Bildquelle: Pressefoto MEDIOS AG

Das Pharma-Unternehmen Medios (WKN: A1MMCC / ISIN: DE000A1MMCC8) machte in der vergangenen Woche durch eine spannende Übernahme von sich Reden. Wir sprachen dazu und über das allgemeine Umfeld mit Matthias Gärtner, derzeit CFO des SDAX-Unternehmens. Zum Jahreswechsel übernimmt er zusätzlich auch die Funktion des CEOs.

Specialty Pharma gilt als großer Zukunftsmarkt. Welche Wettbewerbsentwicklungen erwarten Sie hier und mit welchen Folgen für Medios?

Wir gehen davon aus, dass der Specialty Pharma Markt weiterhin konsolidieren wird. Daraus ergeben sich für unsere interessante M&A-Möglichkeiten, mit denen wir unsere Marktposition weiter verbessern können. Mit Cranach Pharma haben wir ein Unternehmen übernommen, dass in seinem Bereich, dem spezialisierten pharmazeutischen Großhandel, sehr gut aufgestellt ist. Das trifft übrigens auch auf die Kölsche Blister zu, die wir im vergangenen März akquiriert haben. Beide Übernahmen ergänzen unser Leistungsspektrum optimal. Cranach Pharma verstärkt unseren Geschäftsbereich Arzneimittelversorgung und die Kölsche Blister unseren Geschäftsbereich Patientenindividuelle Therapien.

Medios-Finanzvorstand Matthias Gärtner übernimmt ab 2021 auch die Rolle des CEO. (Bildquelle: Pressefoto MEDIOS AG)

Bislang stand vor allem organisches Wachstum auf der Agenda, nun die Übernahme. Worauf richtet sich wachstumstechnisch der künftige Fokus?

Wir wollen weiterhin sowohl organisch als auch anorganisch wachsen. Für weitere Übernahmen sind wir gut ausgestattet. Mit Zukäufen wie Cranach Pharma und Kölsche Blister können wir unser Wachstum auf eine noch breitere Basis stellen und unser Partnernetzwerk weiter ausbauen. Alleine durch Cranach wird die Anzahl unserer Partnerapotheken von derzeit rund 330 auf rund 500 steigen; unser langfristiges Ziel liegt bei rund 1.000 Partnerapotheken. Hinzu kommt, dass unsere Abhängigkeiten und Risiken durch den größeren Produkt- und Servicemix und die erweiterten Indikationsbereiche deutlich verringert werden; derzeit bieten wir rund 650 von rund 1.000 in Deutschland verfügbaren Specialty Pharma Produkten an. Außerdem können wir durch Akquisitionen Synergieeffekte nutzen – im Falle von Cranach zum Beispiel im Einkauf, Vertrieb und in der Logistik. Unsere Strategie ist aber nicht auf Wachstum beschränkt. Wir wollen auch unser Ergebnis nachhaltig stärken, zum Beispiel indem wir den Fokus auf die Herstellung von Specialty Pharma Arzneimitteln und damit auf die patientenindividuellen Therapien verlagern.

Während der Umsatz in den ersten neun Monaten deutlich gestiegen ist, wurde beim operativen Ergebnis ein Rückgang verzeichnet. Wie ist der gestiegene Margendruck zu erklären und werden Sie darauf reagieren?

Der Margendruck kommt insbesondere durch Corona-bedingte Sondereffekte zustande. Damit meine ich vor allem die behördlich angeordnete Kontingentierung bestimmter Medikamente, die ab dem ersten Quartal bei der Bevorratung zu höheren Einkaufspreisen und damit auch zu geringeren Margen als geplant geführt hat. Dieser Effekt hat sich auch im zweiten und dritten Quartal fortgesetzt. Im Vergleich zum zweiten Quartal haben wir uns im dritten Quartal mit einem Umsatzplus von 23 Prozent und einem deutlichen Ergebnisanstieg aber wieder deutlich positiv entwickelt. Die Kontingentierung soll erst mit dem Ende der Corona-Pandemie wieder aufgehoben werden. Bis dahin werden wir weiterhin alles daran setzen, unsere Kunden und Partnerapotheken zufriedenzustellen. Dafür nehmen wir notfalls auch geringere Margen in Kauf. Dennoch: Unser Wachstumskurs ist intakt.

MEDIOS ist im Zukunftsmarkt Specialty-Pharma-Arzneimittel sehr erfolgreich. (Bildquelle: Pressefoto MEDIOS AG)

Der Bundestag hat durch das Rabattverbot für verschreibungspflichtige Medikamente die Rolle der klassischen Apotheken gestärkt. Funktioniert Specialty Pharma überhaupt mit Online-Apotheken oder gibt es andere Wege der Digitalisierung?

Die Digitalisierung des Gesundheitswesens ist ein Megatrend, der auch die Specialty Pharma Branche betrifft. Wir wollen diese Entwicklung aktiv mitgestalten und haben mit mediosconnect bereits eine digitale Handelsplattform für individualisierte Arzneimittel entwickelt, die Ärzte, Krankenkassen und spezialisierte Partnerapotheken miteinander verbindet. Die Plattform macht das Gesundheitssystem wirtschaftlicher, indem sie Bestell- und Abrechnungsprozesse vereinfacht. Davon können letztlich auch wir als Anbieter profitieren. Wir haben die Software zuerst in Berlin und nun auch in Mecklenburg-Vorpommern eingeführt. Dadurch legen die Nutzerzahlen kontinuierlich zu. Im nächsten Schritt wollen wir eine E-Rezept-fähige Plattform einführen, die nicht nur Ärzten, Krankenkassen und unseren spezialisierten Partnerapotheken, sondern auch Patienten einen Mehrwert bieten soll.

Welche Auswirkungen hat die SDAX-Aufnahme für die Equity Story von Medios bislang gehabt?

Das Interesse an Medios ist weiter gestiegen. Das Telefon klingelt häufiger, der Posteingang ist voller, und auch die Teilnahme an unseren Investoren- und Analystengesprächen ist größer. Gerade im Ausland nimmt man uns jetzt noch deutlicher wahr, wobei wir ohnehin schon einen sehr hohen Anteil an internationalen Investoren haben. Letztlich hat auch die Presseberichterstattung nochmals zugenommen, was insbesondere für unsere Sichtbarkeit in Deutschland wichtig ist. An unserer Equity Story selber hat sich durch die SDAX-Aufnahme aber nichts geändert. Wir haben noch die gleichen Qualitäten wie vor vier Jahren, als wir an die Börse gegangen sind.

Vielen Dank für das Gespräch.

Bildquelle: Pressefoto MEDIOS AG

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