Voestalpine: Sind die Hausaufgaben gemacht?

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Trotz der schwierigen Rahmenbedingungen durch die Corona-Pandemie, die viele Unternehmen im vergangenen Jahr belasteten, konnte Voestalpine (WKN: 897200 / ISIN: AT0000937503) das Geschäftsjahr 2021/2022 (per Ende März 2022) mit Rekordzahlen bei Umsatz und Ergebnis abschließen. Nun legte der österreichischen Stahl- und Technologie-Konzern mit den neuesten Quartalszahlen noch einmal nach.

Die Voest mit neuen Rekordergebnissen

Wie Voestalpine Anfang August vermeldete, legte der Umsatz im ersten Geschäftsquartal 2022/2023 (per Ende Juni) auf Jahressicht um 37,7 Prozent auf 4,6 Mrd. Euro zu. Für den Gewinn ging es von 259 auf 615 Mio. Euro nach oben.

Dabei konnte der Konzern die Verschuldung deutlich nach unten schrauben. Die Verschuldungskennzahl Gearing Ratio (Nettofinanzverschuldung im Verhältnis zum Eigenkapital) verringerte sich im Jahresvergleich von 43,8 auf 29,8 Prozent.

„Wir haben Flexibilität und Anpassungsfähigkeit gezeigt.“ (Herbert Eibensteiner, Vorstandsvorsitzender)

Damit konnte Voestalpine wieder einmal neue Rekordergebnisse erzielen. „Wir haben das historisch beste operative Quartalsergebnis erwirtschaftet“, erklärte Voestalpine-CEO Herbert Eibensteiner bei der Präsentation der Zahlen zum ersten Quartal des Geschäftsjahres 2022/2023.

Hohe Nachfrage in allen Sparten

Laut Voestalpine war die Nachfrage in allen Geschäftsbereichen gut gewesen. Einen Aufwärtstrend soll es in der Sparte Luftfahrt gegeben haben, die vom steigenden Passagieraufkommen im regionalen Flugverkehr profitierte. Im Segment Öl und Gas nahm die Nachfrage aus der Industrie ebenfalls deutlich zu.

Wie Voestalpine erklärte, schafften die stark gestiegenen Energiepreise Anreize, in Öl- und Gasprojekte zu investieren. Demnach wirkte sich auch die Umwandlung der amerikanischen Schutzzölle in ein Quotensystem (per 1. Januar 2022) positiv auf die europäischen Produktionsstandorte aus.

Laut CEO Eibensteiner ist es sehr gut in den USA, Brasilien und China gelaufen. „Man muss das Gesamtportfolio betrachten. International haben wir noch ein gutes wirtschaftliches Umfeld vorgefunden.“

Voestalpine – das ist auch Hightech pur. Wir geben zu: We love it! Bildquelle: Pressefoto © voestalpine AG

Der Ausblick bremst die gute Stimmung aus

Hinsichtlich der Gaskrise ist Voestalpine davon überzeugt, die Hausaufgaben bereits gemacht zu haben. „Wir haben unsere Speicherziele erreicht und sind auf eine eventuelle Krise gut vorbereitet“, erklärte der CEO. Seiner Einschätzung nach kommt der Konzern mit seinen Reserven drei Monate lang über die Runden.

Eibensteiner gibt aber zu bedenken, dass die Gaskrise auch für Voestalpine ein Risiko birgt, das auch den Ausblick auf das Gesamtjahr trübt. Wenn es tatsächlich zum Erliegen der Gasversorgung kommt, würde ihm zufolge die Beschaffung erschwert, die Produktion bei Partnerunternehmen beeinträchtigt, was letztlich auch Voestalpine trifft.

„Wir können nicht von einer Fortsetzung der Ergebnisentwicklung des ersten Quartals im restlichen Geschäftsjahr ausgehen.“ (Herbert Eibensteiner, Vorstandsvorsitzender)

Eibensteiner rechnet insbesondere im zweiten Halbjahr 2022/2023 mit einer deutlichen Abkühlung der Konjunktur und mit einer entsprechenden Auswirkung auf den Konzern. Laut der Firmenprognose wird das Betriebsergebnis (EBITDA) 2022 bei rund 2 Mrd. Euro liegen und damit leicht unter dem Vorjahreswert von 2,3 Mrd. Euro.

Zuletzt gab es eine Berg-und-Tal-Fahrt an der Börse

An der Börse verzeichnete die Aktie von Voestalpine in den vergangenen beiden Jahren eine Berg-und-Tal-Fahrt. Nach dem März-2020-Tief bei rund 13 Euro ging es für den Kurs bis zum August 2021 auf ein Dreijahreshoch bei 40 Euro zunächst steil nach oben. Doch im Anschluss brachen die Notierungen bis zum Juli dieses Jahres auf 19 Euro ein.

Inzwischen konnte sich der Kurs im Bereich der 21er-Marke stabilisieren. Im Fall einer neuen Aufwärtsbewegung gilt es, die 200-Tage-Linie (28 Euro) zu überwinden, um in den übergeordneten Aufwärtstrend zurück zu wechseln. Das nächste Kursziel wäre dann das 2021er-Jahreshoch bei 40 Euro.

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