Die großen US-Geldhäuser waren 2021 regelrecht erfolgsverwöhnt. Lediglich zum Ende des vergangenen Jahres konnten einige Misstöne vernommen werden. Schuld ist vor allem die Lohninflation.
Hohe Qualität der Kredite
Die jüngsten Quartalsberichte fielen unterschiedlich aus. Besonders gut machte seine Sache im Dezember-Quartal Bank of America (WKN: 858388 / ISIN: US0605051046), die heimische Nummer zwei gemessen an der Bilanzsumme. Das Institut überzeugte mit den Einnahmen in den Bereichen Vermögensverwaltung und Investmentbanking. Zudem half die Auflösung von Kreditvorsorgen dabei, den Gewinn zu steigern.
Laut Konzernangaben sei die Rate der Kreditausfälle so niedrig wie schon seit mehr als 50 Jahren nicht mehr gewesen. Der Gewinn schnellte zwischen Oktober und Dezember im Vorjahresvergleich um 28 Prozent auf 7,01 Mrd. US-Dollar. Bereinigt um Einmaleffekte lag der Gewinn je Aktie bei 82 Cents und damit über dem Refinitiv-Konsens von 76 Cents.
Dagegen überzeugten die Handelsaktivitäten nicht auf ganzer Linie. Der positive Aktienhandel machte Schwächen in den Bereichen Anleihen, Rohstoffe und Währungen wett. Allerdings gaben die Zahlen auch einen Vorgeschmack auf die Herausforderungen, die Bank of America und andere Institute noch erwarten könnten.

Höhere Löhne bei Goldman Sachs
Bank of America wies bei den zinsunabhängigen Ausgaben im vierten Quartal 2021 einen Anstieg um 6 Prozent auf 14,7 Mrd. US-Dollar aus. Grund dafür ist die nun schon seit einiger Zeit beobachtete Lohninflation in den USA. Bei anderen Instituten zeigte sich dieses Phänomen noch deutlich stärker.
Goldman Sachs (WKN: 920332 / ISIN: US38141G1040) verkündete bei den operativen Kosten einen Anstieg um 23 Prozent. Grund dafür waren insbesondere höhere Zahlungen an Mitarbeiter. Dies führte dazu, dass der Quartalsgewinn um 13 Prozent auf 3,94 Mrd. US-Dollar bzw. 10,81 US-Dollar je Aktie fiel und damit unter den Erwartungen von 11,76 US-Dollar blieb.
Neben höheren Kosten lief es auch im Handelsgeschäft nicht mehr ganz so rund wie zuvor. Einen Lichtblick stellte dagegen der Investmentbanking-Bereich mit dem Geschäft mit Börsengängen sowie Fusionen und Übernahmen dar. Ähnliche Entwicklungen zeigten sich auch bei anderen US-Instituten.
Morgan Stanley übt Kostenkontrolle aus
Beispielsweise konnte Morgan Stanley ebenfalls bei Börsengängen sowie Fusionen und Übernahmen punkten. Anders als die Wall-Street-Konkurrenz hatte man jedoch die Kosten besser im Griff. So lagen die Ausgaben für Mitarbeitervergütungen in etwa auf dem Niveau des Vorjahres. Letztlich stieg der Quartalsgewinn um 9,2 Prozent auf 3,7 Mrd. US-Dollar bzw. 2,01 US-Dollar je Aktie (Refinitiv-Konsens: 1,91 US-Dollar).
Auch bei Morgan Stanley (WKN: 885836 / ISIN: US6174464486) wird man sich mit höheren Löhnen beschäftigen müssen, genauso wie bei Wells Fargo. Laut Reuters hat das Institut den Mindestlohn zum Jahresende 2021 je nach Region auf 18 bis 22 US-Dollar angehoben. Zudem sagte CFO Mike Santomassimo, dass er in diesem Jahr einen Anstieg bei den Löhnen und bei den vergütungsbezogenen Kosten um 500.000 bis 1 Mio. US-Dollar zusätzlich zu den üblichen Steigerungen bei den Vergütungen erwarten würde.
Im Gegensatz dazu zeigte das vierte Quartal 2021, dass auch Wells Fargo ein großer Profiteur der wirtschaftlichen Erholung ist. Dies lies sich an den geringeren Risikovorsorgen ablesen. Zudem verweist man beispielsweise bei CNBC darauf, dass Wells Fargo (WKN: 857949 / ISIN: US9497461015) laut Einschätzung vieler Analysten in besonderer Weise von steigenden Zinsen profitieren sollte. Grund dafür seien das breite Filialnetz und die große Einlagenbasis. Zudem würden höhere Zinsen für Kredite auch höhere Gewinnmargen bedeuten.
Luft nach oben in Europa
Auf eine ähnliche Entwicklung hoffen auch die Banken auf dieser Seite des Atlantiks. Die Aktien europäischer Finanzinstitute haben zuletzt sehr gut performt. Der STOXX Europe 600 Banks Index verbuchte im vergangenen Börsenjahr ein Kursplus von rund 34 Prozent. Seit Anfang 2022 liegt die Performance bei etwas mehr als 8 Prozent. Im Gegensatz dazu performte der STOXX Europe 600 etwas schwächer.
2021 verbuchte er ein Kursplus von 22 Prozent und in den wenigen Handelstagen 2022 sogar einen kleinen Verlust von 1 Prozent. Zwar lässt sich die EZB bei der Normalisierung der Geldpolitik mehr Zeit als die US-Notenbank Fed und ist offenbar ein größerer Verfechter des „temporär“-Lagers bei der Inflation, trotzdem dürften die Zinsen auch hierzulande irgendwann ansteigen.
Darüber hinaus ist es nicht so, dass sich die europäische Wirtschaft nicht auch von der Corona-Delle erholen könnte und den Finanzhäusern weniger Kreditausfälle bei höheren Zinsen bieten könnte. Außerdem galten in den vergangenen Jahren europäische Aktien aus vielen Branchen als Nachzügler im Vergleich zu ihren US-Pendants. Dies dürfte auch weiterhin für Bankenwerte gelten.
FAZIT
In diesem Fall war die geringe Anzahl von großen Tech-Titeln ein Standortnachteil für europäische Börsen. Dieser Nachteil könnte sich in Zeiten höherer Zinsen und einer erhöhten Inflation als Vorteil erweisen. Schließlich sind es die Tech- und Wachstumswerte, die in besonderem Maße unter den jüngsten Inflations- und Zinssorgen gelitten haben.
Bildquelle: markteinblicke.de





STOXX Europe 600 Banks-Chart: Börse Stuttgart


