Bildquelle: Pixabay / MichaelGaida

Aktuelle Zahlen des Interessen-Verbandes „Allianz pro Schiene“ zeigen, dass auch im vergangenen Jahr 2019 in der deutschen Schieneninfrastruktur ein Investitionsstau vorherrschte. Demnach hat der deutsche Staat nur 76 Euro pro Einwohner in das Schienennetz investiert. Deutschland liegt damit im internationalen Vergleich nicht nur weiterhin zurück, die Rate ist sogar im Vergleich zu 2018 um einen Euro gesunken. Doch diese Entwicklung soll sich bald ändern.

Im Januar beschloss der Bund, 86 Mrd. Euro in die Schieneninfrastruktur zu investieren. Im Vergleich zu den vergangenen fünf Jahren werden die Ausgaben in Deutschland damit um 54 Prozent steigen. Durch die Milliardenspritze soll die Bahn vom Sanierungsfall zum Hoffnungsträger für den Klimaschutz werden, denn auf der Schiene werden fast zwei Drittel weniger CO2 freigesetzt als auf der Straße. Die Fahrgastzahlen sollen deshalb bis 2030 von zuletzt rund 150 Millionen auf 260 Millionen ansteigen. Das größte Investitionsprogramm in der Geschichte der Deutschen Bahn ist eine gewaltige Herausforderung, die aber großes Wachstumspotenzial in einer von Preiskämpfen geprägten Branche eröffnet.

Schaltbau: Weltmarktführer im Bereich Bahn-Infrastruktur

Für Anleger könnte sich deshalb ein Blick auf die Aktien von Unternehmen lohnen, die in den kommenden Jahren von dem Schienen-Investitionsprogramm profitieren dürften. Dazu zählt beispielsweise Schaltbau (WKN: A2NBTL / ISIN: DE000A2NBTL2). Die Unternehmen der Schaltbau-Group entwickeln hochwertige Produkte und Technik für Schienenfahrzeuge, Bahninfrastruktur, Straßenfahrzeuge und weitere industrielle Anwendungen.

Dazu gehören im Bahnbereich unter anderem Hoch- und Niederspannungskomponenten für Schienenfahrzeuge, intelligente Tür- und Zustiegssysteme für Bahnen und Bahnhöfe, Inneneinrichtungen, Fahrschalter und Führerstands-Ausrüstungen für Schienenfahrzeuge. Auch komplette Bahnübergänge sowie Rangier- und Signaltechnik gehören zum breiten Angebotsspektrum. Laut Schaltbau besteht dabei Weltmarktführerschaft unter anderem in den Sparten Bahninfrastruktur, Schienenfahrzeug-Technik und Gleichstrom-Schalttechnik. Der im Jahr 1929 gegründete Konzern mit Sitz in München umfasst rund 30 Tochtergesellschaften und beschäftigt weltweit etwa 3.000 Mitarbeiter.

Schaltbau-Chart: Börse Stuttgart

Aktie mit hoher Volatilität

Während sich die Umsätze bei Schaltbau in den vergangenen Jahren stabil entwickelten (jährlich knapp über 500 Mio. Euro), wurde auf der Ergebnisseite eine deutliche Verbesserung erreicht. Nachdem zwischen 2016 und 2018 unter dem Strich jährlich noch Verluste zu Buche standen, wurde 2019 wieder ein Gewinn erzielt, in Höhe von sieben Mio. Euro. Das dürfte auch für 2020 gelten, denn in den ersten neun Monaten wurde bereits ein Gewinn von knapp zehn Mio. Euro verzeichnet und damit deutlich mehr als im Gesamtjahr 2019. Die Umsatzprognose des Konzerns für 2020 liegt bei rund 500 Mio. Euro.

