Bildquelle: Pressefoto Börse Wien

Unser Nachbar Österreich wird oftmals unterschätzt. Auf die Frage, worin Österreich spitze ist, kommt meist etwas Kulinarisches als Antwort. Natürlich sind Süßspeisen und Torten, Mozartkugeln oder das Wiener Schnitzel nicht wegzudiskutieren. Aber es gibt noch viele andere Bereiche, wo österreichische Unternehmen weltweit spitze sind. Wir haben uns dazu einmal einige börsennotierte Weltmarktführer angeschaut. Die Palette reicht vom Flug- und Schienenverkehr, über Kräne, Feuerwehrfahrzeuge, Dachziegel bis hin zu Fasern und Verpackungen. Machen Sie mit uns eine kleine Reise zu den Global Champions made in Austria.

Weltmarktführer überzeugen meist durch ein stabiles Geschäftsmodell mit hohen Margen. Wenn noch große Innovationskraft hinzukommt, handelt es sich um eine echte Unternehmensperle. Leider führt die Fokussierung auf die ertragreiche Marktführerschaft aber häufig dazu, dass Unternehmen träge werden und sich auf den Lorbeeren (der Vergangenheit) ausruhen.

Dann nützt auch die starke Marktposition wenig und die Börse goutiert solches Verhalten ebenfalls nicht. Dennoch lohnt es sich nach globalen Leadern Ausschau zu halten. Ob man die Aktie dann ins eigene Depot nimmt oder sich eher an den Produkten erfreut ist einem selbst überlassen.

Frequentis

Der Firmenname Frequentis (WKN: A2PHG5 / ISIN: ATFREQUENT09) dürfte hierzulande den meisten Menschen unbekannt sein, obwohl die weltmarktbeherrschenden Kommunikations- und Steuerungslösungen der Österreicher quasi omnipräsent sind und einen entscheidenden Beitrag zur Sicherheit in Deutschland leisten. So sind vier Flugsicherungszentralen der Deutschen Flugsicherung sowie mehr als 30 regionale und internationale Tower in Deutschland mit Frequentis-Systemen zur Sprachkommunikation ausgestattet.

Diese haben in den zurückliegenden Jahren über 200 Millionen Passagiere jährlich bei ihren Flügen geschützt. Außerdem hat Frequentis hierzulande fast flächendeckend Betriebszentralen und Stellwerke der Deutschen Bahn mit Kommunikationssystemen, mit denen die Sicherheit von über zwei Milliarden Bahn-Passagieren pro Jahr gewährleistet wird, ausgestattet. Wie die Geschäftszahlen belegen, befindet sich der Konzern, zu dessen Kunden auch Sicherheitsinstitutionen (u.a. Polizei, Feuerwehr, Rettungsdienste) aus aller Welt gehören, nach wie vor auf dem Wachstumskurs. So wurden die Umsatzerlöse beispielsweise zwischen 2016 und 2019 im Schnitt um acht Prozent jährlich gesteigert. Der Nettogewinn wuchs dabei um durchschnittlich neun Prozent pro Jahr. An der Börse gehört Frequentis mit einem Börsengang im Mai 2019 noch zu den Newcomern, der sich noch beweisen muss.

Bildquelle: Pierer Mobility

Pierer Mobility

Die Produkte des österreichischen Konzerns Pierer Mobility (WKN: A2JKHY / ISIN: AT0000KTMI02) begegnen uns im Straßenverkehr immer wieder. Dazu gehören zum Beispiel die weltbekannten Motorräder der Marken KTM (MX, Enduro, Freeride), HUSQVARNA Motorcycles und GASGAS, mit denen der größte europäische Motorradhersteller auch zu den Technologie- und Weltmarktführern zählt. Außerdem hat sich das Unternehmen frühzeitig im schnell wachsenden Markt der Elektromobilität positioniert.

Hier zählen zur Produktpalette beispielsweise der KTM Freeride E-XC, ein elektrisches Hochleistungsmotorrad für den Offroad-Bereich, und das KTM Macina Prowler Sonic 2020, ein Elektro-Mountainbike mit Carbon-Rahmen. Als Pionier könnte PIERER Mobility in dieser Sparte ebenfalls schon bald zu einem der Weltmarktführer aufsteigen. Der Umsatz legte allein zwischen 2013 und 2019 im Mittel um sieben Prozent jährlich zu. Der Nettogewinn konnte dabei weit überproportional um durchschnittlich 17 Prozent p.a. zulegen. Nachdem sich die Aktie von PIERER Mobility viele Jahre lang im Sinkflug befand, ging es ab 2013 wieder kräftig nach oben.

