In diesen Tagen dominieren mal wieder zwei Unternehmen die allgemeine Berichterstattung: Karstadt (Arcandor) und Opel. Vor allem weil beide Unternehmen Endkunden beliefern. Jeder kennt die Marke und verbindet irgendein persönliches Schicksal damit. Nun ja, bei Opel sind mittlerweile drei Interessenten am Werk: der Autozulieferer Magna mit russischer Beteiligung, Fiat/Chrysler und der Finanzinvestor Ripplewood. Es wird darüber debattiert, wer welches Konzept wie findet. Aber einer spielt in der ganzen Berichterstattung keine Rolle und das ist der Opel-Mutterkonzern GM. Und die sind immer noch Eigentümer von Opel und den ganzen relevanten Tochtergesellschaft. Solange Detroit kein O.k. für den ein oder anderen gibt, passiert garnichts. Auch wenn Rüttgers, zu Guttenberg, Beck oder wer auch immer auf die Barikaden geht.
Ich hatte ja schon Anfang Mai geschrieben, was gehen dürfte:
Die Kernfrage, die man sich stellen muss, ist: Wie geht es überhaupt mit GM weiter? Wenn es gelingt den Konzern finanziell auf gesundere Beine zu stellen, hat GM mit Opels Technologie eine Chance. Auch in den USA. Dazu muss die Verschuldung reduziert werden, am besten direkt in Eigenkapital umgewandelt. Die Kosten aus Pensions- und Gesundheitsverpflichtungen sollten reduziert werden und nach Möglichkeit durch staatliche Bürgschaften abgesichert werden. Im Ausgleich dazu kann sich der Staats Anrechte auf zukünftige Gewinne sichern. Auf Produktebene muss sich Detroit auf neue Technologien einlassen. Die allseitsbekannte Plattformstrategie muss ausgebaut werden. Dann macht auch das bunte Markenportfolio durchaus Sinn – siehe Volkswagen mit seinen vielen erfolgreichen Marken. Nur dann hat auch Opel eine Chance.
Und wenn GM wirklich nächste Woche Gläubigerschutz beantragen sollte, dann steht eine Insolvenz vielleicht auch Opel bevor. Das wäre aber kein Problem. Die Insolvenz ist schließlich kein Todesurteil, sondern ein Instrument zur Rettung von Unternehmen. Das wird von manchen aber allzuoft vergessen.
Interessant sind an dieser Stelle die folgenden Artikel:
Was General Motors mit Opel wirklich vorhat (Wiwo)
Merkel lädt zum Opel-Pitch ein: Nun will CEO der Investmentregierung auch Transaktionsprovisionen (Blick Log)
Aber Opel ist ja nicht das einzig Unternehmen was großartig gerettet werden möchte. Allerdings ist bei Karstadt das Interesse der Politik (noch) gering. Woran das liegt? Nun an den Arbeitsplätzen kann es nicht liegen, denn auch hier sind rund 50.000 Jobs bedroht. Aber offensichtlich scheint man mit einer Großrettung erstmal ausgelastet zu sein. Da helfen auch keine Quasi-Erpressungsversuche der Konzernleitung: Wenn wir keine Staatshilfen bekommen, stehen ab Mitte Juni die Arbeitsplätze auf der Kippe. Das der Arcandor-Konzern nicht nur aus Karstadt besteht, sondern mit Thomas Cook und Quelle noch zwei stabile Konzernteile hat, wird dabei unterschlagen. Stattdessen wird der Ruf nach dem Staat laut – er ist ja derzeit so hipp. Dass das alles großer Quatsch ist, kann man u.a. bei Carsten Knop FAZ Ad hoc-Blog unter dem Motto Die Karstadt-Lüge nachlesen:
Denn es gibt eine privatwirtschaftliche Lösung, die Arcandor ohne staatliche Unterstützung umsetzen könnte. Arcandor müsste sich nur von seiner milliardenschweren Beteiligung am Tourismuskonzern Thomas Cook trennen, schon wären die Finanzierungsschwierigkeiten rund um Karstadt gelöst.
Anschließend kann man sich in Ruhe um die Zukunft des Restkonzerns kümmern. Es ist zwar bedauerlich, aber ganz ehrlich: Warenhäuser und Katalogversandhäuser haben sich weitgehend überlebt. Die Innenstädte erfreuen sich immer mehr über große Einkaufszentren, wo viele Einzelhändler auf einem Fleck zu „virtuellen Kaufhäusern“ werden. Das mag man ablehnen, ist aber leider ein Trend, der von vielen angenommen wird. Mit den Warenhäusern ist ein bisschen so wie mit den Tante Emma-Läden vor einigen Jahren. Alle fanden sie irgendwie toll, nur einkaufen wollte dort niemand. Und mit Kaufhof ist ja die Innenstadt noch immer ausreichend mit Warenhaus-Ambiente versorgt. Das ist aber kein spezifisch deutsches Problem, auch andere Länder verabschieden sich vom Warenhaus-Wettstreit in der Innenstadt. Um ein bisschen platt zu werden: Die Dinosaurier wurden auch nicht gefragt, ob sie aussterben wollen oder nicht. Von daher gehört die Zukunft des Einkaufens eben anderen, deutlich innovativeren Händlern – nicht nur aus dem Internet.
Eigentlich könnte man hier schon aufhören, wenn nicht noch immer das „Gespenst“ Insolvenz im Raum schweben würde. Dazu möchte ich jetzt aber einfach mal auf die Gedanken von Euckenserbe bei FdoG verweisen: Stichwort Insolvenz.




