NIO, Li Auto & Xpeng: Jetzt einsteigen?

Bildquelle: NIO

Angesichts der “Null-Covid-Strategie” der chinesischen Regierung muss man derzeit immer damit rechnen, dass Lockdowns die Lieferketten unterbrechen und zu wirtschaftlichen Verwerfungen führen. Dies gilt besonders für die Automobilindustrie. Trotzdem könnte gerade der chinesische Elektroautosektor Potenzial mitbringen.

Lebenszykluskosten im Blick

Dieser Ansicht sind zum Beispiel die Analysten bei der Citigroup. Seit geraumer Zeit gelten die drei hierzulande unter Anlegern besonders bekannten Neulinge am Elektroautomarkt NIO (WKN: A2N4PB / ISIN: US62914V1061), Xpeng (WKN: A2QBX7 / ISIN: US98422D1054) und Li Auto (WKN: A2P93Z / ISIN: US50202M1027) als besonders aussichtsreiche Kandidaten, zu einem neuen Tesla (WKN: A1W6XZ / ISIN: US90184L1026) zu werden.

Während auch sie mit den aktuellen Herausforderungen wie der Knappheit beim Halbleiterangebot, den chinesischen COVID-19-Lockdowns oder einer schwächeren wirtschaftlichen Entwicklung zu kämpfen haben, gilt der Blick bei der Citigroup vor allem der Zukunft. Dabei haben die Marktexperten ganz besonders die sogenannten Lebenszykluskosten von Elektroautos und Fahrzeugen mit Verbrennungsmotor im Auge. Aus ihrer Sicht würde der Markt die Bedeutung dieser Kosten bei der Kaufentscheidung für ein Elektrofahrzeug unterschätzen.

Ihrer Meinung nach spielen diese sehr wohl eine große Rolle. Dabei ist ihnen bewusst, dass sowohl die Preise für Rohöl als auch für viele der in der Elektroautoindustrie benötigten Rohstoffe ansteigen. In einem Szenario, in dem sowohl die Benzin- als auch die Lithiumkarbonatpreise bis zum Jahr 2023 jährlich um weitere 25 bis 50 Prozent steigen, wären die Gesamtkosten laut Citigroup über den gesamten Lebenszyklus für Elektrofahrzeuge um 36 Prozent niedriger als für Autos mit Verbrennungsmotoren. Als Ergebnis werden die Aktien von NIO, Xpeng und Li Auto jeweils mit einem “Buy”-Rating geführt.

Li Auto trotzt schwierigem Umfeld

Im Fall von Li Auto wurde das Kursziel nun sogar von 26,80 auf 58,60 US-Dollar erhöht. Dabei hat die Aktie zuletzt trotz des schwierigen Marktumfeldes überzeugen können. Seit Anfang 2022 liegt das Kursplus bei rund 11 Prozent. Das 2015 gegründete Pekinger Unternehmen hat vor allem das Premiumsegment im Blick. Li Auto sieht sich zudem als Pionier im Bereich großer Reichweiten.

Xpeng konzentriert sich wiederum auf den Entwurf, die Entwicklung, Herstellung und Vermarktung „intelligenter“ Elektrofahrzeuge („Smart EV“). Angeboten werden derzeit ein SUV (G3) und eine viertürige Sportlimousine (P7). Mit dem Flugauto HT Aero will das Unternehmen in Zukunft auch die Lüfte erobern. Derzeit stehen Fahrzeuge für das mittlere bis High-End-Segment des chinesischen Pkw-Marktes im Fokus. Bei der Citigroup traut man der Xpeng-Aktie einen Sprung auf 51,59 US-Dollar zu, nachdem das Kursziel zuvor lediglich bei 36,70 US-Dollar gelegen hatte.

Sehr begehrt

Der dritte im Bunde ist NIO. Zwar senkte man bei der Citigroup das Kursziel für die NIO-Aktie von 87,00 auf 41,10 US-Dollar, dies entspricht trotzdem immer noch einem Kurspotenzial von mehr als 80 Prozent. Edison Yu, Analyst bei der Deutschen Bank ist ein noch größerer Fan von NIO. Er traut der Aktie fast eine Kursverdopplung auf 45,00 US-Dollar zu.

Die Einschätzung liegt im Fall der NIO-Aktie bei “Buy”. Für den Optimismus hatte unter anderem ein Treffen mit dem Management gesorgt. Laut Yu würde nun für NIO der wichtigste Produktzyklus des Unternehmens beginnen. Der Konzern aus Shanghai wurde 2014 gegründet.

Er ist unter anderem für seine Akkuwechsel an den NIO-Batteriewechselstationen sowie das revolutionäre, mit einer neuartigen Feststoffbatterie ausgestattete Modell NIO ET7, bekannt. Bei der Deutschen Bank ist man zudem davon überzeugt, dass NIO die Zahl der Auslieferungen von zuletzt 7.000 pro Monat auf 25.000 bis zum Jahresende steigern kann.

Die Modelle ET7 und ET5 Limousinen werden in diesem Jahr laut Yu die begehrtesten Autos auf dem chinesischen Premiummarkt sein. Sie könnten sogar kategorieprägende Produkte darstellen. Ein weiterer Grund, warum die NIO-Aktie aus Analystensicht nicht mehr gegenüber anderen Branchenvertretern underperformen sollte.

FAZIT

Nach der jüngsten Schwächephase scheinen in den USA gelistete Aktien chinesischer Unternehmen inzwischen so etwas wie einen Boden erreicht zu haben. Seit Ende Mai läuft im Fall der NIO-Aktie sogar ein steiler Erholungsversuch. Auch im Fall von Li Auto und Xpeng konzentrieren sich Anleger offenbar wieder verstärkt auf die positiven langfristigen Aussicht im Elektroautosektor.

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