Bildquelle: Pressefoto Lenzing AG; Fotograf: Vogel AV

Lenzing

In den Textilien der Kunden von H&M, Victoria’s Secret, Levi’s, Triumph, Esprit oder beispielsweise The North Face steckt der „Hidden Champion“ Lenzing (WKN: 852927 / ISIN: AT0000644505), denn der global führende Hersteller von Zellulosefasern zählt diese und viele weitere weltbekannte Textilkonzerne zu seinem Kundenkreis. So sind die produzierten Fasern aus der „TENCEL“-Produktfamilie, die aus dem Rohstoff Holz gewonnen werden, die Ausgangsbasis für eine Vielzahl von Textil- und Vliesstoff-Anwendungen, werden aber auch in technischen Anwendungen sowie in Schutz- und Arbeitskleidung verarbeitet.

Daneben finden die Fasern auch im Bereich hochsaugfähiger Hygieneprodukte wie unter anderem Baby-Windeln, Slipeinlagen und Damenbinden Verwendung. Die Coronavirus-Krise traf die Textil- und Bekleidungsindustrie und damit auch den Weltfasermarkt mit voller Wucht. Davon betroffen war auch Lenzing, wie die Geschäftszahlen zum ersten Halbjahr gezeigt haben. So brach der Umsatz in den ersten sechs Monaten gegenüber dem Vorjahreszeitraum um ein Viertel auf 810 Mio. Euro ein. Der Gewinn wurde geradezu pulverisiert – er lag bei 1,5 Mio. Euro gegenüber 78,8 Mio. Euro im Vorjahreszeitraum. Doch die Pandemie ist nicht allein für die schlechte Geschäftsentwicklung verantwortlich. Wegen des hohen Mengen- und Preisdrucks im Zellulosefaser-Bereich ging es für die Umsätze und Gewinne von Lenzing bereits seit 2017 immer weiter bergab. Das zeigt sich auch an der Aktienkursentwicklung.

Bildquelle: Pressefoto PALFINGER AG

Palfinger

Wenn es auf der Landstraße zu einem Autounfall kommt oder ein Fahrzeug im Straßengraben landet und die Feuerwehr zur Autobergung anrückt, kommt in vielen Fällen auch die Technik von Palfinger (WKN: 919964 / ISIN: AT0000758305) in Form des Feuerwehr-Rüstwagen-Krans zur Hilfe. Neben den unterschiedlichsten Rüstwagen-Kranen verfügt der 1932 gegründete österreichische Konzern über mehr als 100 Modelle im Bereich der Ladekranen und gilt damit als Weltmarktführer. Omnipräsent ist Palfinger daher natürlich im Motorsport, schließlich landen hier regelmäßig Fahrzeuge abseits der Fahrbahn.

Relevant ist Palfinger aber vor allem in der Industrie, wo die Produkte des Unternehmens auf vielen Lkws für den reibungslosen Ladeprozess sorgen. Auch in den Sparten Forst- und Recycling-Kranen für den On- und Offroad-Bereich und bei Hooklifts, also Hakenliften, ist Palfinger die weltweite Nummer eins. Wie groß die Nachfrage nach den Produkten von Palfinger ist, zeigen die Geschäftszahlen der vergangenen Jahre. Allein zwischen 2013 und 2019 wurde der Umsatz Jahr für Jahr gesteigert, im Schnitt lag der Zuwachs bei zehn Prozent pro Jahr. Im selben Zeitraum verbesserte sich der Nettogewinn ebenfalls um durchschnittlich zehn Prozent jährlich. Das bedeutete neue Rekordwerte. Nicht ganz so beeindruckend fiel die bisherige Börsenhistorie von Palfinger aus.