An der Börse gehört die im Prime Standard der Frankfurter Börse notierte Schaltbau-Aktie (Börsengang 1994) zu den volatileren Werten (Kursgewinn seit November 2010: im Schnitt +3% jährlich), weshalb das Verlustrisiko hier entsprechend hoch ausfällt. Risikofreudige Anleger sollten den Kapitaleinsatz deshalb kleinhalten und können einen Ausbruch über die 200-Tage-Linie (27,10 Euro) zum Einstieg nutzen. Für Dividenden-Freunde ist die Aktie aber uninteressant, da hier schon seit Jahren nicht mehr ausgeschüttet wurde.

INIT: Weltmarktführer für Ticketing- und Telematik-Lösungen

Ein weiteres spannendes Unternehmen im Bereich der Verkehrsinfrastruktur ist Init (WKN: 575980 / ISIN: DE0005759807). Seit der Gründung im Jahr 1983 hat sich INIT vom Universitäts-Spin-off zum Weltmarktführer für Ticketing- und Telematik-Lösungen im öffentlichen Nahverkehr entwickelt. Unter Telematik wird die Technik verstanden, welche die Bereiche Telekommunikation und Informatik verknüpft. Konkret bedeutet dies, dass INIT Soft- und Hardware für Aufgaben von Verkehrsunternehmen entwickelt. Das in Karlsruhe ansässige Unternehmen bietet dabei IT-Lösungen an, mit denen unter anderem die Erstellung von Fahrplänen, die Fahrzeug- und Fahrereinsatzplanung, der Fahrscheinverkauf, die Betriebssteuerung, die Information der Fahrgäste sowie die Analyse und Optimierung des Betriebsgeschehens bewältigt werden können. INIT bietet dabei ein vollintegriertes System an, dessen Komponenten wegen des modularen Aufbaus auch einzeln eingesetzt werden können oder sich in vorhandene Systeme integrieren lassen. Zu den Kunden von INIT in Deutschland zählen beispielsweise die Bremer Straßenbahn AG, die Dortmunder Stadtwerke AG und die Stadtwerke Verkehrsgesellschaft Frankfurt am Main. Weltweit hat INIT mehr als 700 Kunden und ist mit rund 1.000 Mitarbeitern an über 30 Standorten vertreten.

INIT-Chart: Börse Stuttgart

Kräftiges Aktien-Gewinnpotenzial

INIT konnte den Umsatz in den vergangenen Jahren kontinuierlich steigern. Im abgeschlossenen Jahr 2019 wurden Erlöse von 156 Mio. Euro (+15 Prozent gegenüber 2018) und ein Gewinn von elf Mio. Euro (+371 Prozent). Die positive Geschäftsentwicklung hielt trotz der Corona-Krise auch im laufenden Jahr an. Im Zeitraum Januar bis September kletterte der Umsatz gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 16 Prozent auf 131 Mio. Euro. Beim Gewinn wurde ein Plus von 18 Prozent auf acht Mio. Euro verbucht.

Die Aktie von INIT (Kursgewinn seit November 2010: im Schnitt +8% p.a.) ist seit 2001 an der Deutschen Börse in Frankfurt gelistet (Prime Standard) und markierte zuletzt im Juli ein neues Allzeithoch bei 37,80 Euro. Es folgten bis zum Oktober ein scharfer Einbruch auf rund 23 Euro und eine neue Aufhol-Rallye bis Mitte November in den Bereich der 29-Euro-Marke. Sollte sich die Aufwärtsbewegung fortsetzen, eröffnet sich bis zum Oktober-Rekordhoch ein Gewinnpotenzial von rund 30 Prozent. Auch hier sollten Anleger aber ein vergleichsweise höheres Schwankungsrisiko einkalkulieren. Für 2019 hat INIT eine Dividende von 0,40 Euro ausgeschüttet (2018: 0,12 Euro). Sollte im kommenden Jahr für 2020 wieder eine Dividende von 0,40 Euro gezahlt werden, errechnet sich eine Dividendenrendite von aktuell 1,4 Prozent.

