BRIC – was geht da noch?

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Der Börsen-Hype rund um die BRIC-Staaten flacht bereits seit Jahren merklich ab. Dies bedeutet jedoch nicht, dass Anleger hierzulande in den Schwellenländern keine lohnenden Investments mehr finden würden. Ein genauer Blick lohnt sich. Zumal die Emerging Markets immer noch in vielen Fällen mit einer jungen Bevölkerung und hohen Wirtschaftswachstumsraten auftrumpfen können. Allerdings ist die Umsetzung einer Schwellenländerstrategie mithilfe von BRIC nicht mehr ganz zeitgemäß.

Im Juni machte sich US-Präsident Joe Biden auf zu seiner Europa-Tour. Es war die erste Auslandsreise des 46. Präsidenten der USA überhaupt, nachdem er die Wahlen gegen Donald Trump Anfang November 2020 gewonnen hatte und am 20. Januar dieses Jahres vereidigt worden war. Ziel war es unter anderem, den Führungsanspruch der USA in der Weltpolitik und der Wirtschaft zu untermauern.

Die USA melden sich zurück

Begonnen hatte die Reise mit dem G7-Gipfel in Cornwall im Südwesten Englands. Neben anderen Staatenlenkern traf Biden dort auch Königin Elizabeth II. Danach ging es auf das europäische Festland. Zunächst in die belgische Hauptstadt Brüssel zum NATO-Gipfel und später zum EU-USA-Gipfel. Das Finale stellte am 16. Juni ein Treffen mit Russlands Staatschef Wladimir Putin in Genf dar. Nachdem die Devise unter Bidens Vorgänger Trump „America First“ gelautet hatte, wollte Biden dem Führungsanspruch der USA in der Weltpolitik wieder Nachdruck verleihen und die Bündnisse im Zuge der sogenannten westlichen Wertegemeinschaft stärken.

Die USA, aber auch Länder wie Deutschland, Frankreich oder Großbritannien sind auf Unterstützung angewiesen. Schließlich wurden auf den verschiedenen Stationen Joe Bidens auf seiner Europa-Tour, insbesondere beim Treffen mit Wladimir Putin, auch die Konflikte mit China und Russland herausgestellt.

Insbesondere im Rahmen der G7 gilt es auch für die führenden Industriestaaten herauszustellen, dass sie auf der Weltbühne immer noch viel zu sagen haben, obwohl ihnen die aufstrebenden Schwellenländer wie China, Brasilien, Russland, Indien oder Südafrika im Nacken sitzen. Diese haben dank ihres wirtschaftlichen Aufstiegs auch in der Weltpolitik mehr Mitspracherechte. So hat sich das G20-Format inzwischen etabliert.

Der Fall Evergrande ist nur ein Beispiel dafür, dass selbst der BRIC-Musterschüler nicht immer nur mit positiven Nachrichten für Investoren aufwartet. Bildquelle: Pixabay / skeeze

Neue Strukturen in der Weltpolitik

Wichtige, die gesamte Menschheit betreffende Angelegenheiten werden im Rahmen der Gruppe der 20 wichtigsten Industrie- und Schwellenländer inklusive der Europäischen Union diskutiert. Die G20-Staaten repräsentieren gegenwärtig über 85 Prozent des weltweiten Bruttoinlandsprodukts, drei Viertel des Welthandels und rund zwei Drittel der Weltbevölkerung. Die G7 hat dagegen deutlich an Bedeutung verloren.

Ähnliche Verschiebungen finden auch an den Finanzmärkten statt. Der wirtschaftliche Aufstieg Chinas hat Unternehmen aus der zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt global unter Investoren Aufmerksamkeit beschert. Rund um die Schwellenländer haben sich ganze Anlagetrends herausgebildet. So entstand auch das berühmte Akronym BRIC (Brasilien, Russland, Indien und China).

Jim O’Neill löst eine Lawine aus

Neben China machten viele weitere Schwellenländer von sich reden. Im Allgemeinen zeichnen sich Emerging Markets durch ein hohes Wirtschaftswachstum, eine geringe Staatsverschuldung und eine junge Bevölkerung aus.

Daher haben viele Investoren die Emerging Markets in den vergangenen für ihre Portfolios entdeckt. Damit die Erfolgsgeschichte der Schwellenländer für Investoren noch besser greifbar werden konnte, war es Jim O’Neill, ehemals Chefvolkswirt der US-Investmentbank Goldman Sachs, der die Abkürzung BRIC Ende 2001 berühmt machte.