voestalpine

Die Deutsche Bahn unterzieht ihre inzwischen über 30 Jahre alten Schnellfahrstrecken einer Generalüberholung. Dazu gehören auch mehr als 270 komplexe Hochgeschwindigkeitsweichen, die mit über 200 km/h befahren werden. Gebaut werden die neuen Schienen vor allem von voestalpine (WKN: 897200 / ISIN: AT0000937503), einem österreichischen Stahl- und Technologiekonzern, der solche komplizierten Großanlagen in alle Welt liefert. Zu den Kunden gehört beispielsweise auch China, wo es das mit Abstand größte Hochgeschwindigkeits-Verkehrsnetz der Welt gibt. Hier stammt rund ein Viertel der Hochgeschwindigkeitsweichen von voestalpine, dem Weltmarktführer in der Weichenbautechnologie und der europäischen Nummer eins in der Schienenherstellung.

Die eskalierenden Handelskonflikte, die weltweite Eintrübung des Wirtschaftswachstums und die Corona-Pandemie gegen Ende des Geschäftsjahres 2019/2020 (per Ende März) haben den Umsatz im abgeschlossenen Geschäftsjahr im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um sechs Prozent auf 12,7 Mrd. Euro einbrechen lassen. Dabei stand unter dem Strich ein Verlust von 217 Mio. Euro zu Buche, nach 459 Mio. Euro Gewinn im Vorjahr. Die Krise in der Automobilindustrie ist eines der größten Sorgenkinder der Linzer. Daher folgt auch die zunehmende Fokussierung entlang der Kompetenz im Stahlbereich auf andere Produkte, etwa Leichtbauwaggons für den Bahnverkehr. Mit Blick auf die globale Energiewende weg von fossilen Energieträgern ist voestalpine zudem ein Vorreiter, wenn es um die nachhaltige Stahlerzeugung der Zukunft geht.

Bildquelle: Pressefoto © voestalpine AG

Rosenbauer

Es gibt Produkte, die fast immer nachgefragt werden. Dazu gehören Feuerwehrfahrzeuge und -technik, denn Brände und Feuerunfälle gibt es immer. Wer selbst einmal davon betroffen sein sollte und den Notruf 112 um Hilfe ruft, könnte zum Beispiel wenig später Besuch von einem HLF20 und einer Drehleiter bekommen, die beide von Rosenbauer (WKN: 892502 / ISIN: AT0000922554) hergestellt wurden. Laut eigenen Angaben stellt Rosenbauer rund jedes sechste neue Löschfahrzeug in der Welt her, was den Konzern zum Weltmarktführer krönt. Dazu gehört mit dem Panther auch der König der Feuerwehrfahrzeuge. Das drei oder vierachsige Fahrzeug stellt das Rückgrat vieler Flughafen-Feuerwehren weltweit dar.

Kein Wunder, kann es doch mit 12.000 Litern Wasser, 750 Litern Schaummittel und 250 Kilogramm Löschpulver an Bord in weniger als 32 Sekunden von 0 auf 80 km/h beschleunigen und sogar eine Höchstgeschwindigkeit von 120 km/h erzielen. Die marktbeherrschende Stellung schlägt sich in den Geschäftszahlen der zurückliegenden Jahre nieder. So verbesserte sich der Umsatz beispielsweise zwischen 2013 und 2019 im Schnitt um fünf Prozent pro Jahr (2019: 978 Mio. Euro). Im selben Zeitraum haben die Nettogewinne aber stagniert (2019: 35 Mio. Euro), was Rosenbauer mit den produktionsbedingt hohen Aufwendungen für Personal und Material erklärt. Die niedrige Profitabilität belastet die Aktie von Rosenbauer schon seit Jahren.

Bildquelle: Pressefoto Rosenbauer

Wienerberger

Ziegel sind in vielen Ländern und Kulturen ein seit Jahrhunderten bewährter Baustoff für das private Wohnheim. Auch hierzulande setzen viele Häuslebauer auf den ästhetischen Naturbaustoff und damit meist automatisch auf Wienerberger (WKN: 852894 / ISIN: AT0000831706). Denn fast jeder zweite Ziegel in Deutschland ist ein sogenannter Poroton-Ziegel (Baustoffmarke für porosierte Lochziegel), der in Deutschland mit Ausnahme von Bayern in allen Bundesländern nur vom Ziegelweltmarktführer Wienerberger angeboten wird. Zum Angebotssortiment gehören außerdem unter anderem Betonpflastersteine (Marktführer in Zentral-Osteuropa) und Rohrsysteme (europäischer Marktführer).