Vossloh: Weltweit führend bei Schienenbefestigungen und Weichensystemen

Die Wurzeln von Vossloh (WKN: 766710 / ISIN: DE0007667107) reichen zurück bis ins Jahr 1888, in dem Eduard Vossloh eine Schmiede gründete, die neben Eisenbahn-Federringen auch andere Eisenwaren und Gardinenstangen produzierte. Inzwischen zählt das in Werdohl (NRW) ansässige Unternehmen bei Schienenbefestigungen und Weichensystemen jeweils zu den Weltmarktführern. Laut eigenen Angaben ist Vossloh bei Beton-Streckenschwellen der führende Hersteller in Nordamerika und in Australien. Die Schienenbefestigungen von Vossloh sind in über 65 Ländern im Einsatz und werden an weltweit 30 Produktionsstandorten hergestellt.

Daneben bietet der Konzern, der global rund 3.800 Mitarbeiter beschäftigt, unter anderem auch Bahnübergangssysteme und Dienstleistungen rund um die Schiene an. Dazu gehören zum Beispiel Schweißungen, der Transport von Langschienen und die präventive Pflege von Schienen und Weichen. Das einzigartige Schienenschleifverfahren „High Speed Grinding“ von Vossloh kommt dabei beispielsweise auch in China zum Einsatz, wo Vossloh das erste private Unternehmen ist, das Instandhaltungs-Dienstleistungen auf Hochgeschwindigkeitsstrecken erbringt.

Vossloh-Chart: Börse Stuttgart

Aktie nach wie vor im Abwärtstrend

Während Vossloh den Umsatz 2019 im Vergleich zum Vorjahr um sechs Prozent auf 916 Mio. Euro steigern konnte, wurde unter dem Strich ein hoher Verlust von 137 Mio. Euro verbucht, nach einem Gewinn von 23 Mio. Euro im Vorjahr. Grund hierfür waren aber vor allem hohe Einmaleffekte aus dem Konzernumbauprogramm, das unter anderem den Ausstieg aus dem verlustträchtigen amerikanischen Weichengeschäft beinhaltete. Operativ sieht sich Vossloh weiterhin auf Kurs, was auch die Geschäftszahlen im laufenden Jahr bestätigen. So wurde in den ersten neun Monaten ein Betriebsgewinn vor Zinsen und Steuern (EBIT) von 55 Mio. Euro erzielt, was auf Jahressicht ein Plus von 72 Prozent bedeutet. Unter dem Strich stand wieder ein Gewinn von neun Mio. Euro zu Buche, nach einem Verlust von 85 Mio. Euro im Vorjahr.

An der Börse geht es für die Aktie von Vossloh schon seit Jahren bergab (seit November 2010: Kursverlust im Schnitt 9% p.a.). Im März dieses Jahres markierte die SDAX-Aktie bei 23,60 Euro den tiefsten Stand seit 2003. Seitdem konnte sich der Kurs unter kräftigen Schwankungen wieder bis zeitweise auf 34 Euro nach oben arbeiten. Mittel- und langfristig betrachtet ist der Abwärtstrend aber weiter intakt, weshalb Anleger die Aktie meiden sollten. Auch aus Dividendensicht ist die Aktie uninteressant. Diese wurde wegen der anhaltenden Corona-Krise in diesem Jahr ausgesetzt.

Fazit

Die geplanten Milliarden-Investitionen in die deutsche Bahn-Infrastruktur eröffnen Kursfantasie bei den Aktien von Schaltbau, INIT und Vossloh. Während sich ein Einstieg für risikobereite Anleger bei Schaltbau und INIT lohnen könnte, sollte um die Aktie von Vossloh dagegen ein großer Bogen gemacht werden. Hier ist der übergeordnete Abwärtstrend nämlich weiterhin intakt.

Bildquelle: Pixabay / MichaelGaida

0 0 vote
Article Rating
Bitte teilen
  •  
  •  
  •  
  •  
  •  
  •  
  •  
Abonnieren
Benachrichtige mich bei
guest
0 Comments
Inline Feedbacks
View all comments