Bildquelle: Pixabay / chayka1270

Würde sich die Welt nicht gerade im Griff der Corona-Krise befinden, wäre die am 3. November anstehende Präsidentschaftswahl in den USA das Top-Ereignis des zweiten Halbjahres.

Dabei hat gerade die Pandemie sowie die aus den weitreichenden Shutdowns resultierende Wirtschaftskrise zwischenzeitlich zu einem Favoritenwechsel geführt. Nachdem Amtsinhaber Donald Trump noch am Jahresanfang als sicherer Wahlsieger gehandelt wurde, spülte eine Mischung aus sozialen Unruhen, einem umstrittenen Corona-Krisenmanagement der US-Regierung und einem historisch beispiellosen Anstieg der Arbeitslosigkeit innerhalb kürzester Zeit den Herausforderer Joe Biden in Umfragen nach vorn.

Nicht zuletzt durch den wochenlangen Streit zwischen Republikanern und Demokraten um Details eines neuen Konjunkturprogramms konnte Trump dann jedoch wieder aufholen. Schließlich war es der amtierende Präsident, der per Dekret die Möglichkeit zur Fortsetzung der wöchentlichen Unterstützung für arbeitslose Bürger einräumte.

Letztlich entscheidend für den Wahlausgang wird wohl der Pfad der wirtschaftlichen Erholung in den kommenden Wochen sein. Dabei ist das sich zuletzt stabilisierende Infektionsgeschehen in den USA eine Voraussetzung für eine bessere Konjunkturdynamik und schneller sinkende Arbeitslosenzahlen und würde damit die Chancen Trumps erhöhen. Da die wirtschaftliche Erholung jedoch wesentlich vom weiteren Verlauf der Pandemie abhängt und damit nur schwer kalkulierbar ist, dürfte das Rennen um das Weiße Haus bis zum Tag der Entscheidung spannend bleiben.

Sollte Trump gewinnen, wären wichtige Eckpunkte seiner zweiten Amtszeit klar: weitere Steuersenkungen – diesmal für die Mittelschicht – und Unterstützung der „alten“ Industrien wie bspw. Kohle und Stahl. Biden hingegen würde im Falle eines Wahlsiegs Steuererhöhungen – v.a. für Vermögende und Unternehmen – anpeilen sowie in das Gesundheitssystem und die grüne Energiewende investieren. Beide Kandidaten haben jedoch gemeinsam, dass sie für ein gewisses Maß an Protektionismus stehen – Trump unter dem Motto „Keep America Great“, Biden mit dem Slogan „Buy American“.

Damit würden auch Handelskonflikte unter Biden nicht ad acta gelegt werden, wenngleich sich der Tonfall ändern dürfte. Auch könnte Biden wohl eher versuchen, mit Europa und einigen internationalen Organisationen den Schulterschluss zu suchen, damit die US-Volkswirtschaft gegenüber der aufstrebenden wirtschaftlichen und technologischen Großmacht China noch so lange wie möglich eine Nasenlänge vorn hat.

Ein Kommentar von Carsten Mumm
Er ist Chefvolkswirt bei der Privatbank Donner & Reuschel. Das Traditionshaus mit Sitz in Hamburg und München setzt auf qualifizierte und umfassende Beratung für vermögende Privatkunden, Unternehmer, Immobilienkunden und institutionelle Kunden.

Der obige Text/Beitrag spiegelt die Meinung des oder der jeweiligen Autoren wider. Die CASMOS Media GmbH übernimmt für dessen Richtigkeit keine Verantwortung und schließt jegliche Regressansprüche aus.

Bildquellen: Donner & Reuschel / Pixabay / chayka1270

0 0 vote
Article Rating
Bitte teilen
  •  
  •  
  •  
  •  
  •  
  •  
  •  
Abonnieren
Benachrichtige mich bei
guest
0 Comments
Inline Feedbacks
View all comments