Das große Warten auf die Fed

Bildquelle: Pressefoto Federal Reserve

Im Zentrum des öffentlichen Interesses steht in dieser Woche eindeutig die US-Notenbank Fed, nachdem zuletzt mit 8,6 Prozent eine überraschend hohe Mai-Inflationsrate für die USA vermeldet wurde.

Gefahr einer Rezession

Es wird immer offensichtlicher, dass die Notenbanker der dynamischen Inflationsentwicklung deutlich hinterherlaufen, wodurch die Befürchtung noch stärker als bisher erwartet steigender Leitzinsen zu einem massiven Einbruch der Aktienkurse an den internationalen Börsen geführt hat.

Und tatsächlich nimmt die Gefahr einer Rezession in den USA zu, vor allem mit jedem Tag anhaltend hoher Preisniveausteigerungen für den für die US-Wirtschaft maßgeblichen privaten Konsum, die die positiven Effekte des nahezu voll ausgelasteten Arbeitsmarkts und der deutlich steigenden Nominallöhne relativieren.

Ebenfalls wird im Laufe der Woche der aktuelle NAHB-Hauspreisindex veröffentlicht, der angesichts stark gestiegener Hypothekenzinsen zuletzt schon auf den tiefsten Stand seit Mitte 2020 abgesackt ist. Da sowohl nachgebende Aktienkurse als auch fallende Hauspreise die Vermögensposition vieler Menschen verschlechtern, wird die Konsumentenstimmung weiter geschwächt.

“jumbo hikes” in Sicht?

Der Balanceakt zwischen der passenden Reaktion auf die aktuellen Inflationsdaten sowie der Zielsetzung, die wirtschaftliche Dynamik nicht abzuwürgen wird immer diffiziler. Daher dürfte ein noch größerer Zinsschritt in dieser Woche mit einer Leitzinsanhebung um 0,75 Prozentpunkte, die bereits Viele erwarten, zu weiteren Abschlägen bei Aktien führen.

Die Fed wäre daher gut beraten, den ohnehin historisch beispiellos rasanten Leitzinsanstieg nicht zu dynamisch ausfallen zu lassen, um die verzögert in der Realwirtschaft eintretende Wirkung zu beobachten und kein zu heftiges Bremsmanöver mit der Folge einer Rezession zu provozieren.

Hinzu kommen globale Belastungsfaktoren, die außerhalb des Einflussbereiches der Fed liegen, aber eine zusätzliche Schwächung der US-Wirtschaft erzeugen dürften, allen voran die Schwäche der chinesischen Konjunktur im zweiten Quartal aufgrund massiver Corona-Restriktionen.

Zusätzliche Belastungen

Da sich bisher keine Abkehr Pekings von der rigorosen Null-COVID-Strategie abzeichnet, ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass auch im Mai die Anlageinvestitionen, die Industrieproduktion sowie die Einzelhandelsumsätze für China schwach vermeldet werden und exportorientierte US-Unternehmen zusätzlich belasten.

An den Börsen dürfte die Stimmungslage vorerst entsprechend gedämpft bleiben. Allerdings ist der Pessimismus gemessen an verschiedenen Stimmungsindikatoren wie bspw. dem AAII Investor Sentiment Survey in den USA bereits sehr negativ – und es wird entsprechend viel Liquidität gehalten. Die Wahrscheinlichkeit für eine zumindest kurzfristige schnelle und positive Gegenreaktion im Falle nur leicht besserer als erwarteter Indikatoren steigt damit deutlich.

Ein Kommentar von Carsten Mumm

Er ist Chefvolkswirt bei der Privatbank Donner & Reuschel. Das Traditionshaus mit Sitz in Hamburg und München setzt auf qualifizierte und umfassende Beratung für vermögende Privatkunden, Unternehmer, Immobilienkunden und institutionelle Kunden.

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