Bildquelle: Pressefoto IBM

Im Oktober 2019 verkündete Google, dass sein 53-Qubit-Computer mit dem Namen Sycamore, die „Quantenüberlegenheit“ erreicht habe. Das heißt jetzt nicht, dass wie in Hollywood-Filmen die Maschinen die Weltherrschaft übernommen hätten, sondern dass ein wichtiger Meilenstein im Bereich Quantum Computing erreicht wurde. In diesem Fall konnte ein Quantencomputer eine Aufgabe wesentlich schneller lösen als ein klassischer Computer.

Die Welt der Quantenmechanik

Quantencomputer haben das Potenzial, viele Bereiche unseres Lebens umzukrempeln, ähnlich wie es die herkömmlichen Computer einst getan haben. Traditionelle Computer rechnen mit Bits. Diesen liegen technisch Schalter zugrunde, sogenannte Transistoren. Sie können einen von zwei Zuständen annehmen: 1 oder 0. Auf heutigen Chips befinden sich mehrere Milliarden Transistoren. Allerdings können bei besonders kleinen Transistoren Probleme beim Schalten entstehen. Traditionelle Computer geraten an ihre Grenzen. Die Lösung: Quantencomputer.

Bei Quantencomputern handelt es sich nicht einfach um irgendwelche besonders schnellen Computer. Es geht um eine ganz andere Art der Computertechnologie, welche letztlich zu einer exponentiellen Erhöhung der Rechengeschwindigkeit führt. Den Quantencomputer liegen die Gesetze der Quantenmechanik zugrunde. In dieser Welt ist die Überlagerung von physikalischen Größen möglich. Teilchen können gleichzeitig mehrere Zustände annehmen und sich an zwei Orten gleichzeitig befinden. Deshalb arbeiten Quantencomputer mit sogenannten Qubits (Quanten-Bits). Diese können nicht nur die Werte 0 oder 1 annehmen, sondern jede beliebige Kombination aus beidem.

Alles nur ein Wunschtraum?

Damit können Quantencomputer unzählige mathematische Probleme gleichzeitig abarbeiten, während ein herkömmlicher Computer nacheinander Rechenschritte ausführt und nicht zum Ziel führende Wege einen nach dem anderen ausschließen muss. Beispielsweise würde ein klassischer Computer bei der Suche nach einem Ausweg aus einem Labyrinth einen Weg nach dem anderen ablaufen und ausschließen, während ein Quantencomputer jeden möglichen Weg gleichzeitig prüfen würde. Die Zeitersparnis wäre enorm. Nur sind wir leider sehr weit weg von alltagstauglichen Quantencomputern.

Für ihren Einsatz müssen extreme Bedingungen herrschen. Neben einem elektromagnetisch abgeschirmten Vakuum werden auch Temperaturen nahe dem sogenannten absoluten Nullpunkt von etwa minus 273 Grad Celsius benötigt. Schätzungen gehen von zehn bis 15 Jahren aus, die es dauern könnte, bis diese Technologie im Alltag und in der Wirtschaft ankommen könnte. Es ist aber auch ein anderes Szenario denkbar. Kennen sie noch die Kernfusion? Diese sollte alle Energieprobleme der Menschheit lösen. Daraus wurde bisher nichts.

Quantencomputer und die Börse

Genauso wie bei der Kernfusion scheinen auch beim Quantencomputer die Möglichkeiten unbegrenzt zu sein. Neben der Lösung der Verkehrsprobleme in den überfüllten Innenstädten dieser Welt scheinen vor allem die Anwendungsgebiete in der Chemie interessant zu sein. Moleküle könnten getestet werden, um neue Medikamente oder Stoffe in Rekordzeit zu produzieren. Auch die Börsen interessieren sich für Quantum Computing.

Einerseits, weil diese eines Tages die Portfolioallokation sowie das Risikomanagement revolutionieren könnten und weil sich in diesem Bereich interessante Investmentmöglichkeiten aufgetan haben. Neben traditionellen Branchenriesen wie IBM, Microsoft, Intel oder der Google-Muttergesellschaft Alphabet tummeln sich viele aufregende Startups in diesem Bereich, die teilweise aus Forschungsteams an Universitäten und Forschungseinrichtungen entstanden sind.

