Bildquelle: markteinblicke.de

Die Entwicklungen der vergangenen zwei Wochen dürften uns Anleger und diverse Unternehmen noch lange beschäftigen. Zunächst sorgte die Schweizerische Nationalbank mit ihrer Abkehr von der Euro-Bindung des Frankens für Unruhe und einbrechende Kurse in Zürich. Dann folgte vor zwei Tagen die EZB mit ihrem 60 Mrd. Euro schweren Anleihenkaufprogramm. Für die Schweizer Unternehmen bedeutet dies vor allem: Sie müssen noch wettbewerbsfähiger werden und die in Franken abgerechnete Kostenseite in Griff kriegen. Dass sie das schaffen, dürfte unbestreitbar sein. Es wird nur etwas Zeit kosten. Für den Schweizer Aktienmarkt heißt dies aber auch: Sorgsam analysieren und Kaufgelegenheiten nutzen. Für den deutschen Aktienmarkt und die europäischen Nachbarbörsen wirkt die EZB-Maßnahme als neues Rauschmittel. Neue Allzeithochs waren bereits zu sehen. Ob die Entwicklung allerdings ungebrochen weiter gehen wird, entscheidet sich nicht nur durch die EZB. Die laufende Berichtssaison sollte bei allem Optimismus keineswegs vernachlässigt werden. Es wird daher umso wichtiger, die „richtigen“ Aktien auszuwählen. Auf dem aktuellen Kursniveau dürfte so manches Unternehmen mit enttäuschenden Zahlen abgestraft werden. Besser man ist dann nicht mehr dabei… dieser Fall könnte unter anderem auf die seit kurzem wieder hochgehypten Bankwerte zu treffen. Aktien wie die der Commerzbank (WKN CBK100) mögen zwar kurzfristig vom EZB-Geldsegen profitieren, doch wie das langfristig aussieht bleibt offen. Eine Antwort könnte etwa die Bilanzvorlage in rund zweieinhalb Wochen geben. Bis dahin hat die Aktie durchaus noch Potenzial in Richtung 13 Euro zu klettern, doch den Rückfall sollte man einkalkulieren. Nicht ohne Grund wird die Aktie Analystenseitig mehrheitlich mit Verkaufen eingestuft.

Aus Deutschland

Es ist irgendwie ein ganz schlechtes Zeichen, wenn für adidas (WKN A1EWWW) ausgerechnet das Jahr zum Horrorjahr wird, in dem sich die deutsche Fußballnationalmannschaft den Weltmeistertitel sichert und die WM 2014 in Brasilien für Rekordumsätze im Fußball-Geschäft sorgt. Zumindest ist nun die Hoffnung groß, dass das Schlimmste überstanden ist, wie wir hier schreiben.
Europas größter Softwarekonzern SAP (WKN 716460) musste seine Gewinnziele wegen der hohen Investitionen in das wachsende Cloud-Geschäft nach hinten schieben. Grund genug für die Analystenzunft die Einschätzungen zu der weltweiten Nummer eins im Bereich Unternehmenssoftware zu überarbeiten. Unsere Einschätzung dazu hier.
Gerade hat RWE (WKN 703712) mit dem Verkauf der Gas- und Ölfördertochter Dea an einen russischen Oligarchen ein Problem aus dem Weg geräumt. Doch die dafür veranschlagten 5 Mrd. Euro wecken natürlich Begehrlichkeiten, so dass die erst Ende des vergangenen Jahres beschlossene neue Dividendenpolitik wackeln könnte. Mehr dazu hier.
Mit einem Kursverlust von knapp 21 Prozent gehörte Lanxess (WKN 547040) 2014 zu den größten Verlierern im DAX. Auch der Start in das neue Jahr fiel schwach aus, während das wichtigste deutsche Börsenbarometer auf einen neuen Rekordstand klettern konnte. Allerdings sieht es derzeit nicht danach aus, dass der Aktie des Spezialchemiekonzerns ein schnelles Comeback gelingen sollte – hier ist Geduld gefragt.
In einem hervorragenden Marktumfeld gehört die Aktie des Karrierenetzwerks Xing (WKN XNG888) am Freitag zu den Top-Performern im TecDAX. Nachdem Finanzchef Ingo Chu in einem „Bloomberg“-Interview die 2014er-Ziele bestätigt hatte, freuen sich Investoren nun auf die Wachstumsimpulse, die die Übernahme von jobbörse.com, mit sich bringen soll. Mehr dazu hier.
Die Nordex-Aktie (WKN A0D655) verteuerte sich 2014 um rund 56 Prozent, während im noch jungen Jahr 2015 ein Kursplus von etwa 7 Prozent zu Buche steht. Allerdings ist man bei den Analysten bei Goldman Sachs nun zu dem Schluss gekommen, dass es mit dem steilen Aufstieg erst einmal gewesen sein dürfte. Mehr dazu hier.
Die Meilensteine im Zuge der Zusammenarbeit mit Janssen Pharmaceuticals und eine neue Forschungskooperation sind eher kleinere Erfolge, allerdings tragen sie Schritt für Schritt dazu bei, dass das Vertrauen der Anleger in Evotec (WKN 566480) zurückkehrt. Mehr dazu hier.

