Bildquelle: Pressefoto HelloFresh
Am Geschäftsmodell von HelloFresh (WKN: A16140 / ISIN: DE000A161408) gab es immer Zweifel. Das Versenden von Kochboxen kam nicht richtig in Tritt, die Aussicht auf Gewinne rückte in immer weitere Ferne und der Kurs stürzte kräftig ab, als sich Großaktionär Rocket Internet rigoros von seinen Anteilen trennte. Doch das ist Schnee von gestern.
Denn Corona hat dem inzwischen in den MDAX aufgestiegenen Unternehmen ungeheuer Auftrieb verschafft. Die Menschen bleiben öfter zuhause und verzichten auf Restaurantbesuche; wenn auch nicht mehr zwangsweise, wie während des Lockdowns. Essenslieferungen stehen daher hoch im Kurs. Pizzen und Fast Food sind allerdings nicht jedermanns Geschmack und da die Lust der Deutschen am Kochen ungebremst ist, kann sich hier HelloFresh mit seinen Kochboxen immer besser etablieren. Denn es erspart das lästige Einkaufen, das dank Corona noch weiniger Spaß macht, als ohnehin schon, und die Lebensmittel kommen frisch und abgewogen ins Haus. Des Weiteren kommen nicht die Lebensmittel ins Haus, sondern damit verbunden auch abwechslungsreiche Rezepte und Tipps rund ums Kochen.
Doch wie nachhaltig ist die Entwicklung, kann das Unternehmen auch ohne Corona-Unterstützung erfolgreich sein und lohnt sich die Aktie als Investment?

Risiken nicht unterschätzen

So nachvollziehbar die Euphorie ist, die den Kurs auf immer neue Allzeithochs treibt, sollte man doch die Risiken im Blick behalten. HelloFresh erzielt bisher keine Gewinne und der Ausbau des Geschäfts kostet viel Geld. Momentan speist sich der wachsende Cashflow am ungebremsten Nachfragezuwachs, aber wie nachhaltig dieses Kundenwachstum ist, wird sich erst bei Abflauen der Corona-Beschränkungen zeigen. Denn der Kostenaufwand, um neue Kunden zu gewinnen ist enorm und HelloFresh verdient nur dann Geld mit ihnen, wenn sie dauerhaft als Kunde an Bord bleiben.
Insofern spielt es HelloFresh in die Karten, wenn Restaurants nur unter erschwerten Bedingungen geöffnet sind und beim Einkaufen Maskenpflicht und Abstandsregelungen gelten. Je länger Neukunden HelloFresh ausprobieren und als Alternative dem bisher Bekannten vorziehen, desto größer die Wahrscheinlichkeit, dass sie nicht wieder in alte Verhaltensmuster zurückwechseln, wenn für Restaurants und Lebensmitteleinzelhandel wieder normale Bedingungen gelten.
Da wir nun auf die kalte Jahreszeit und damit auf die übliche Grippe-Saison zusteuern und noch kein Impfstoff und kein wirksames Medikament gegen Corona im Einsatz sind, ist die Angst vor einer zweiten Corona-Welle nicht von der Hand zu weisen. Nicht nur wegen der ohnehin wieder steigenden Fallzahlen, sondern auch wegen der möglichen häufigen „Falschen“ Symptome, die sich bei Corona und der normalen Grippe ähneln. Aber in diesem Winter zu Quarantäne und Corona-Tests führen werden und ggf. zu vielen lokalen Schließungen.
Für HelloFresh und andere Essenlieferdienste durchaus attraktive Rahmenbedingungen.

Die Nische als Chance

Das Food Delivery-Business wächst mit rund 15% jährlich. Dabei dreht sich das Übernahmekarussell immer schneller. JustEat Takeway stach Uber Eats aus und übernimmt GrubHub, nachdem man bereits in Deutschland das Geschäfte von Delivery Hero übernommen hatte mit den Plattformen Lieferheld, Pizza,de, Foodora. DAX-Neuling Delivery Hero wächst außerhalb Europas weiter stark, auch durch Übernahmen, und hat mit Prosus einen kapitalstarken Ankerinvestor im Rücken…

Auf www.intelligent-investieren.net geht es weiter…

Kissig Ein Beitrag von Michael C. Kissig

Er studierte nach Abschluss seiner Bankausbildung Volks- und Rechtswissenschaften und ist heute als Unternehmensberater und Investor tätig. Neben seinem Value-Investing-Blog „iNTELLiGENT iNVESTiEREN“ verfasst Michael C. Kissig regelmäßig eine Kolumne für das „Aktien Magazin“.

Der obige Text/Beitrag spiegelt die Meinung des oder der jeweiligen Autoren wider. Die CASMOS Media GmbH übernimmt für dessen Richtigkeit keine Verantwortung und schließt jegliche Regressansprüche aus.

Bildquellen: Michael C. Kissig / Pressefoto HelloFresh

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