Die nächsten Wochen werden es zeigen, wie es um die Weltwirtschaft steht. Schluss mit irgendwelchen Prognosen und Thesen – die Earning Season für das zweite Quartal hat begonnen und nun müssen alle Unternehmen aufzeigen, wie sie mit einer Konjunkturabschwächung und steigender Inflation umgegangen sind bzw. wie sie die Margen halten konnten, oder auch nicht.
Die Anlegererwartungen sind immer noch (zu) hoch
Anleger, die davon ausgehen, dass die vorangegangenen Quartale eine natürliche Fortsetzung finden werden, dürften enttäuscht werden. „In den letzten Berichtsperioden haben die Unternehmen die gedämpften Gewinnschätzungen mühelos übertroffen, aber mit dem Wechsel von einer unterstützenden zu einer restriktiven Politik könnte dieses Leitmotiv in Frage gestellt werden“, sagt Fondsmanager Salman Baig von Unigestion.
„Da die mittelfristigen Rezessionsaussichten zunehmen, könnten die Schätzungen der Analysten in der Tat zu optimistisch sein. Sollten die Gewinne stark revidiert werden, was bei den Aktien der Industrieländer noch nicht geschehen ist, würde dies den Aktienmärkten inmitten der Turbulenzen, in denen sie sich bereits befinden, erheblichen Gegenwind bescheren“, ergänzt Baig.

Den Begriff Gewinnrezession meiden viele
Die Situation ist schwierig. Denn die aktuellen Gewinnerwartungen der Analysten spiegeln keine Konjunkturabschwächung wider und es besteht laut Baig wenig Besorgnis über eine Verlangsamung des Gewinnwachstums, schon gar nicht über eine Gewinnrezession. Das Ende vom Lied ist so schwer nicht: Sollten die Gewinne der Unternehmen in der großen Masse nach unten revidiert werden, wird dies zusätzlichen Gegenwind an den Aktienmärkten mit sich bringen.
„Viele Finanzunternehmen werden in dieser Woche Berichte vorlegen, die eine Mikro-Perspektive auf das Gleichgewicht zwischen Wachstum und Inflation in der Realwirtschaft bieten. Während die Unternehmen höhere Inputkosten abfedern können, indem sie sie auf ihre Produktionspreise umlegen und so ihre Gewinnspannen stützen, ist es für die Unternehmen viel schwieriger, die nachlassende Nachfrage zu bekämpfen“, so das CAS-Team von Unigestion im wöchentlichen Ausblick.
Das Gewinnwachstum des S&P 500 im Fokus
Die Abbildung zeigt es auf. Sie gibt einen langfristigen Überblick über das Wachstum des Gewinns pro Aktie (EPS) für den S&P 500 und zeigt „die wenig überraschende Tatsache, dass eine wirtschaftliche Rezession in der Regel zu einer Gewinnrezession führt“, so Baig.

Laut der Abbildung sind die Gewinne des S&P 500 demnach seit 1900 während einer Rezession auf monatlicher Basis um 5 Prozent gegenüber dem Vorjahr gesunken, während sie außerhalb von Rezessionen um 16 Prozent gestiegen sind. Die jüngere Vergangenheit (seit 1970) ist dagegen deutlich krasser: Seit 1970 betrug das Gewinnwachstum im Jahresvergleich während Rezessionen durchschnittlich -13 Prozent auf monatlicher Basis, während es außerhalb von Rezessionen 22 Prozent betrug.
Das CAS-Team spricht hierbei Klartext: „Es droht eine Rezession, ob die Fed dies riskieren will oder nicht. Unser Growth Nowcaster zeigt, dass die Wirtschaftstätigkeit deutlich unter dem Potenzial liegt und sich einer Rezession nähert.“ Mehr als 60 Prozent der zugrundeliegenden Datenreihen würden sich verschlechtern, was darauf hindeutet, dass sich dieser Trend wahrscheinlich fortsetzen wird.
mE-Fazit
Die aktuelle Earning Season dürfte einige Hammer in Form von drastischen Gewinnwarnungen und negativen Ausblicken mit sich bringen. Als Investor mit einem langfristigen Anlagehorizont sollte einmal mehr der Fokus auf Unternehmen gesetzt sein, die augenscheinlich langweilig sind, aber diese folgenden Faktoren erfüllen:
Unternehmen mit einem langjährigen robusten Geschäftsmodell und einer Preissetzungsmacht sowie einer geringen Verschuldung und einem soliden Cash-Flow, was zusammen am Ende für einen stabilen Umsatz und (hohe) Margen sorgen sollte. Es sind solche Unternehmen, die laut dem US-amerikanischen Star-Investor und Value-Fan Warren Buffett diesen wichtigen „Burggraben“ besitzen, um in Krisenzeiten mit Inflation und Rezession zu bestehen und sogar daraus gestärkt rausgehen.
Wer solche Aktien im Fokus hat, dürfte auch bei schwächeren Kursen oder gar stärkeren Einbrüchen keine Probleme haben, zu günstigeren Kursen nachzukaufen. Abgerechnet wird bekanntlich beim langfristigen Vermögensaufbau mit Aktien erst nach 15; 20 oder gar 25 Jahren.
Bild: markteinblicke.de








