Bildquelle: Pressefoto Vectron

Die Geburtsstunde der heutigen Vectron Systems AG (WKN: A0KEXC / ISIN: DE000A0KEXC7) schlug im Jahr 1990, in dem die Vectron Systems Datentechnik GmbH von Jens Reckendorf und Thomas Stümmler gegründet wurde. Das Unternehmen konzentrierte sich zunächst auf die Entwicklung von Warenwirtschafts- und Kommunikations-Software, um Kassensysteme verschiedener Hersteller mit PCs zu verbinden. Acht Jahres später, 1998, gelang der Firma der Sprung vom reinen Software-Entwickler zum Komplettanbieter von Kassensystemen.

Marktführerschaft

Inzwischen ist Vectron mit über 225.000 Installationen in mehr als 30 Ländern einer der größten europäischen Hersteller von Kassensystemen, Kassen-Software, Apps sowie digitalen und Cloud-basierten Services. Die Produkte des Unternehmens werden über ein Netz von etwa 300 Fachhandelspartnern vertrieben. Marktführerschaft besteht dabei laut eigenen Angaben in den Zielbranchen Bäckerei und Gastronomie in Deutschland, Österreich, der Schweiz, Belgien, den Niederlanden und Luxemburg.

Zahlreiche bekannte Kunden

Die stationären und mobilen Vectron-Kassen sind gerade unter rauen Arbeitsbedingungen für ihre Zuverlässigkeit bekannt, weshalb beim größten Volksfest der Welt, dem Münchner Oktoberfest, viele der großen Festzelte auf die Vectron-Kassen vertrauen. Zu den zahlreichen bekannten Kunden des in Münster ansässigen Konzern zählen außerdem beispielsweise die Eiscremekette Häagen Dazs, das Café Extrablatt, die K+K Hotels, die Flughäfen Prag (Tschechien) und Dalaman (Türkei) sowie große Bäckereifilialisten wie Keim, K&U/Edeka, Bumüller Sternenbäck oder die Wiener Feinbäckerei Heberer. Auch zum Beispiel im Winterurlaub bestehen gute Chancen mit Produkten von Vectron indirekt in Berührung zu kommen, denn zahlreiche Skihütten haben Vectron-Kassen im Einsatz.

Zukunftsinvestitionen, die sich auszahlen dürften

Mit seinen über 200 Mitarbeitern erzielte die Vectron Systems AG im vergangenen Jahr 2019 einen Umsatz von 25,2 Mio. Euro, nach Erlösen von 24,8 Mio. Euro im Vorjahr. Der Verlust konnte dabei gegenüber dem Vorjahr von 3,9 Mio. Euro auf 1,4 Mio. Euro eingegrenzt werden. Dieses negative Ergebnis resultierte aus hohen Investitionen in die Entwicklung und Vermarktung des neuen digitalen Produktpaketes „Duratec Digital World“, das in Zusammenarbeit mit den Unternehmen resmio, restablo, epay und DeutschlandCard angeboten wird. Von diesem neuen preisgünstigen Digitalangebot mit integrierten Kassensystem-Services verspricht sich Vectron Umsatz- und Ergebnispotenziale, die um ein Vielfaches höher ausfallen sollen als die im klassischen Geschäft.

Sonderkonjunktur dank neuer gesetzlicher Vorgaben

Noch deutlich besser verlief bisher das laufende Geschäftsjahr 2020. So konnte der Umsatz in den ersten neuen Monaten auf Jahressicht um knapp 16 Prozent auf 20,2 Mio. Euro verbessert werden, und trotz weiterhin hoher Ausgaben für die neuen digitalen Geschäftsmodelle verringerte sich der Betriebsverlust vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (EBITDA) von 1,6 Mio. Euro im Vorjahr auf nun 1,1 Mio. Euro.

