Krisenwährung Gold: stimmt das noch?

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Die Aktienmärkte standen in den vergangenen Monaten zeitweise unter starkem Verkaufsdruck. Grund hierfür sind die zahlreichen Belastungsfaktoren, wie vor allem Inflations-, Zins- und Konjunktursorgen, die auf die Stimmung der Anleger drücken.

Goldpreis ist unter Verkaufsdruck

Selbst Gold, das in der Vergangenheit immer als sicherer Anlagehafen galt, konnte sich dem allgemeinen Abwärtssog nicht entziehen. Notierte der Goldpreis im März dieses Jahres noch bei zeitweise über 2.000 US-Dollar je Feinunze, ging es für die Notierungen bis Mitte Juli zwischenzeitlich in den Bereich der 1.700er-Marke nach unten.

Viele Anleger fragen sich deshalb, ob Gold inzwischen den Status als Krisenwährung verloren hat oder ob die wieder niedrigeren Kurse nun eine günstige Einstiegsgelegenheit eröffnen. Eine Antwort auf diese Fragen könnte der jüngst veröffentlichte Ausblick des World Gold Council geben.

Zinserhöhungen sorgen für Gegenwind

Laut der neuen Analyse, die Anfang Juli veröffentlicht worden ist, geht das World Gold Council davon aus, dass Zinserhöhungen den Goldpreis in der zweiten Jahreshälfte 2022 unter Druck setzen werden. Dazu dürfte demnach auch der starke US-Dollar mitbeitragen. Denn an den wichtigsten Rohstoffbörsen der Welt wird das Edelmetall in Dollar gehandelt. Ein starker Dollar verteuert dementsprechend Gold-Investments außerhalb des Dollar-Raums, was die Goldnachfrage belasten könnte.

Außerdem hält es das World Gold Council für möglich, dass sich die weltweite Konjunkturabschwächung negativ auf die Goldnachfrage auswirken könnte. Das soll zum Beispiel für China gelten. In der Volksrepublik leidet die Wirtschaft nach wie vor unter der Corona-Pandemie.

Auch Indien wird dabei genannt. Der indische Staat gehört traditionell zu den größten Goldabnehmern der Welt. Hier wird Gold auch sehr stark von der Schmuckindustrie nachgefragt. Die jüngst eingeführten höheren indischen Einfuhrzölle für Gold könnten sich demnach negativ bemerkbar machen.

Stabile Goldnachfrage zu erwarten

Auf der anderen Seite sollten laut dem World Gold Council die anhaltend hohe Inflation und geopolitische Krisen die Goldnachfrage aber stabil halten. Das soll vor allem auch deshalb gelten, weil Staatsanleihen, die ebenfalls als sicherer Anlagehafen gelten, durch die hohe Inflation an Attraktivität verlieren. Denn trotz der zuletzt deutlich angestiegenen Verzinsungen zum Beispiel bei zehnjährigen US-Staatsanleihen (Rendite aktuell: 3,1 Prozent) errechnen sich hier derzeit wegen der hohen Inflation deutlich negative reale Renditen.

Die Gold-Organisation führt dabei auch an, dass sich der Goldpreis in der Vergangenheit in Phasen hoher Inflation insgesamt positiv entwickelt hat. Demnach stieg der Goldpreis in Jahren, in denen die Teuerung bei über drei Prozent lag, um durchschnittlich 14 Prozent.

Das World Gold Concil erklärte, dass sich der Goldpreis bei einer durch die Rohstoffpreise getriebenen Inflation dagegen in der Vergangenheit schwächer entwickelte als die Preise anderer Rohstoffe. Allerdings holte der Goldpreis in den darauffolgenden zwölf bis 18 Monaten auf.

Rolle als Krisenwährung gilt immer noch

Laut dem World Gold Concil war der Goldpreis in der ersten Jahreshälfte 2022 nach Beginn des Ukraine-Kriegs zunächst gestiegen, schwächelte im Anschluss aber, wobei jüngst ein Fünfmonatstief markiert wurde. Trotzdem sei Gold der Rolle als Krisenwährung gerecht geworden. Demnach hat Gold im ersten Halbjahr zu den Assets mit der vergleichsweise besten Wertentwicklung gehört. Außerdem fielen die Schwankungen hier relativ gering aus.

Auch für die Notenbanken spielt Gold als langfristiger Inflationsschutz eine wichtige Rolle. Laut dem World Gold Council plant ein Viertel der Zentralbanken in den nächsten zwölf Monaten Zukäufe. (Bildquelle: Pressefoto Newmont)

Die Notenbanken stützen den Goldpreis

Außerdem veröffentlichte das World Gold Council Anfang Juli eine Auswertung der Gold-Zu- und Verkäufe der Notenbanken. Laut der Organisation haben die Zentralbanken im Mai ihre Reserven um 35 Tonnen ausgebaut, was den zweiten Monat infolge mit Nettokäufen bedeutete.

Dem World Gold Council zufolge wollen viele Staaten in der Krise ihre Goldbestände weiter erhöhen. Laut der vor kurzem veröffentlichten jährlichen Zentralbank-Umfrage des World Gold Councils plant ein Viertel der Zentralbanken in den nächsten zwölf Monaten Zukäufe. Die Organisation kommt zu dem Schluss, dass sich daran zeigt, dass Gold als langfristiger Inflationsschutz für die Notenbanken eine wichtige Rolle spielt.

Das sagt die Charttechnik

Nachdem der Goldpreis im März dieses Jahres ein Allzeithoch bei knapp über 2.069 US-Dollar je Feinunze markierte, brachen die Notierungen bis Mitte Juli auf zeitweise 1.738 Dollar ein. Das Edelmetall notiert dementsprechend wieder unter der bei 1.844 Dollar verlaufenden 200-Tage-Linie, womit die Trendpfeile vorerst nach unten zeigen. Setzt sich die Korrektur fort, könnte als Nächstes die runde 1.700er-Marke angesteuert werden.

Knapp unterhalb, bei 1.677 Dollar je Feinunze, liegt das Zwischentief vom März 2021. Gut möglich ist, dass dieses Tief eine Unterstützung bedeutet und die Notierungen in diesem Bereich dann wieder aufwärts drehen. Ein neues Kaufsignal würde es geben, wenn die Rückeroberung der 200-Tage-Linie (1.844 Dollar) gelingt. Das nächste Kursziel wäre dann die 2.000er-Marke. Oberhalb könnte im Anschluss wieder das März-2022-Rekordhoch bei 2.069 Dollar in den Fokus rücken.

mE-Fazit

Bei Gold gibt es aktuell sowohl Argumente, die für fallende Kurse sprechen als auch solche, die einen möglichen Anstieg vermuten lassen. Rein charttechnisch betrachtet, könnte es für die Notierungen noch ein Stück weiter nach unten gehen.

Knapp unterhalb der 1.700-Dollar-Marke liegt aber eine wichtige Unterstützungszone, bei der Gold einen Kursboden ausbilden könnte. Eine Rückeroberung der 200-Tage-Linie (1.844 Dollar) würde den Wechsel zurück in den übergeordneten Aufwärtstrend bedeuten, womit sich dann ein Einstieg auf der Long-Seite anbieten würde.

 

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