Den vier Volkswirtschaften Brasiliens, Russlands, Indiens und Chinas traute O’Neill damals unter den Schwellenländern die größten Wachstumschancen zu und bescheinigte ihnen eine zukünftig führende Position in der Weltwirtschaft. Von da an stand dieses Akronym stellvertretend für den wirtschaftlichen und politischen Aufstieg der Schwellenländer. Nicht nur die wirtschaftliche Entwicklung wurde zu einem Erfolg, sondern auch die verschiedenen Anlage-Vehikel wie Investmentfonds oder börsengehanelte Indexfonds (Exchange Traded Funds, ETFs), die sich der Investition der ihnen überlassenen Gelder in diese Volkswirtschaften verschrieben hatten.

Neue Dimension

Diese machten die BRIC-Idee auch bei Anlegern in Europa und den USA investierbar, indem sie die Entwicklung von Aktien aus Brasilien, Russland, Indien und China nachbildeten. Der Hype war groß. Die BRIC-Idee blieb nicht auf die Börsen beschränkt. Heutzutage hat das Akronym BRIC sogar eine enorme politische Dimension. Zuletzt wurde Südafrika in diesen Kreis aufgenommen. Die BRICS sollen eine Art Gegengewicht zu Europa und den USA auf der weltpolitischen Bühne darstellen.

Zumal die Vereinigung der wichtigsten Schwellenländer rund 41 Prozent der Weltbevölkerung repräsentiert sowie für etwa 24 Prozent des weltweiten Bruttoinlandsprodukts (BIP), etwas mehr als 29 Prozent der Landmasse der Erde und einen Anteil von mehr als 16 Prozent am Welthandel steht.

Bessere Anlagestrategien?

Allerdings waren die BRIC- oder BRICS-Staaten noch nie ein einheitliches Gebilde. Zudem waren und sind auch sie untereinander auf der weltpolitischen Bühne Konkurrenten. Man nehme als Beispiel nur die chinesisch-indischen Grenzstreitigkeiten.

So muss es auch für Anleger nicht notwendigerweise ratsam sein, auf einen BRIC-ETF zu setzen, wenn diese am Erfolg von Unternehmen aus den Schwellenländern oder gesamter Volkswirtschaften aus den Emerging Markets teilhaben möchten.



Wenn Anleger auf eine positive Entwicklung der Schwellenländermärkte setzen möchten, gibt es Alternativen zu Investmentfonds oder ETFs auf die vier BRIC-Staaten. Zumal sich trotz COVID-19 nichts daran geändert hat, dass die meisten Emerging Markets weiterhin mit Vorteilen wie einer jungen Bevölkerung oder einer wachsenden Mittelschicht auftrumpfen können.

Wer auf den Erfolg der Schwellenländermärkte setzen und die Emerging Markets möglichst breit abdecken möchte, dürfte den iShares Core MSCI Emerging Markets (EM) Investable Market Index (IMI) UCITS ETF interessant finden. Dieser deckt mehr als 2.500 Unternehmen mit hoher, mittlerer und niedriger Marktkapitalisierung aus Schwellenländern ab.

iShares Core MSCI EM IMI UCITS ETF
WKN A111X9
ISIN IE00BKM4GZ66
Auflegungsdatum 30. Mai 2014
Fondsgesellschaft BlackRock
Fondsvolumen 19,5 Mrd. US-Dollar
Fondskategorie Aktien
Ausschüttungsart thesaurierend
Geschäftsjahresende 28.02.
Fondswährung US-Dollar
Vergleichsindex MSCI Emerging Markets Investable Market Index
Gesamtkostenquote 0,18 Prozent


Ende einer Ära

Dass die BRIC-Anlagestrategie in den vergangenen Jahren nicht die beste Art war, sein Geld am Aktienmarkt anzulegen, zeigt ein Blick auf die Performance des iShares BRIC 50 UCITS ETF. Der börsengehandelte Indexfonds des Fondsriesen BlackRock bildet die Entwicklung der 50 größten brasilianischen, russischen, indischen und chinesischen Unternehmen nach.

Seit seiner Auflage am 20. April 2007 liegt die Performance bei rund 94 Prozent (Stand 15. Juni). In der gleichen Zeit hat der deutsche Leitindex DAX ein Kursplus von rund 114 Prozent hingelegt. Der S&P 500, der die 500 größten börsennotierten US-Unternehmen enthält, kletterte in dieser Zeitspanne sogar um 186 Prozent in die Höhe.