Unbefriedigende Lösung

Es ist nicht einfach für Investoren, eine auf den Bereich Quantencomputer zugeschnittene Anlagestrategie zu fahren. Börsennotierte Unternehmen wie die Google-Mutter Alphabet, IBM oder Microsoft beschäftigen sich mit vielen anderen Dingen. Genauso wie potenzielle Profiteure der Technologie wie Johnson & Johnson, Volkswagen oder Roche. Bei den auf Quantencomputer spezialisierten Unternehmen wie Rigetti, D-Wave oder IonQ handelt es sich um Startups oder ganz kleine Firmen in Privatbesitz, die Anleger kaum handeln können. Außer sie haben Zugang zu Beteiligungsgesellschaften wie Private Equity Gesellschaften, die Wagniskapital (Venture Capital) bereitstellen.

Auch ein Grund, warum es für ETF-Anbieter schwierig ist, eine auf Quantencomputer ausgelegte Anlagestrategie aufzulegen. Bei Defiance ETFs hat man dies versucht und bildet mit dem Defiance Quantum ETF (QTUM) (WKN: A2W0PV / ISIN: US26922A4206) den BlueStar Quantum Computing & Machine Learning Index ab. Doch auch dieser ist alles andere als ein reines Quantum-Computing-Investment. Neben der gleichzeitigen Konzentration auf den Bereich Machine Learning sind unter den etwas mehr als 80 Indexwerten auch Unternehmen wie Apple, SAP, Oracle, Siemens, Airbus oder Toshiba zu finden.

D-Wave prescht vor

Ein Partizipationszertifikat auf einen entsprechenden Quantum-Index, wie ihn Vontobel auf den Solactive Quantum Computing Index (WKN: VP4XD4 / ISIN: DE000VP4XD45) im Angebot hat, ist ebenfalls nur eine unbefriedigende Lösung für „reine“ Quantencomputer-Investments. Auch für die Aufnahme in diesem Index ist eine Börsennotierung der jeweiligen Unternehmen notwendig. So tummeln sich im Solactive Quantum Computing Index einige Quantum-Computing-Player wie Alphabet oder IBM, keiner von ihnen beschäftigt sich jedoch hauptsächlich mit diesem Gebiet.

Von den aufstrebenden Startups im Bereich Quantencomputer scheint vor allem D-Wave aus Kanada weit zu sein. Die Quantencomputer des Unternehmens sind bereits im Einsatz. Allerdings handelt es sich dabei nicht um sogenannte universelle Quantencomputer, sondern um Quanten-Annealer. Diese machen sich Quantenalgorithmen zunutze und tragen dazu bei, reine Optimierungsprobleme zu lösen. Ihr Einsatz ist lediglich für speziell abgegrenzte Aufgaben gedacht. Sie lösen Probleme, für die es potenziell viele Lösungen gibt, jedoch bereits eine davon zum Ziel führt. Ein lokales Minimum ist also ausreichend.

Pure-Play?

Mit der US-Softwarefirma Quantum Computing Inc. (WKN: A2DPEL / ISIN: US7479065010) gibt es ein Unternehmen, das sich als einziges börsennotiertes „pure-play“ im Bereich Quantum Computing bezeichnet. Allerdings muss man einiges an Fantasie mitbringen, um dieses Unternehmen als das Google, Netflix oder Amazon von Morgen zu sehen. Im jüngsten Geschäftsbericht heißt es zum Beispiel:

„There can be no assurance that we will ever achieve any significant revenues or profitable operations. We are in an early stage of our development and we have not generated any revenues to offset our operating expenses.“ Heißt so viel wie: Wir haben bisher keine Umsätze generiert, um unsere Ausgaben zu decken. Außerdem ist es nicht sicher, dass jemals nennenswerte Umsätze generiert oder profitable Geschäfte betrieben werden.

FAZIT

Quantencomputer scheinen das nächste große Ding im Technologiebereich zu sein. Anleger, die dieser Meinung sind, haben jedoch wenige Möglichkeiten, eine reine auf dieses Gebiet abgestimmte Investmentstrategie zu fahren und das nächste Google, Amazon oder Netflix frühzeitig zu identifizieren. Allerdings ist noch reichlich Zeit vorhanden. Entscheidende Fortschritte in der Forschung sind nicht in den nächsten Jahren, sondern eher in Jahrzehnten zu erwarten.

Melden Sie sich hier für unsere kostenlosen Newsletter an. Sie finden dort unser kostenfreies Newsletter-Angebot u.a. mit “marktEINBLICKE Auf die Schnelle” (Wochentags) und “marktEINBLICKE D-A-CH Rundschau” (Samstags).

Bildquelle: Pressefoto IBM

0 0 vote
Article Rating
Bitte teilen
  •  
  •  
  •  
  •  
  •  
  •  
  •  
Abonnieren
Benachrichtige mich bei
guest
0 Comments
Inline Feedbacks
View all comments