Value-Aktien und der Burggraben

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In den vergangenen Jahren hatten Technologie- und Wachstumstitel an den Börsen mutmaßlich das Sagen. Ihnen hatte das niedrige Zinsumfeld in die Karten gespielt. Unternehmen wie Apple, Amazon, die Google-Muttergesellschaft Alphabet oder Microsoft konnten beim Börsenwert die Billionen-Grenze knacken. Zudem erreichten Wachstumstitel mit kaum nennenswertem Umsatz, jedoch bedingt durch eine rege Investitionstätigkeit hohen Verlusten, sehr ambitionierte Bewertungen. Angesichts der seit geraumer Zeit vorherrschenden Zins- und Inflationssorgen scheint es am Markt damit vorbei zu sein.

Noch mehr „jumbo hikes“

Value-Titel haben unter anderem dank der Aussicht auf steigende Zinsen an Attraktivität gewonnen. Derzeit sieht es so aus, als würden die Zinsen noch schneller steigen. Bis vor kurzem hatte die US-Notenbank Fed sogenannte „jumbo hikes“, also Leitzinserhöhungen von 0,75 Prozentpunkten oder mehr auf einen Schlag, ausgeschlossen. Im Juni warfen die US-Währungshüter diese Vorsätze jedoch angesichts einer hohen Inflation über Bord. Die Leitzinsen stiegen um 75 Basispunkte. Es war der höchste Anstieg seit 1994, was den Ernst der Lage an der Inflationsfront verdeutlichen dürfte. Zumal ein weiterer „jumbo hike“ Ende Juli anstehen dürfte.

Einen solchen hatte Notenbankchef Jerome Powell bereits ins Spiel gebracht. Der Markt rechnet ebenfalls mit einem solchen Schritt. Zu diesem Ergebnis kommt eine aktuelle Reuters-Umfrage, die zwischen dem 17. und 21. Juni bei Volkswirten durchgeführt wurde. So würden 67 von 91 der befragten Experten mit einer Leitzinsanhebung um 0,75 Prozentpunkte rechnen. Zudem soll es im September einen weiteren 50-Basispunkte-Schritt bei den Leitzinsen nach oben geben, während es erst im November zurück zu den üblichen 25-Basispunkte-Schritten gehen soll. Höhere Zinsen könnten die Rotation hin zu Value-Werten beschleunigen.

Vorteil für Value-Aktien?

Mit der Aussicht auf höhere Zinsen gewinnen klassische Value-Kennzahlen, wie der Blick auf die heutigen Unternehmensgewinne, an Bedeutung. Bei sogenannten Wachstumswerten liegt der Fokus auf zukünftigen Gewinnen, während im Moment hohe Wachstumsinvestitionen getätigt und sogar Verluste in Kauf genommen werden. Bei Value-Aktien sieht die Sache anders aus. Sie haben heute hohe Gewinne, Dividenden oder Cashflows vorzuweisen, was zu attraktiven Bewertungen aus Sicht des Value Investing führt. Niedrige Zinsen treiben wiederum die heutigen Bewertungen und damit die Aktienkurse der Wachstumswerte.

Wenn die Zinsen, wie in den vergangenen Jahren, niedrig sind, bedeutet dies, dass zukünftige Gewinne nur schwach abgezinst werden. Das heißt, dass ihnen schon heute ein relativ hoher Wert beigemessen wird, was ihre Aktienkurse in die Höhe schießen lässt. Dies ist auch ein Grund, warum insbesondere die Aktien von wachstumsstarken Technologieaktien Federn lassen mussten, als die Sorgen vor einer hohen Inflation und steigenden Zinsen an die Märkte zurückkehrten. Bei steigenden Zinsen würden zukünftige Gewinne entsprechend stark abgezinst werden.

Ihr heutiger Wert würde sinken und mit ihm auch die Aktienkurse. Anleger haben verschiedene Möglichkeiten, von einer mutmaßlichen Rotation, weg von Tech- und Wachstumstiteln zu Value-Werten, zu profitieren. Beispielsweise können sich Value-Fans an den Trades von Warren Buffett und seiner Investment-Holding Berkshire Hathaway (WKN: A0YJQ2 / ISIN: US0846707026) sowie der Aktie des Konzerns orientieren. Eine andere Möglichkeit stellt der Frankfurter UCITS-ETF – Modern Value – P (WKN: FRA3TF / ISIN: LU2439874319) dar.

Qualitativ hochwertige Unternehmen

Die Shareholder Value Management AG (WKN: A1RFHN / ISIN: DE000A1RFHN7) aus Frankfurt hat den Frankfurter Modern Value Index gemeinsam mit dem Indexanbieter Solactive entwickelt. Dieser filtert laut Angaben des Vermögensverwalters, dessen Anlagestrategie sich laut eigener Darstellung streng nach den Prinzipien des Value-Investing richtet, systematisch quantitativ nach Ländern, Nachhaltigkeitskriterien und Liquidität. Der Schwerpunkt liegt auf erstklassigen Unternehmen mit einer hohen Eigenkapitalrendite, die sich durch strukturelle Wettbewerbsvorteile (sogenannter wirtschaftlicher Burggraben) und solide Fundamentaldaten auszeichnen.

Der Frankfurter Modern Value Index umfasst die 25 Titel der Watchlist von Shareholder Value Management, die auf Sicht der nächsten fünf Jahre den höchsten erwarteten Total Shareholder Return (TSR) aufweisen. Dieser setzt sich aus den Kursentwicklungen der Aktie, Rückkäufen und den Dividendenzahlungen des Unternehmens zusammen. Die 25 Titel im Frankfurter Modern Value Index werden wiederum mit jeweils 4 Prozent gleichgewichtet — im Gegensatz zu klassischen Indizes, deren Zusammensetzung häufig durch die Marktkapitalisierung der Unternehmen bestimmt wird. Quartalsweise finden eine Überprüfung der Titel und ein Rebalancing statt. Die Abbildung des Indexes erfolgt durch eine physische Replikation.

FAZIT

Die Investorenlegende Warren Buffett zeigt Anlegern seit Jahrzehnten, dass eine Value-Strategie zum Erfolg führen kann. In der aktuellen Marktphase könnte diese im Vergleich zu anderen Strategien sogar noch an Bedeutung gewinnen.

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