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Aktuell blieb China als eines der wenigen Länder von erneuten Corona-Infektionswellen verschont und ist im Hinblick auf die wirtschaftliche Erholung am weitesten fortgeschritten. Sowohl die Industrieproduktion als auch die Einzelhandelsumsätze entwickelten sich zuletzt positiv und China konnte für das dritte Quartal ein Wachstum von 2,7 Prozent im Vergleich zum Vorquartal und sogar 4,9 Prozent im Vergleich zum Vorjahr vermelden. 

Die zuletzt steigende Infektionsdynamik dämpft die wirtschaftliche Erholung in Europa. Im Dienstleistungssektor gab die Zuversicht der befragten Unternehmen gemessen an den Markit-Einkaufsmanagerindizes entsprechend nach und fiel in Deutschland mit 48,9 deutlich unter die wichtige Marke 50 Punkten, die eine wirtschaftliche Expansion anzeigt. In dieses Bild passt der zuletzt gefallene GfK-Konsumklimaindex. Deutsche Konsumenten bleiben weiter zurückhaltend legen mehr Wert aufs Sparen. Das ifo-Geschäftsklima konnte sich mit einem Anstieg auf 93,4 nur leicht erholen.

Im Verarbeitenden Gewerbe stieg die Unternehmensstimmung angesichts der erholten Nachfrage nach Fahrzeugen, Maschinen und Anlagen hingegen erneut auf 58 Punkte an. Da für die deutsche Industrie besonders der Export eine wichtige Rolle spielt, ist für die weiteren Perspektiven jedoch die wirtschaftliche Situation in wichtigen Abnehmerregionen entscheidend. Die sowohl in vielen Staaten der Europäischen Union, den USA als auch Großbritannien ebenfalls wieder stärker zunehmenden Corona-Infektionen dürften die Exportnachfrage in den kommenden Monaten allerdings belasten. Damit wird die Dynamik der gesamtwirtschaftlichen Erholung künftig deutlich abnehmen und im Falle großflächiger Shutdown-Maßnahmen sogar zum Erliegen kommen.

Kurzfristig liegt der Fokus zudem auf den US-Präsidentschaftswahlen. Derzeit zeichnet sich ein Wahlsieg des Herausforderers Joe Biden ab. Nicht unwahrscheinlich ist zudem eine demokratische Mehrheit im Senat, womit Biden wesentliche politische Vorhaben wie geplant umsetzen könnte. Wenngleich die Möglichkeit eines Trump-Sieges besteht, wird an den Kapitalmärkten derzeit eher ein Regierungswechsel eingepreist.Wesentliche Impulse würden vor allem durch die von Biden vorgesehenen enormen Investitionen in die Bereiche einer grünen Energiewende, der Modernisierung der Infrastruktur sowie Forschung & Entwicklung ausgehen, wovon entsprechend positionierte Unternehmen profitieren sollten. Zudem würde die Erhöhung des Mindestlohns auf 15 US-Dollar den privaten Konsum stärken.

Tendenziell negativ würden stärkere Regulierungen in den Segmenten fossiler Energie, Finanzen und für große Technologieunternehmen wirken. Insgesamt dürften für die Aktienmärkte aber die positiven Effekte überwiegen. Zwar würde auch unter Biden ein protektionistischer Kurs der US-Handelspolitik erfolgen, allerdings wäre hier einem moderateren Ton zu rechnen. Zudem könnte Biden die Beziehungen zu Bündnispartnern wieder aufbessern und bspw. versuchen, durch einen Schulterschluss mit Europa eine gemeinsame Vorgehensweise gegenüber China zu vereinbaren.

Für europäische Unternehmen könnte das Wegfallen der Drohkulisse eines möglichen Handelskonfliktes mit Europa sowie ggf. eine gesteigerte Nachfrage nach Know-how und Lösungen zur Umsetzung der Energiewende positiv wirken. Die deutlich steigenden Staatsausgaben, mögliche Energie-Preiserhöhungen, der steigende Mindestlohn und die weiterhin ultra-expansive Geldpolitik der Notenbank Fed werden eine künftig steigende Inflation unterstützen und tendenziell für Zinssteigerungsdruck bei längeren Laufzeiten sorgen.

Ein Kommentar von Carsten Mumm
Er ist Chefvolkswirt bei der Privatbank Donner & Reuschel. Das Traditionshaus mit Sitz in Hamburg und München setzt auf qualifizierte und umfassende Beratung für vermögende Privatkunden, Unternehmer, Immobilienkunden und institutionelle Kunden.

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Bildquellen: Donner & Reuschel / Bildquelle: markteinblicke.de

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