Der Bikini: 75 Jahre gelebte Freizügigkeit

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Der Modedesigner Louis Réard, ein gelernter Maschinenbauingenieur, präsentierte vor 75 Jahren, am 5. Juli 1946, den ersten Bikini während einer Modenschau im bekannten Pariser Schwimmbad Piscine Molitor. Seitdem gilt der 5. Juli als der internationale „Tag des Bikinis“ – doch der Anfang des knappen Kleidungsstücks war alles andere als einfach.

Provokativer Zweiteiler

Der freizügige nabelfreie Zweiteiler galt 1946 als der kleinste Badeanzug der Welt und schockierte die gesamte Gesellschaft. Präsentiert wurde der Bikini von der Nackttänzerin Micheline Bernardini aus dem Casino de Paris.

Die Bilder und Nachrichten über das nur wenig Haut bedeckende Kleidungsstück gingen wie ein Lauffeuer um die ganze Welt. So schön der Bikini auch war – er galt als zu sexy und wurde erstmals in der Öffentlichkeit, an Stränden und in Badeanstalten, verboten. Seit den 1930er Jahren war der Zweiteiler zum Sonnenbaden zwar bereits bekannt, doch blieb der Bauchnabel dabei immer vollständig bedeckt.

Nabel zeigen beim Schwimmen war früher verpönt. Bildquelle: Unsplash / museums-victoria

Bikini-Atoll als Namensgeber

Die Wahl des Namens Bikini war ein genialer Schachzug. Denn die Vorstellung des Bikinis am 5. Juli 1946 fand nur wenige Tage nach den Atombombentests der USA im Bikini-Atoll statt.

Als Provokation des Designers sollte der Bikini mit der Sprengkraft der Atomversuche assoziiert werden – und das gelang perfekt, denn die Präsentation des Bikinis schlug im wahrsten Sinne des Wortes ein wie eine Bombe.

Micheline Bernardini, eine Nackttänzerin des Pariser Casinos, präsentiert in einem Schwimmbad in Paris den ersten Bikini, den der französische Ingenieur Louis Reard entwickelt hatte, Bildquelle: dpa

1960er Jahre bringen Freizügigkeit

Réard war im Jahr 1946 seiner Zeit weit voraus. Es dauerte jedoch Jahre bis zum endgültigen Durchbruch und bis zur Akzeptanz in der breiten Bevölkerung, denn den Nabel zu entblößen galt lange Zeit als Sittenwidrigkeit. Erst in den 60er Jahren veränderte sich das Gefühl der Freizügigkeit und der Bikini konnte sich durchsetzen.

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Verstärkt wurde sein Erfolg durch die günstiger werdenden Flugreisen in den Süden und die Lust auf Urlaub in der Sonne in der breiten Bevölkerung. Die sexuelle Revolution in den 1960er Jahren etablierte schließlich das winzige Badebekleidungsstück, das bis heute die Strände der Welt beherrscht. Als Schlüsselszene gilt die ikonische James Bond Filmszene mit Ursula Andress, die im weißen Gürtelbikini 1962 mit Messer und Muschel in den Händen dem Meer entstieg.

Das „Oben-ohne“-Gefühl

Der Bikini gilt seit den 1960ern als wichtiger Erfolg in der Emanzipation, denn von da an konnten Frauen freizügiger zum Sonnenbaden und Schwimmen gehen. Die nächste Stufe der Entwicklung liegt auf der Hand: Da der Bikini im Gegensatz zum Badeanzug aus zwei Teilen bestand, war es möglich, das Oberteil einfach auch mal wegzulassen.

Der österreichische Modemacher Rudi Gernreich präsentierte 1964 in den Vereinigten Staaten den Oben-ohne-Bikini am Strand als die Weiterentwicklung des Bikinis, was gleich zu einem Polizei-Einsatz führte. Das Oben-ohne-Sonnen ist, neben der Absicht zur Emanzipation, deshalb so beliebt, weil man störende Ränder beim Bräunen vermeiden kann.

Doch was bei Männern zur Normalität gehört – eben nur eine Badehose zu tragen – wird bei Frauen in der Rubrik Nacktbaden eingeordnet. Was anfangs verboten wurde, wurde ab den 70er Jahren an vielen Stränden als normal angesehen oder zumindest toleriert. Heute ist es je nach Region und Location erlaubt oder verboten, geduldet oder verpönt. Doch bedecken sich die meisten Frauen in der Öffentlichkeit lieber mit modischen Ein- oder Zweiteilern, anstatt zu viel Haut zu zeigen.

Bikinis geben ein Gefühl von Freiheit. Bildquelle: Pixabay / adamkontor

Bademoden im Lifestyle-Museum

Im BikiniARTmuseum in Bad Rappenau kann man sich auf eine Reise durch die jahrhundertelange Entwicklung der Badekultur durch viele Länder der Welt begeben. Rund 400 Bademoden-Exponate können bestaunt werden, darunter historische und neuzeitliche Glanzstücke von Firmen wie Triumph, Naturana oder Jantzen, ebenso Luxuslabels wie Dior, Chanel oder Pucci.

© BikiniARTmuseum, Fotograf Florian Busch. Der Goldene Réard

Als Highlights können die Badeanzüge und Bikinis weltberühmter Stars wie Marilyn Monroe, Brigitte Bardot, Elke Sommer, Esther Williams und Scarlett Johansson bewundert werden, die als Stilikonen für viele Frauen gelten und die für die innovativen Kreationen Réards warben.

Das BikiniARTmuseum besitzt die größte Sammlung an erhaltenen Bademodestücken von Louis Réard. Denn 13 der 17 Originale befinden sich im Museum und werden in verschiedenen Inszenierungen gezeigt. Als historisch wertvollster Bikini der Welt gilt der Goldene Réard – eine Einzelanfertigung aus dem Jahr 1948 für die Siegerin des „Miss Réard“ Wettbewerbs.

Zum 75. Jubiläum des Bikinis zeigt das BikiniARTmuseum bislang unveröffentlichte historische Aufnahmen aus Réards Nachlass, darunter eine persönliche Widmung von Brigitte Bardot an Louis Réard.

 

© BikiniARTmuseum. Persönliche Bild-Widmung von Brigitte Bardot an Louis Réard aus dem Jahr 1959. Réard erkannte schon früh ihr Talent und engagierte sie bereits zu Beginn ihrer Weltkarriere als Model. Auch nach ihrem Durchbruch zum Weltstar war sie treue Kundin bei Réard und kaufte regelmäßig seine luxuriösen Bademodenmodelle für private Vergnügen am Pool.

Weitere Infos zum Besuch des Museums finden Sie hier: www.bikiniartmuseum.com.

Bildquelle: Pixabay / FotografieLink