Sto: Wie viel Potenzial hat noch die Bauzulieferer-Aktie?

Bildquelle: Pressfoto Sto

Der Bauzulieferer Sto SE & Co. KGaA (WKN: 727413 / ISIN: DE0007274136) gehört weiterhin zu den großen Profiteuren des seit Jahren anhaltenden Bau-Booms in Deutschland. Das belegten wieder einmal die jüngsten Geschäftszahlen. Wie der Experte für Gebäudebeschichtungen und Wärmedämm-Verbundsysteme Mitte Mai bekanntgab, legte der Umsatz im ersten Quartal 2022 auf Jahressicht um 21 Prozent auf 368 Mio. Euro zu.

Wegen der starken Geschäftsentwicklung im Auftaktquartal wurde der positive Ausblick auf das Gesamtjahr 2022 bestätigt. Sto peilt einen Umsatz in Höhe von 1,74 Mrd. Euro an. Der Vorsteuergewinn (EBT) dürfte der Firmenschätzung nach in der Spanne zwischen 112 und 132 Mio. Euro liegen.

Trotzdem stand die Aktie von Sto in den vergangenen Monaten zeitweise unter kräftigem Verkaufsdruck. Die sich zuspitzenden Versorgungsengpässe auf den Beschaffungsmärkten, der Ukraine-Krieg und die allgemeine Börsen-Korrektur sorgten dafür, dass der Kurs der Sto-Aktie seit Anfang Mai um zwischenzeitlich knapp 30 Prozent korrigierte.

Montega sieht kräftiges Aufholpotenzial

Geht es nach der Einschätzung von Montega-Analyst Patrick Speck, könnten die wieder niedrigeren Kurse aber großes Aufholpotenzial eröffnen. Das Hamburger Analyse-Haus hat im jüngsten Research-Update die bisherige Kaufempfehlung für die Sto-Aktie bestätigt. Das Kursziel wurde zwar von zuvor 300 Euro auf nun 270 Euro gesenkt, liegt damit aber immer noch 85 Prozent über dem aktuellen Kurs (145,60 Euro).

Patrick Speck sieht seine Einschätzung vor dem Hintergrund der jüngsten Aussagen des Sto-Vorstands zum aktuellen Geschäftsverlauf in den Prognosen für 2022 bestätigt. Er begründete die Einschätzung damit, dass der Umsatz nach Angaben des Sto-Vorstandssprechers per Ende Mai über dem Vorjahreswert (+21 Prozent) und über den Firmenerwartungen lag. Speck hält deshalb für das zweite Quartal einen Wachstumstrend im zweistelligen Bereich für wahrscheinlich.

Die Belastungen bei Sto halten an

Das weit unter dem Vorjahr liegende Ergebnis erklärte Speck mit den anhaltenden Belastungen durch Kostensteigerungen in der Beschaffung sowie durch direkte und indirekte Effekte der Lockdowns in China.

Letztere sollen zu einem zeitweisen Stillstand bei der Sto-Tochterfirma in Shanghai geführt haben, allerdings befinde sich die dortige Produktion seit Juni wieder im Normalbetrieb. Belastend wirken außerdem Lieferverzögerungen bei Vorprodukten aus Asien.

Strukturelle Trends bleiben aber intakt

Der Montega-Analyse zufolge bleiben die strukturellen Trends aber intakt. Laut Patrick Speck hob der Sto-Vorstand auf der jüngst abgehaltenen virtuellen Hauptversammlung neben den aktuellen Risiken die Chancen hervor, die sich unter anderem aus dem European Green Deal und der erwarteten „Renovierungswelle“ ergeben.

Demnach sollen allein bis 2030 in Europa rund 35 Millionen Gebäude energetisch saniert werden, da der Sektor für mehr als 40 Prozent des Energieverbrauchs und über 36 Prozent der energiebedingten THG-Emissionen verantwortlich ist. Dabei sollen die rapide steigenden Energiepreise den kurzfristigen Bedarf zur Energieeinsparung noch forcieren.

„Wir halten die strukturellen Treiber trotz höherer Bauzinsen und einer für 2023 befürchteten Dämpfung der Neubautätigkeit daher für robust, zumal die Renovierung unseres Erachtens nach rund 70 Prozent der Erlöse von Sto in der Dämmung ausmacht.“ (Patrick Speck, Montega)

„Günstig bewerteter Qualitätstitel“

Im Fazit des Montega-Research-Updates heißt es, dass sich das unprofitable Wachstum bei Sto im zweiten Quartal fortzusetzen scheint. Deshalb rechnet Patrick Speck mit über das zweite Halbjahr hinaus anhaltenden Belastungen. Der „Investment Case“ wird aber im Kern als intakt angesehen. Laut der Montega-Analyse ist die Sto-Aktie mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von 12,2 ein günstig bewerteter Qualitätstitel.

An der Börse brach die Sto-Aktie im Juni in der Spitze auf 134,60 Euro ein, konnte sich aber bis Ende des Monats auf zeitweise 146 Euro erholen. Charttechnisch zeigen die Kurspfeile vorerst noch abwärts.

Erst wenn sich hier ein tragfähiger Kursboden ausbildet und die Notierungen über das Zwischenhoch von Anfang Juni bei 176,80 Euro ausbrechen, würde sich die charttechnische Lage wieder aufhellen. Wegen des starken operativen Wachstums bleibt Sto im Nebenwertebereich auf jeden Fall weiterhin aussichtsreich.

Bildquelle: Pressfoto Sto