In den vergangenen Jahren konnte Wienerberger die Umsätze stetig steigern. Diese legten zwischen 2015 und 2019 um durchschnittlich vier Prozent pro Jahr zu. Dank der gestiegenen Rentabilität konnte der Nettogewinn in diesem Zeitraum sogar im Schnitt um 62 Prozent jährlich gesteigert werden. An der Börse wechselte die Wienerberger-Aktie Ende 2012 in den Aufwärtstrend und konnte sich bis zum Februar dieses Jahres mehr als verfünffachen, wobei ein Elfjahreshoch bei 28,42 Euro markiert wurde. Nach dem corona-bedingten März-Absturz auf 11,74 Euro startete die Aktie eine neue Kurs-Rallye und konnte die vorangegangenen Kursverluste wettmachen.

Bildquelle: Pressebild Wienerberger

Andritz

Wasser ist bekanntlich die Quelle allen Lebens und bedeckt etwa 70 Prozent der Erde. Was liegt da näher, als dieses Wasser auch zur Stromerzeugung zu nutzen. Genau dieses Ziel verfolgt auch Andritz (WKN: 852894 / ISIN: AT0000831706), einer der weltweit größten Player im Bereich Stromerzeugung aus Wasserkraft. Von dem österreichischen Konzern sind weltweit über 30.000 Turbinen im Einsatz, die mehr als 420,000 Megawatt Strom pro Jahr erzeugen. Doch das ist noch nicht alles.

Der Technologiekonzern ist außerdem Weltmarktführer für Produktionstechnologie für die Papier- und Zellstoffindustrie und gehört zu den führenden Konzernen in den Bereichen Metall- sowie Stahlverarbeitung. Im abgeschlossenen Geschäftsjahr 2019 musste Andritz im Vergleich zum Vorjahr einen Gewinneinbruch um 42 Prozent auf 128 Mio. Euro vermelden. Dieser ging jedoch größtenteils auf hohe Belastungen aus der Restrukturierung der deutschen Andritz-Tochter Schuler zurück. Der Pressenhersteller leidet unter der Schwäche des globalen Automarkts. An der Börse konnte Andritz trotz der zuletzt starken Umsatzentwicklung in den vergangenen Jahren nicht überzeugen. Die im ATX notierte Aktie befindet sich seit Mitte 2017 im Sinkflug und notiert weit unter dem Allzeithoch aus 2015 (57,29 Euro).

Bildquelle: Pressefoto Andritz

Mayr-Melnhof

Die Corona-Pandemie hat die Geschäfte vieler großer Online-Händler wie unter anderem Amazon beflügelt. Dementsprechend gewaltig fällt derzeit auch die Nachfrage nach den entsprechenden Verpackungsmaterialien für den Versand aus. Wer einen Artikel online bestellt, wird mit großer Wahrscheinlichkeit ein Paket zugeschickt bekommen, dass aus Recyclingkarton von Mayr-Melnhof (MM) (WKN: 890447 / ISIN: AT0000938204) besteht, dem weltgrößten Produzenten von gestrichenem Recyclingkarton und dem führenden Faltschachtelproduzenten in Europa.  MM stellt jährlich 1,7 Millionen Tonnen Recyclingkarton und mehr als 60 Milliarden Kartonverpackungen her, in denen alle denkbaren Konsumgüter verpackt werden.

Die Kartonerzeugnisse und Faltschachteln werden neben Amazon von weltweit über 2.500 Kunden in mehr als 100 Ländern bestellt, wobei die Nachfrage stetig steigt. So konnte Mayr-Melnhof zwischen 2013 und 2019 ein Umsatzplus von im Schnitt vier Prozent jährlich verzeichnen. Der Nettogewinn verbesserte sich überproportional um durchschnittlich acht Prozent pro Jahr. Nach dem Börsen-Crash vom März konnte sich die Aktie von Mayr-Melnhof schnell wieder erholen und hat neue Allzeithochs markiert. Auf Zehnjahressicht stehen hier Kursgewinne von im Mittel sieben Prozent jährlich zu Buche, womit sich die ATX-Aktie langfristig bewährt hat.

Bildquelle: Pressefoto Börse Wien

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