Die schwache Performance hat sich unter anderem im Marktinteresse an den BRIC-Fonds und anderen Produkten rund um das Anlagethema niedergeschlagen. So berichtete der Fondsanalyseanbieter Scope Analysis in seinem Scope Peergroup Katalog Mutual Funds für den Fondsmarkt Deutschland Ende Februar 2021 lediglich von sechs Fonds, die er in der Kategorie „Aktien BRIC“ mit Ratings versehen würde. Deutlich mehr waren es in den Kategorien „Aktien China“. Offenbar legen die Fonds ihren Fokus auf die Emerging Markets insgesamt oder einzelne Märkte wie Russland oder China, falls Investoren ein Schwellenland bevorzugen. Die Abkehr vieler Anleger vom Spezialthema BRIC erfolgte nicht erst kürzlich. So war ein Ereignis besonders einschneidend.

Überholtes Konzept

2015 hatte Goldman Sachs den hauseigenen BRIC-Fonds mit einem breiteren Schwellenländerfonds-Aktienfonds zusammengelegt. Als Reaktion hatte Bloomberg online getitelt „Goldmans BRIC-Ära geht zu Ende, während der Fonds nach Jahren der Verluste zusammenbricht.“

Andreas Köchling, Fondsanalyst bei Scope Analysis bezeichnet den Investmentansatz im Interview mit „procontra“ heute als „überholt“. Zu den Gründen zählt er unter anderem den Umstand auf, dass es inzwischen zahlreiche weitere Entwicklungs- und Schwellenländer geben würde, die ebenfalls eine große Relevanz in der Weltwirtschaft und an den Finanzmärkten erreicht hätten. „BRIC ist zwar weiterhin ein spannendes Thema. Es trifft das Thema Emerging Markets insgesamt aber nicht mehr gut genug“, sagt Köchling.

Der mangelnde Erfolg der BRIC-Fonds ist unter anderem dem Umstand geschuldet, dass die Mitglieder sehr verschieden sind. Entsprechend unterschiedlich fällt auch die Aktienperformance aus. Der MSCI China kann in den vergangenen zehn Jahren mit einer Bruttorendite von durchschnittlich 7,5 Prozent pro Jahr aufwarten. Die Performance des MSCI Indien kann sich in dieser Zeit mit einem Plus von durchschnittlich 5,8 Prozent ebenfalls sehen lassen. Doch im Fall des MSCI Russland liegt der Zuwachs in den vergangenen zehn Jahren im Schnitt nur bei 1,5 Prozent, während der MSCI Brasilien sogar mit einem Minus von 3,0 Prozent aufwartet.

Sehr verschieden

Der MSCI BRIC kommt auf eine durchschnittliche jährliche Performance von 4,2 Prozent und der MSCI Emerging Markets auf 4,5 Prozent. Wesentlich besser wären Investoren jedoch gefahren, wenn sie schlicht auf den gesamten globalen Aktienmarkt gesetzt hätten, statt auf die Schwellenländer als Ganzes oder die BRIC-Aktienmärkte.

So kommt der MSCI ACWI (All Country World Index) in den vergangenen zehn Jahren auf eine Performance von +10,2 Prozent pro Jahr. In diesem Index sind knapp 3.000 Werte aus elf Sektoren zu finden. Sie kommen aus 23 Industrienationen (MSCI World Index) und 27 Schwellenländern (MSCI Emerging Markets Index). Der MSCI ACWi deckt insgesamt rund 85 Prozent der weltweiten Marktkapitalisierung ab.

Auch kurzfristige Ereignisse, allen voran die Corona-Krise, lassen darauf schließen, dass in den BRIC-Staaten, aber auch in den Emerging Markets insgesamt, unterschiedliche Chancen und Risiken für Anleger lauern. So konnte China in Sachen BIP bereits die vor COVID-19 beobachteten Levels erreichen. Im Fall von Indien wird die Rückkehr zu den Vorkrisenniveaus vonseiten der OECD für das Schlussquartal 2021 erwartet, während dies im Fall von Brasilien erst in Q3 2022 und im Fall von Südafrika als BRICS-Staat erst im vierten Quartal 2024 geschehen soll.

FAZIT

Der Hype rund um BRIC hat auch Anlegern hierzulande vor Augen geführt, dass interessante Anlagemöglichkeiten in den Schwellenländern zu finden sind. Allerdings wurde in den vergangenen Jahren ebenfalls deutlich, dass es bessere Möglichkeiten zur Umsetzung eines Investments in die Emerging Markets gibt, als lediglich auf das berühmte Akronym BRIC zu setzen. In Bezug auf die Chancen und Risiken sind die einzelnen Märkte sehr verschieden und lassen sich nicht über einen Kamm scheren. Für jedes einzelne Schwellenland lassen sich Vor- und Nachteile eines Investments finden, während auch die Einzelwertbetrachtung von Unternehmen nicht vergessen werden darf.

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