Internationales

Wenn schon der Konzernchef in der Pressemitteilung von McDonald’s (WKN 856958) zu den jüngsten Zahlen damit beginnt, dass 2014 für die US-Schnellrestaurantkette überall auf der Welt ein herausforderndes Jahr war, kann das was folgt so toll nicht sein. Wenigstens wurden nun enorme Anstrengungen versprochen, um der Burger-Bude wieder zu altem Glanz zu verhelfen. Alles was Sie wissen müssen, steht hier.
Sowohl auf der Umsatzseite als auch ergebnisseitig konnte Starbucks (WKN 884437) die Markterwartungen für das erste Geschäftsquartal 2014/15 (Ende Dezember) „nur“ erfüllen. Abgesehen von dieser Punktlandung freuten sich Investoren jedoch ganz besonders, dass das neue Angebot an Snacks und Getränken nicht nur mehr Kunden in die Läden treibt, sondern auch die Profitabilität ankurbelt. Mehr dazu hier.
Wie ein Quartalsbericht die Sicht auf ein Unternehmen verändern kann, zeigt nun der Video-on-Demand-Anbieter Netflix (WKN 552484). Nachdem die Aktie im Sommer 2014 auf eine neues Allzeithoch bei knapp 490 US-Dollar geklettert war, folgte ein Kurssturz um rund ein Drittel. Doch nun scheint der Glaube auf Investorenseite zurückgekehrt zu sein, wie wir hier schreiben.
Bei eBay (WKN 916529) konnten weder die Zahlen für das Schlussquartal 2014 noch der Ausblick auf das erste Quartal 2015 für Begeisterung sorgen. Trotzdem legte die eBay-Aktie nachbörslich um 3,5 Prozent zu. Anleger freuten sich insbesondere über die PayPal-Abspaltungspläne und geplante Stellenstreichungen. Mehr dazu hier.
Seiner Bergbausparte hatte es ArcelorMittal (WKN A0M6U2) zu verdanken, dass die Aktie im Branchenvergleich übermäßig viele Prügel beziehen musste. Dadurch hat sich aber auch reichlich Potenzial für ein Comeback angestaut.
Nach einem schwierigen Geschäftsjahr 2014 besteht beim österreichischen Industriekonzern RHI (WKN 874182) die Hoffnung auf leichte Verbesserungen in 2015. Dabei freut man sich beim Spezialisten für feuerfeste Materialien für die Stahl-, Zement- und Glasindustrie auch über den jüngst angekündigten Ankauf von Anleihen vonseiten der EZB. Mehr dazu hier.
Gerade hatte sich die Aktie des österreichischen Luftfahrtzulieferers FACC (WKN A1147K) von ihren Tiefs erholen können – und nun das: Eine Gewinnwarnung sorgt dafür, dass die FACC-Aktie am Donnerstag um knapp 8 Prozent abstürzt. Dabei müsste es angesichts des Booms in der zivilen Luftfahrt so richtig rund laufen. Der sinkende Ölpreis sorgt jedoch für weniger Eile bei den Airlines bei der Beschaffung neuer spritsparender Maschinen. Mehr dazu hier.

Wochenvorschau: Unternehmenstermine

In Sachen Quartalszahlen hat die Berichtssaison bereits einige Highlights gebracht. Doch auch in der kommenden Woche stehen zahlreiche Berichte an, so berichten u.a.: Norfolk Southern, Microsoft, Seagate, Texas Instruments (Montag); 3M, American Airlines, Amgen, Apple, AT&T, Bristol-Myers Squibb, Caterpillar, Danaher, DuPont, Electronic Arts, Ericsson, Lexmark, Novartis, Pfizer, Philips, Procter & Gamble, Siemens, U.S. Steel, Western Digital, Yahoo (Dienstag); Biogen Idec, Boeing, Facebook, Fiat Chrysler, Qiagen (Mittwoch); Alibaba, Amazon, Colgate-Palmolive, ConocoPhillips, Dow Chemical, Ford Motor, Google, Harley-Davidson, Infineon, Nokia, Northrop Grumman, OMV, Potash, Viacom, Visa (Donnerstag); Chevron, Eli Lilly, MasterCard, Mattel, Novo Nordisk, Xerox (Freitag).

