Wie geht die Musk-Twitter-Saga weiter?

Bildquelle: Pressefoto Twitter

Die Saga um die geplante Twitter-Übernahme durch Tesla-Chef Elon Musk bringt fast jeden Tag neue Wendungen.

Gescheiterte Monetarisierung

Im Gegensatz zu Meta Platforms (WKN: A1JWVX / ISIN: US30303M1027) konnte Twitter (WKN: A1W6XZ / ISIN: US90184L1026) nie seine große Bedeutung für unsere Gesellschaft in große Geschäftserfolge ummünzen. Die sogenannte Monetarisierung hat der Kurznachrichtendienst bis heute nicht so gut wie andere Social-Media-Konzerne hinbekommen. Dafür ist er aus dem Leben vieler Menschen nicht mehr wegzudenken.

Nicht Wenige holen sich sämtliche wichtigen News zu Film- und Sportstars, Helden des Alltags, Trendthemen oder aktuellen politischen Ereignissen aus Twitter. Auch deshalb ist der Versuch von Tesla-Chef Elon Musk, Twitter zu übernehmen, mit so vielen Emotionen verbunden. Für Viele steht nicht weniger als die Rede- und Meinungsfreiheit auf dem Spiel. Musk war in der Vergangenheit beispielsweise die von ihm wahrgenommene “Zensur” der Beiträge auf dem Kurznachrichtendienst ein Dorn im Auge.

Unübersichtliche Gemengelage

Der Plan, dem inzwischen auch der Twitter-Verwaltungsrat zugestimmt hat, sieht vor, Twitter nach der Übernahme von der Börse zu nehmen. Laut eigenen Aussagen geht es Musk bei dem Deal nicht darum, Geld zu verdienen, sondern darum, die Meinungsfreiheit auf der Nachrichten-Plattform zu stärken. Und das sei Musk zufolge nur möglich, wenn Twitter von der Börse geht. Laut dem Tesla-CEO ist Twitter mit Redefreiheit wichtig für die Demokratie und minimiere die Risiken für die Zivilisation.

Allerdings ist der Deal auch alles andere als ein Selbstläufer. Musk hat ihn inzwischen sogar “auf Eis gelegt” und einen niedrigeren Preis im Visier. Ihm geht es dabei um sogenannte Fake-Accounts. Dabei hat er einen Höchstwert von 5 Prozent im Blick. Musk forderte sogar die US-Börsenaufsicht, die Zahlen zu den Twitter-Fake-Accounts zu überprüfen. Darin liegt ein wenig Ironie. Schließlich sind Musk und die US-Börsenaufseher alles andere als Freunde.

Allerdings hat Musks “auf Eis gelegt”-Ankündigung keine rechtliche Bindung. Das sagt zum Beispiel Ajit Pai von Searchlight Capital Partners und früherer Chef der FCC (Federal Communications Commission) gegenüber CNBC. Trotzdem würde es sich bei der geplanten Twitter-Übernahme um eine unvorhersehbare Situation handeln.

Nachverhandlungen möglich?

Am Markt gibt es viele Stimmen, die sagen, dass Musk ganz einfach den Preis drücken will. Schließlich bewegen wir uns in einem Umfeld, in dem insbesondere Technologie- und Wachstumswerte zuletzt angesichts der Zins- und Inflationssorgen kräftig unter die Räder geraten sind. Ursprünglich wollte Musk Twitter für 54,20 US-Dollar je Aktie und insgesamt eta 44 Mrd. US-Dollar übernehmen.

Aktuell liegt die Twitter-Aktie jedoch nur noch bei rund 38 US-Dollar und hat damit die Gewinne abgegeben, die sie nach Bekanntgabe der Beteiligung Musks von 9 Prozent an Twitter angehäuft hatte. Damit glauben Investoren offenbar, dass der Deal möglicherweise gar nicht zustande kommt und Musk nicht nur den Preis drücken, sondern gleich ganz aus dem Deal aussteigen möchte.

Während das Twitter-Management bekräftigte, weiterhin an dem ursprünglich zu 54,20 US-Dollar je Aktie abgeschlossenen Deal festhalten zu wollen, könnte die Geschäftsführung laut Pai aber auch einen Anreiz haben, den Preis neu zu verhandeln, um die Übernahme zu retten. Die Alternative wären langwierige Gerichtsverhandlungen, um Musk auf seine ursprüngliche Zusage festzunageln. Diese könnten aber nicht nur lange ausfallen, sondern auch sehr teuer.

FAZIT

Für Anleger bedeuten die jüngsten Entwicklungen aller Voraussicht nach, dass die Übernahme, wenn sie denn überhaupt stattfindet, nicht zu dem ursprünglichen Preis über die Bühne gehen wird. Nach dem jüngsten Kurssturz könnten Schnäppchenjäger jedoch darauf setzen, dass eine Übernahme doch noch stattfindet.

Wer sogar ganz mutig ist, kann sogar auf Twitter-Hebelprodukte (WKN: MA6NPL / ISIN: DE000MA6NPL8) setzen und überproportional von Kurssteigerungen profitieren. Allerdings steigt damit auch das Risiko. Auf Sicherheit bedachte und langfristig orientierte Anleger halten sich dagegen von Twitter fern.

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