Bildquelle: Pressefoto DSW

Der DAX wird am 1. Juli 2021 stolze 33 Jahre alt – im September des gleichen Jahres wird er sich grundlegend verändern. Die Zahl der Werte steigt von 30 auf 40 und auch bei den Kriterien wird sich einige ändern. Die marktEINBLICKE-Redaktion hat dazu Marc Tüngler, Hauptgeschäftsführer der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) befragt.

Wurden aus dem Wirecard-Skandal die richtigen Lehren gezogen?

Den Wirecard-Skandal können wir nur bedingt in den Reformen wiedererkennen.
Dass der Prüfungsausschuss betont wird, ist der richtige Weg. Allerdings wird das auch bald Gesetz sein, so dass diese Anforderung ein Mindestmaß darstellt. Mehr Governance-Vorgaben, wie wir es auch in den USA bei der NYSE oder NASDAQ sehen, hätten wir ausdrücklich begrüßt.

Ist der auf 40 Titel vergrößerte DAX eine gute Entscheidung?

So gut die Entscheidung ist, den Leitindex DAX auf 40 Werte zu erhöhen, so schlecht ist sie für den MDAX. Hier sehen wir eine Kannibalisierung des MDAX, die deutlich über den Vorteil für den DAX hinausgeht. MDAX-Anleger sollten jetzt überlegen, ob sie umschichten müssen.

Welche Auswirkungen erwarten Sie auf die anderen Indizes TecDAX, MDAX und SDAX?

Wir werden eine deutliche Betonung des DAX und zugleich eine Schwächung des MDAX sehen. SDAX und TecDAX sind eher unbeeindruckt von den Veränderungen.
Anleger sollten zukünftig bewusster mit der Indexwelt umgehen und sich neu entscheiden, was für sie der richtige Ansatz ist.

Wie schätzen Sie die neuen Indexregeln für den DAX-40 ein?

Der ganz große Wurf ist das nicht. Beispiel: Zukünftig auf ein positives EBITDA abzustellen, werten wir als wenig progressiv bis schwach. Da wäre doch mehr drin gewesen, zumal das EBITDA von den Unternehmen selbst definiert wird. Ein anderes Thema ist die Gewichtung im DAX. Das wurde gar nicht adressiert.

Wäre ein marktbreiter Index, vergleichbar zum S&P500, nicht die sinnvollere DAX-Alternative?

Viele Anleger schauen auf den HDAX und damit auf einen Art DAX100. Das werden sie auch weiterhin tun und der deckt ein breites Spektrum ab. Die Neuregelung für die DAX-Familie kann durchaus Anlass bieten, sich neu zu orientieren und umzudenken. Die Dominanz des neuen DAX-40 wird jedoch schon erheblich sein.

Vielen Dank für das Gespräch.

Bildquelle: DSW

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