Für die weitere Geschäftsentwicklung zeigt sich der Vorstand sehr zuversichtlich und führt in diesem Zusammenhang die steigende Nachfrage nach Kassensystem-Umrüstungen an, die aufgrund neuer gesetzlicher Vorgaben nötig sein werden. Diese führen beim Unternehmen zu einer Sonderkonjunktur und dürften laut Vectron erfahrungsgemäß über den gesetzlichen Stichtag (31.03.2021) hinaus bis ins Jahr 2022 andauern. Die im August abgegebene Mittelfristprognose wurde deshalb bestätigt. Demnach dürfte der Umsatz zwischen 25 und 29 Mio. Euro liegen und das EBITDA zwischen -2,0 und +0,25 Mio. Euro.

Abo-Modelle als wichtiger Wachstumstreiber

Die Chancen, diese Ziele zu erreichen, stehen gut. Denn Vectrons Ziel, die monatlich wiederkehrenden Umsätze zu steigern, wurde im laufenden Jahr erreicht. Laut der entsprechenden Unternehmensmitteilung von Anfang Dezember liegen diese auf Jahresbasis hochgerechnet inzwischen schon bei 5,5 Mio. Euro, wobei eine deutliche Steigerung für die Zukunft erwartet wird.

Mit dieser neuen Strategie wird das Ziel verfolgt, die Abhängigkeit von zum Teil stark schwankenden einmaligen Verkäufen von Kassensystemen zu verringern und durch monatliche Gebührenzahlungen zu ergänzen beziehungsweise zu ersetzen. Vectron sieht vor allem im Cloud-basierten Einsteiger-Digitalpaket und in den relativ neuen weiteren digitalen Diensten (u.a. Online-Reservierungen, Online-Bestellungen, Kundenkarten und Gutscheinlösungen), die diese wiederkehrenden Umsätze generieren, einen wichtigen Wachstums- und Ertragstreiber für die kommenden Jahre.

Verdoppelungspotenzial

Nachdem Vectron Systems an der Börse im Jahr 2017 auf ein Rekordhoch bei knapp 40 Euro geklettert war, brachen die Notierungen unter großen Schwankungen bis zum März dieses Jahres auf ein Vierjahrestief bei 5,16 Euro ein. Ebenfalls schwankungsfreudig fiel die anschließende Aufholbewegung aus, im Zuge der es für den Aktienkurs bis Mitte Dezember zeitweise auf 9,80 Euro nach oben ging. Kann die 200-Tage-Linie (9,10 Euro) verteidigt werden, stellt sich das nächste Kursziel hier auf das November-Top bei 12,80 Euro. Wird diese Hürde überwunden, ist der Weg frei bis zum bis zum 2020er-Jahreshoch vom Januar bei 19,95 Euro. Bis hierhin eröffnet sich aktuell ein Verdoppelungspotenzial. Aus Dividendensicht ist die Aktie von Vectron Systems dagegen uninteressant, da hier seit 2018 nicht mehr ausgeschüttet wurde.

Fazit

Die Strategie, sich auf neue Cloud-basierte Einsteiger-Digitalpakete zu fokussieren, dürfte sich für Vectron Systems auszahlen. Denn die digitalen Dienste dürften der wichtigste Wachstumstreiber in den kommenden Jahren sein. Außerdem werden durch die damit verbundenen Abo-Modelle die wiederkehrenden Umsätze immer weiter gesteigert, was das Geschäftsmodell für Vectron immer planbarer macht. Der Erfolg dieser Strategie hat sich bereits in den Geschäftszahlen des laufenden Jahres niedergeschlagen. Auch für die Aktie dürfte es deshalb weiter nach oben gehen, wobei sich hier aktuell ein Verdoppelungspotenzial eröffnet.

Bildquelle: Pressefoto Vectron

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[…] Das zeigt, dass sich der Schwenk hin zu Cloud-basierten Digitalangeboten, die verstärkt als Abo-Modelle vertrieben werden, mehr und mehr bezahlt […]