Berichtssaison: Starke “Beat Rates”

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Im Zuge der Berichtssaison zum zweiten Quartal 2022 haben sich die schlimmsten Befürchtungen der Marktteilnehmer nicht bewahrheitet. Allerdings bleibt die Inflation laut Einschätzung eines Fondsmanagers ein Belastungsfaktor, während jedoch auch in diesem Umfeld Chancen lauern würden.

Schwieriges Umfeld

Angesichts der aktuellen Marktunsicherheiten rund um die hohe Inflation, steigende Zinsen, den Krieg in der Ukraine, weltweite Lieferkettenprobleme, Chinas rigorosen Kampf gegen COVID-19 sowie die Aussicht auf eine Rezession dürften vieler Marktteilnehmer im Vorfeld der nun fast beendeten US-Berichtssaison zum zweiten Quartal 2022 sorgenvoll auf die Zahlenvorlagen geschaut haben.

Wie so häufig, spielte es auch dieses Mal nur eine untergeordnete Rolle, wie niedrig die Erwartungen der Analysten tatsächlich waren. Wirklich wichtig war erneut der Umstand, dass diese übertroffen werden konnten. Die Devise lautete in vielen Fällen: “Es hätte auch schlimmer kommen können.”

Konsenserwartungen übertroffen

Frank Thormann, Fondsmanager bei Schroders, hat nun Bilanz gezogen, nachdem bereits über 80 Prozent der börsengelisteten Unternehmen die Ergebnisse für das zweite Quartal 2022 vorgelegt hatten. Dabei stellt er fest, dass die Gewinne die Konsenserwartungen übertroffen hätten. Die Wachstumsrate sei aber im Vergleich zu den historisch außergewöhnlich starken letzten Quartalen schwächer ausgefallen.

Es gilt aber auch festzuhalten, dass in den vergangenen Quartalen eine Erholung von den beispiellosen in Zeiten der Corona-Pandemie erreichten Tiefständen stattgefunden hatte. Dieses Mal dürften viele Vergleichswerte etwas höher ausgefallen sein. Demnach hätten die Umsätze im zweiten Quartal die Konsenserwartungen um etwa 3 Prozent geschlagen, während der Gewinn je Aktie um etwa 4 Prozent über dem Konsens gelegen habe.

Anhaltend hohe “Beat Rates”

Laut Thormann gab es die stärksten „Beats“ und damit die meisten positiven Gewinnkorrekturen im Energiesektor zu beobachten, die schwächsten im Kommunikationssektor, was bei Letzterem vor allem auf einen Rückgang beim Anzeigengeschäft zurückzuführen sei. “Das Finanzwesen ist der Sektor mit dem stärksten Gewinnrückgang innerhalb eines Jahres, wofür gestiegene Rückstellungen die Hauptursache sind”, so Thormann.

Weiter heißt es, dass etwa 80 Prozent der Unternehmen die Konsensprognose für den Gewinn je Aktie geschlagen und 66 Prozent die Umsatzerwartungen übertroffen hätten. “Die Beat Rates mögen niedriger ausfallen als in den vergangenen zwei Jahren, dennoch sind sie im längeren historischen Vergleich immer noch stark”, sagt Thormann.

Belastungsfaktor Inflation

Eine besonders positive Überraschung hat Thormann dann doch ausgemacht. Trotz all der Negativschlagzeilen rund um die turbulenten Marktbedingungen seien die Wachstumsraten bei Umsatz (+14 Prozent) und Gewinn (+9 Prozent) im zweiten Quartal im Vorjahresvergleich in etwa vergleichbar mit dem ersten Quartal.

Ein Faktor bereitet dem Fondsmanager für das verbleibende Jahr sowie für 2023 jedoch Sorgen, die Inflation: “Q2 war das erste Quartal, in dem wir eine Verschlechterung der Gewinnmargen im Jahresvergleich feststellen konnten. Sollte der Inflationsdruck hoch bleiben, wird sich das wahrscheinlich auf die gesamte Gewinn- und Verlustrechnung auswirken. Wenn dazu noch eine Nachfrageschwäche kommt, könnten die Gewinnmargen stärker zurückgehen.”

Chancen ergreifen

Was also tun? “Als Stockpicker sehen wir das aktuelle Umfeld als Chance, um Alpha zu generieren”, meint der Fondsmanager. Bei der Aktienauswahl fokussiert er sich auf drei Merkmale von Unternehmen: Preissetzungsmacht, weiterhin positive Ertragsaussichten sowie die Fähigkeit, die Markterwartungen kontinuierlich zu übertreffen.

Als Beispiel nennt er hier PepsiCo (WKN: 851995 / ISIN: US7134481081). Die Quartalsergebnisse seien beim Getränkehersteller “exzellent” ausgefallen. Bei einem weltweiten Preisanstieg um 12 Prozent habe es auch Volumenwachstum gegeben. “Das spricht dafür, dass die Verbraucher das Produkt als so einzigartig betrachten, dass höhere Preise durchgesetzt werden können”, so Thormann.

mE-FAZIT

Noch immer haben Marktteilnehmer mit allerhand Belastungsfaktoren zu kämpfen. Allerdings wird anhand der US-Berichtssaison deutlich, dass viele Unternehmen damit besser als erwartet zurechtkommen, während auch in diesem Umfeld Chancen sichtbar werden.

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