tag und liefen auf ein Dementi hinaus – aber ob das reicht? Grenke will noch mehr Aufklärung leisten. Wir werden sehen, wie diese ausschaut. Undurchsichtige Unternehmensstrukturen sind jedenfalls nicht unbedingt eine deutsche Spezialität. Und nicht alles was dubios aussieht, ist es am Ende auch. Dennoch sollte man vorsichtig sein. Der hinter Viceroy stehende Fraser Perring war bereits bei Wirecard und Steinhoff (WKN: A14XB9 / ISIN: NL0011375019) aktiv – in beiden Fällen war am Ende tatsächlich etwas faul. Es bleibt abzuwarten, wie sich das Drama weiter entwickelt.

Standortfrage

Sollte an den Vorwürfen etwas dran sein, wäre es ein Desaster für den (Finanz-)Standort Deutschland. Nach Wirecard wäre Grenke bereits der zweite Finanzkonzern, der durch Betrügereien Aufmerksamkeit erregt. Die Finanzaufsicht BaFin wäre ein zweites Mal innerhalb weniger Monate blamiert. Dies würde auch Folgen für das Bundesfinanzministerium und die von ihm initiierte Regulierung haben müssen. Aber soweit ist es derzeit nicht. Warten wir ab und hoffen, dass sich bei Grenke nur ein Short-Seller mit dubiosen Methoden abarbeitet.

Es geht auch anders

Das ohnehin eher schwierige Finanzgeschäft in Deutschland ruhte lange Jahre auf den Schultern der großen deutschen Banken. Unternehmen wie Wirecard oder Grenke waren historisch gesehen eher Fremdkörper im deutschen Finanzwesen. Noch fremder müsste da das schwedische Unternehmen Klarna wirken. Inzwischen setzen viele Online-Händler auf die Abrechnungsdienste der Schweden. Bei den Kunden kommt der Service ebenfalls gut an.

Diese gute Laune gilt auch für die Finanzmärkte. Klarna konnte in dieser Woche eine weitere Finanzierungsrunde in Höhe von 650 Mio. US-Dollar bekannt geben. Das einstige Start-up kommt damit auf eine Post-Money-Bewertung von 10,65 Mrd. US-Dollar. Damit ist das „Einhorn“ Klarna das am höchsten bewertete private FinTech in Europa und steht nun weltweit an vierter Stelle.

Fazit

Skandale wie Wirecard oder potenziell Grenke liegen nicht an der Finanzbranche, sondern vermutlich an Aufsicht und Regulierung. Dass es anders geht, zeigen Klarna ebenso wie Paypal (WKN: A14R7U / ISIN: US70450Y1038) – die einen stehen unter schwedischer Aufsicht, die anderen unter amerikanischer. Auch der niederländische Wirecard-Konkurrent Adyen ist eher für Solidität, denn Skandale bekannt. Man muss also genau hinschauen, was man kauft. Nicht immer ist ein deutsches Unternehmen die richtige Wahl – das sollten sich mehr Anleger bewusst machen.

In diesem Sinne, bleiben Sie gesund und verlieren Sie Ihren Optimismus nicht.

Ihre marktEINBLICKE-Gründer
Christoph A. Scherbaum & Marc O. Schmidt

Bildquelle: © Grenke

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