Bildquelle: Pressefoto Daimler

Jahrelang hatte Tesla die Bühne bei der Elektromobilität fast für sich allein. Dies ändert sich derzeit radikal. Weltweit springen Automobilhersteller auf den Zug auf und entwickeln elektrisch angetriebene Modelle. Besonders im Fokus stehen die deutschen Branchengrößen Daimler, BMW und Volkswagen, die in der Vergangenheit mit anderen den Ton angegeben haben.

Vor der Haustür

Am 10. September twitterte Elon Musk: «Bitte arbeiten Sie bei Tesla Giga Berlin! Es wird super Spaß machen! » Auf diese Weise warb der Tesla-Chef um Mitarbeiter für die Gigafactory 4 des kalifornischen Elektrowagenbauers und das Projekt Tesla Gigafactory Berlin-Brandenburg. Die Fabrik entsteht in Grünheide im Landkreis Oder-Spree in Brandenburg. Im Sommer 2021 soll die Produktion mit Teslas vollelektrischem Mittelklasse-SUV «Model Y» losgehen. Während Elon Musk mit seinem Tweet in gebrochenem Deutsch einige Sympathiepunkte eingesammelt haben sollte, dürfte den grossen deutschen Automobilkonzernen BMW, Daimler oder Volkswagen weniger zum Lachen zumute sein. Schliesslich macht sich Tesla aus¬gerechnet in der Nähe der deutschen Hauptstadt breit. Eine Kampfansage an die deutsche Automobilindustrie.

Automobilkonzerne und Zulieferer gehören zu den größten deutschen Arbeitgebern. Politische Entscheidungen werden auch immer mit einem Blick auf die Auswirkungen für die Autobauer getroffen. Und nun taucht plötzlich Tesla auf und mischt den Automobilstandort Deutschland auf. Dies, nachdem das Unternehmen alteingesessene Branchengrössen in den vergangenen Jahren bereits vor sich hergetrieben und wie kaum ein anderes auf Elektromobilität gesetzt hatte. Erst spät nahmen die traditionellen Autohersteller den Trend ernst. Tesla hat sich einen technologischen Vorsprung von mehreren Jahren erarbeitet. Diesen Rückstand gilt es für die deutschen Autobauer, die sich traditionell an der Spitze der weltweiten Automobilindustrie sehen, erst einmal mithilfe milliardenschwerer Investitionen aufzuholen.

Die größte E-Offensive der Automobilindustrie

Trotz ihres Rückstandes scheinen die deutschen Autobauer fest entschlossen zu sein, Tesla (WKN: A1CX3T / ISIN: US88160R1014) in der Welt der elektrischen Antriebe von morgen nicht kampflos das Feld zu überlassen. Volkswagen (WKN: 766403 / ISIN: DE0007664039) meint es dabei besonders ernst. Der gemessen an der Zahl der verkauften Autos grösste Automobilkonzern der Welt hat unlängst eine E-Offensive gestartet. Die Wolfsburger bezeichnen diese selbst als die grösste E-Offensive der Automobilindustrie. Insgesamt sollen rund 33 Mrd. Euro investiert werden. Auch weil sich das Unternehmen auf diese Weise besonders gut von den Nachwirkungen des Diesel-Skandals lösen und neben der Verteidigung des Absatz-Throns auch einen Imagegewinn verbuchen könnte. Bis 2029 bringt Volkswagen konzernweit bis zu 75 reine E-Modelle auf den Markt. Die globale Premiummarke Audi ist dabei ebenso aktiv wie die tschechische Marke Skoda. 2025 will allein die Marke Volkswagen weltweit mehr als eine Million E-Autos pro Jahr verkaufen.

Los geht es in diesem Jahr mit der neu entwickelten, vollelektrischen Modellfamilie ID. Mitte September wurden die ersten in Zwickau produzierten Volkswagen ID.3 an Kunden ausgeliefert. Die erste Überfahrt in die Schweiz hielt sogar einen Reichweitenrekord bereit. Der Schweizer «Hypermiler» Felix Egolf legte die 531 Kilometer lange Strecke von Zwickau nach Schaffhausen dank des Einsatzes einer besonders sparsamen Fahrweise mit nur einer Batterieladung zurück. Die offizielle Reichweite des Modells beträgt bis zu 420 Kilometer. Während sich VW dank seiner E-Offensive sehr gut aufgestellt sieht, scheint der Konzern kurzfristig auch Corona relativ gut überstehen zu können. Im Zuge der Berichterstattung zum ersten Halbjahr 2020 hiess es von Managementseite, dass man aufgrund des positiven Trends des Geschäfts in den letzten Wochen und der Einführung zahlreicher attraktiver Modelle vorsichtig optimistisch auf das zweite Halbjahr blicken würde.

Daimler und BMW setzen auf das Premiumsegment

Unter Konzernchef Dieter Zetsche konnte sich die Daimler Tochter Mercedes-Benz in den vergangenen Jahren den Thron im Premiumsegment zurückholen und BMW (WKN: 519000 / ISIN: DE0005190003) sowie Audi bei den Verkaufszahlen übertreffen. Inzwischen sitzt Zetsche nicht mehr auf dem Vorstandschefposten. Zudem gilt es, die erlangte Marktposition im anbrechenden Zeitalter der Elektromobilität zu verteidigen. Dies wird alles andere als leicht. Mit dem EQC haben die Schwaben ein vollelektrisches Modell auf den Markt gebracht. Allerdings konnten die Verkaufszahlen zuletzt nicht überzeugen. Zwischen Januar und August 2020 wurden laut Kraftfahrt-Bundesamt 1.014 Einheiten neu zugelassen. Möglicherweise ein Grund, warum sich Daimler (WKN: 710000 / ISIN: DE0007100000) derzeit besonders gerne mit einem anderen Zukunftsthema, Wasserstoff, beschäftigt…

Weiter geht es auf dem Vontobel-Blog.

Der obige Text/Beitrag spiegelt die Meinung des oder der jeweiligen Autoren wider. Die CASMOS Media GmbH übernimmt für dessen Richtigkeit keine Verantwortung und schließt jegliche Regressansprüche aus.

Bildquelle: Pressefoto Daimler

0 0 vote
Article Rating
Bitte teilen
  •  
  •  
  •  
  •  
  •  
  •  
  •  
Abonnieren
Benachrichtige mich bei
guest
0 Comments
Inline Feedbacks
View all comments