Wochenvorschau: Konjunkturdaten

Montag
10:00 DE ifo-Geschäftsklima (Januar)

Dienstag
14:30 US Auftragseingang Investitionsgüter (Dezember)
14:30 US Auftragseingang langlebige Güter (Dezember)
15:00 US Case-Shiller-Hauspreisindex (November)
16:00 US Verbrauchervertrauen Conference Board (Januar)
16:00 US Neubauverkäufe (Dezember)

Mittwoch
08:00 DE Einfuhrpreise (Dezember)
08:00 DE GfK Konsumklima (Februar)
20:00 US Fed Zinsentscheid

Donnerstag
09:55 DE Arbeitsmarktdaten (Januar)
10:00 EU Economic Sentiment (Januar)
14:00 DE Verbraucherpreise (Januar)
14:30 US Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe (Vorwoche)
16:00 US Schwebende Hausverkäufe (Dezember)

Freitag
08:00 DE Einzelhandelsumsatz (Dezember)
11:00 EU Verbraucherpreise (Januar)
11:00 EU Arbeitsmarktdaten (Dezember)
14:30 US BIP (Q4)
15:45 US Chicago Einkaufsmanagerindex (November)
16:00 US Verbrauchervertrauen Uni Michigan (Januar)

Bildquelle: markteinblicke.de

4
Hinterlasse einen Kommentar

avatar
4 Kommentar Themen
0 Themen Antworten
0 Follower
 
Kommentar, auf das am meisten reagiert wurde
Beliebtestes Kommentar Thema
3 Kommentatoren
Paul Joachim WagnerWendolinSandro Valecchi Letzte Kommentartoren
  Abonnieren  
Benachrichtige mich bei
Sandro Valecchi
Gast
Sandro Valecchi

Die Commerzbank AG und die Deutsche Bank AG sind klarere Profiteure der neuen EZB-Geldmarkt-Politik. • Der Vorgang ist, wie nicht anders zu erwarten war, höchst umstritten. Im Fokus der EZB-Banker steht weiterhin die Sorge um den künftigen Konjunkturverlauf in der EU. Es ist kein Geheimnis, dass die wirtschafte Erholung in der Euro-Zone aus Sicht zahlreicher Experten hinter den Erwartungen des Marktes zurückgeblieben ist. Mit der Konjunktur in der Eurozone geht es aufwärts – allerdings langsamer als erhofft. Dessen ungeachtet gibt es zunehmend Anzeichen, dass die europäische Wirtschaft einen Wendepunkt – (turnaround) – erreicht hat. Die Experten für den Euro-Wirtschaftsraum wollen… Weiterlesen »

Wendolin
Gast
Wendolin

Die EZB-Entscheidung zum Ankauf von Staats- und Industrieanleihen soll erst zum 1.3.2015 in kraft treten. Wenn Ökonomen der EZB vorwerfen den Euro im Vorfeld dieser möglichen Maßnahmen schon weich zu reden, ist dies nicht gerade förderlich. Die kleinen Leute werden in einer Form leiden, wie es früher im Frühkapitalismus der Fall war. Die Preisstabilität, die durch den Ölverfall erreicht wurde, wird schnell verpuffen. Da die Verrechnung der Ölschulden weitgehend in US-Dollar erfolgt, ist ein kleiner Vorteil bereits verflogen. Die Menschen die hart um ihr tägliches Brot in der EU kämpfen, können sich sicherlich nicht erinnern, dass eine Notenbank jemals versucht… Weiterlesen »

Wendolin
Gast
Wendolin

Die Gefahren für den DAX?
Bereits am Freitagnachmittag brechen diese Kurse von Finanzwerten
in ganz Europa ein. Also, wenn die Bankenwelt diese geldpolitischen
Maßnahmen der EZB, durch Kursverfall von Finanztiteln beschließt,
könnte sich auch eine Blase bilden, die leider durch die inflationären
Maßnahmen der EZB nicht platzt. Also das Vertrauen in Bankwerten
und Versicherungswerte, die die Krise von 2008 bereits ausgelöst haben,
ist leider nicht mehr da? Gerade ein Land wie Italien hat doch immer
unter der Weichwährung Lira gelitten?

Paul Joachim Wagner
Gast

Ich bin schon gespannt wie es mit dem Ölpreis in der nächsten Zeit weitergeht und insbesondere bin ich auch auf die Zahlen von der OMV die am Mittwoch präsentiert werden neugierig. Ob sich da durch die EZB-Strategie recht etwas ändern wird, wird man dann in Zukunft noch sehen. Bzgl. der Bankwerte würde ich zur Zeit in keine spezielle Aktie einsteigen. Ist mir alles zu euphorisch zur Zeit. Da investiere ich lieber zur Risikostreuung in ein paar Fonds oder Substanzwerte am Aktienmarkt.