Die Sache mit ESG: Nicht leicht, aber machbar…

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Die Suche nach geeigneten nachhaltigen Finanzprodukten ist zeitintensiv; kann sich aber lohnen. Gegenwärtig kommt wer Geld anlegt kaum an der ESG-Evolution vorbei. Das Angebot wächst stetig; ebenso, wie die Nachfrage auch. Für Privatanlegerinnen und -anleger, die ihr Vermögensmanagement eigenständig in die Hand nehmen, ist es nicht leicht sich im „grünen Produktedschungel“ zurechtzufinden. Zumal es einiges zu beachten gibt.

Was suche ich als Anleger?

Die erste Frage, die jeder für sich beantworten muss, lautet: Was genau will und suche ich eigentlich? Wie grün, wie sozial, wie gut geführt soll es sein? Konzentriere ich mich auf bestimmte thematische Ideen, stehen vielleicht spezielle Branchen im Fokus, was darf auf keinen Fall mit dabei sein, wie schaut es mit meiner Renditeerwartung aus, wie lange möchte ich mein Produkt tatsächlich halten, gibt es Regionen, die per se ausscheiden können und einiges mehr.

Bei Investitionen in nachhaltige Wertpapiere stellen sich also, abgesehen von den ansonsten auch üblichen Chance-Risiko-Fragen einige mehr, die auch nicht außer Acht gelassen werden sollten; zumindest dann nicht, wenn man es mit der Geldanlage ernst nimmt.

Grün ist nicht gleich grün…

Darüber hinaus kommt die sicher nicht ganz unberechtigte Sorge, dass es offenbar eine Reihe an Produkten gibt, die grüner scheinen, als sie es tatsächlich sind. Greenwashing dürfte in den kommenden Jahren immer mal wieder vorkommen. Und wie sehr, wenn es sich denn als solches rausstellt, der gesamten Finanzbranche am Ende schadet, wissen wir nur zu gut.

Um den unterschiedlichen Erwartungen an strukturierte Wertpapiere gerecht zu werden, hat der DDV und seine Mitglieder Produkt- und Transparenzstandards entwickelt. Denn es gibt auch „dunkelgrüne“ strukturiere Wertpapiere, aber es ist eben nicht alles dunkelgrün. Für Anlegerinnen und Anleger soll diese Vielfalt erkennbar sein.

Ein Umdenken findet statt

Wer sich als Privatanlegerin oder -anleger unsicher ist, schaut gelegentlich, wie sich die Profis am Markt aufstellen. Neben Umweltthemen konzentrieren sich institutionelle Investoren gegenwärtig verstärkt auf soziale Aspekte. Das ergab die aktuelle Studie European Asset Allocation Insights mit rund 850 institutionellen Anlegern in 11 Ländern, die ein Gesamtvermögen von rund 1 Billion Euro repräsentieren.

Im nächsten Jahr planen demnach 27 Prozent der Befragten, den Schwerpunkt auf soziale Faktoren wie Humankapital und Arbeitsrechte auszuweiten. Zudem planen 24 Prozent, sich noch stärker auf Umweltaspekte zu konzentrieren und beispielsweise den Einfluss auf biologische Vielfalt im Investmentprozess zu berücksichtigen.

Das sind spannende Aspekte, die von Anlegerinnen und Anlegern sicher auch in Betracht gezogen werden können; auch wenn sie mit weniger Kapital engagiert sind.

Wichtig ist es also zunächst einmal die richtigen Fragen für sich zu beantworten, um dann gezielt nach den passenden Produkten zu suchen. Denn nur dann kann es auch nachhaltig sein.

DDV, Lars BrandauEin Beitrag von Lars Brandau

Er ist seit Gründung des Deutschen Derivate Verbands (DDV) dessen Geschäftsführer und vertritt den DDV auch in den Arbeitsgruppen des europäischen Dachverbands EUSIPA. Der studierte Germanist und Politologe gilt als ausgewiesener Kommunikationsprofi. Zuvor war Lars Brandau unter anderem in verschiedenen leitenden Funktionen beim Nachrichtensender n-tv tätig; zuletzt als Chefmoderator. In dieser Zeit berichtete er als Reporter aus Kriegs- und Krisengebieten, kommentierte zahlreiche Landtags- und Bundestagswahlen und moderierte drei Jahre lang die Telebörse. Weitere Informationen unter: www.derivateverband.de

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