Bildquelle: Pressefoto Zalando

Die Aktie des Online-Modehändlers Zalando (WKN ZAL111) ist zuletzt bestens gelaufen. Angesichts der heutigen Zahlenvorlage nutzen daher viele Anleger die Gelegenheit für Gewinnmitnahmen. Doch ist das nicht etwas verfrüht? Oder gerade eben nicht?

Ein Blick auf die vorläufigen Zahlen ist zunächst einmal ganz zufriedenstellend: Der Konzernumsatz des MDAX-Aufsteigers konnte um 33 bis 35 Prozent auf 727 bis 738 Mio. Euro gesteigert werden. Zalando erwartet zudem ein bereinigtes EBIT von 22 bis 37 Mio. Euro und eine bereinigte EBIT-Marge von 3 bis 5 Prozent (Q2 2014: 35 Mio. Euro oder 6,4 Prozent). In der ersten Jahreshälfte 2015 erzielte Zalando einen Konzernumsatz in Höhe von 1,370 1,381 Mrd. Euro und wuchs um 31 bis 32 Prozent. Zalando erwartet darüber hinaus für das erste Halbjahr 2015 ein bereinigtes EBIT von 51 bis 66 Mio. Euro, was in der Mitte der Spanne einer Marge von rund 4 Prozent entspricht. Die Zahlen liegen über den Erwartungen. Soweit, so gut. Doch das aber ist nicht weit entfernt.

Unter dem Stichwort „Payment Kosten“ geht Zalando auf das Zahlungsverhalten seiner Kunden ein. In der Pressemitteilung heißt es: „Das Umsatzwachstum hat sich deutlich über den Erwartungen beschleunigt und wurde durch anhaltende Investitionen in Zalandos langfristiges Kundenangebot über die Märkte hinweg gestützt. Das operative Geschäft führte zu deutlicher Profitabilität, wenngleich die EBIT-Marge durch einen vorübergehenden Anstieg der Payment Kosten beeinflusst wurde.“ Offenbar ist die Kundschaft derzeit nicht in bester Zahlungslaune, übersetzt: die Außenstände wachsen und können erst nach langer Zeit eingeholt werden. Bei einem Unternehmen, das sowieso bereits gewaltige Retouren abwickeln muss, sind solche Zahlungsprobleme der Kunden natürlich unschön. Zalando betont, dass diese Effekte verübergehend sein. Da kein gesamtwirtschaftlich negative Umfeld zu sehen ist, kann man diese Aussage auch nicht in Frage stellen. Dennoch verblüfft es einen schon.

Chart: Zalando
Chart: Zalando

Der Chart spricht eher für, als gegen die Zalando-Aktie. Bleibt die fundamentale Seite. Dort verbergen sich in den heutigen Zahlen wie gesagt einige Ungereimtheiten, die sich jedoch bald aufklären können. Wichtig hierbei: Alle veröffentlichten Zahlen sind vorläufig und vor prüferischer Durchsicht. Zalando veröffentlicht die endgültigen Geschäftszahlen für das zweite Quartal 2015 planmäßig am 13. August 2015 und wird zu diesem Zeitpunkt auch eine etwaig erforderliche Anpassung der Management-Prognose für das Gesamtgeschäftsjahr 2015 kommunizieren. Warten wir also besser diese endgültigen Zahlen ab und hoffen auf das Beste. Wer dennoch gehebelt auf steigende Kurse der Zalando-Aktie setzen möchte, könnte das Produkt mit der WKN XM3GU6 ins Auge fassen.

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Bildquelle: Pressefoto Zalando

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MIchael C. Kissig
Gast

„Zahlungsprobleme“ müssen das ja nicht gleich sein, denn Zalando bietet seinen Kunden ja die Option, gegen Überweisung zu kaufen. Da muss das Unternehmen in der Regel also deutlich länger auf sein Geld warten, also wenn die Kunden über Bankeinzug, Kreditkarte oder PayPal zahlen. Sicher, die Überweisungsoption birgt einen höheres Zahlungsausfallrisiko als die anderen, weil die Kohle da ja gleich auf dem Zalandokonto ist, aber hier hat Zalando ja bereits Schranken eingebaut, wie max. Bestellbeträge und das Bestellblockungen bei zu häufigen Retouren. Da müssen Kunden dann andere Zahlungsoptionen wählen.

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[…] Software-Konzern konnte von der Euro-Schwäche profitieren. Gewinnmitnahmen belasten daneben die Zahlen des Online-Modehändlers Zalando (WKN ZAL111). Als Anleger von IBM (WKN 851399) muss man weiterhin langen Atem haben. Auch […]