Aus Sicht der europäischen Politik hätte es so schön werden können, allerdings scheint nun das Ende der Idee einer europäischen Ratingagentur als Gegengewicht zu dem Oligopol aus den drei führenden US-amerikanischen Ratingagenturen Standard & Poor’s (S&P), Moody’s und Fitch näher zu kommen.

Laut eines Berichts der „Financial Times Deutschland“ glaubt die Unternehmensberatung Roland Berger nicht mehr daran, dass das dafür benötigte Startkapital von 300 Mio. Euro zusammenkommt. Sollte also eines der Prestigeprojekte der europäischen Politik im Kampf gegen die als unfair empfundene Bewertung durch die drei großen US-Agenturen ausgerechnet am fehlenden Geld scheitern?

Diese aus Sicht einiger europäischer Politiker unfaire Bewertung der Risiken einzelner Eurostaaten hat nach deren Ansicht zu einer Verstärkung der Eurokrise beigetragen. Somit wäre ein größerer Wettbewerb unter den Ratingagenturen einer der Bausteine für die endgültige Lösung in der Eurokrise.

Nun müsste allerdings die europäische Politik doch wieder über eine Anschubfinanzierung nachdenken, was bisher jedoch, auch von der deutschen Bundesregierung abgelehnt wurde. In diesem Fall müsste man sich die Frage stellen, ob eine durch die Staaten selbst finanzierte Agentur überhaupt unabhängige Bonitätsbewertungen für Staatsanleihen liefern könnte.

Neben der Idee die Macht der führenden US-Agenturen zu beschränken, könnte man aber eventuell auch wieder einmal darüber nachdenken, die Entscheidungen über die Höhe der eingegangenen Risiken wieder mehr in die Hände der Anleger zu legen. Denn es waren gerade politische Entscheidungen, die den Ratingagenturen ihre Macht verliehen haben. Beispielsweise müssen sich Versicherer von einigen Papieren trennen, wenn sie bestimmte Bonitätsgrenzen unterschreiten.

Mein Fazit: Europa kapiert nicht, dass es nach wie vor ganz nah am Abgrund steht. Und was sind schon 300 Mio. Euro für eine Rating-Agentur, wenn es darum geht, einmal den Amis mit Know-how Paroli zu bieten? Sieht mal wieder richtig nach Klein-klein aus. Dann doch lieber mit Hilfe der EZB die Märkte fluten – wir bzw. unsere Kinder und Enkel haben es ja – wenn auch ohne Rente. Aber wenn interessiert das jetzt schon in Europa. 2020, 2040 und 2060 ist ja noch weit weg…

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3 Kommentare auf "..und nun schon das Ende vor dem Anfang (der europäischen Ratingagentur)?"

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Sandro Valecchi
Gast
Was für ein Reinfall, was für eine Blamage! Da wollte die renommierte Unternehmensberatung Roland Berger Strategy Consulting „ganz oben mitmischen“, startete mit einem gewaltigen Rede-und Strategieschwall als „Tiger“ und landete als „Bettvorleger.“ Es gibt in Deutschland neben Euler Hermes bereits die Agentur Feri EuroRating Services AG mit Sitz in Bad Homburg. Feri EuroRating Services AG erstellt seit über als 20 Jahren Länderratings, verfügt aber keine Zulassung in den USA. In den Vereinigten Staaten sind derzeit 10 Institute als sogenannte „national anerkannte statistische Rating-Organisationen“ (Nationally Recognized Statistical Rating Organization: kurz NRSRO) zum Stand April 2011 zugelassen. Darunter befinden sich die bekannten… Read more »
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[…] Dezer und Beate Höbermann am Mittwoch, 20. März 2013, 22.45 Uhr, einen genauen Blick auf die Rating-Agenturen und stellen fest: Jahrelang konnten sie fast unbeaufsichtigt schalten und walten, wie sie wollten. […]