Harmoniesucht und Selbstbetrug an der Börse

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Menschen streben von Natur aus nach Harmonie. Während dieser Drang im Alltag dabei hilft, ein friedliches Miteinander und inneren Seelenfrieden zu erreichen, kann das Harmoniestreben an der Börse dazu führen, dass sich Anleger selbst täuschen. Ungünstige Handelsentscheidungen und damit verbundene Kapitalverluste sind dann die logische Folge. Doch dazu muss es nicht kommen, denn mit diesen Strategien lassen sich die bekanntesten Psycho-Fallen umgehen.

In der verhaltensorientierten Finanzwissenschaft („Behavioral Finance“) steht der Mensch im Fokus der Betrachtung. Gerade Emotionen und die menschliche Sehnsucht nach Zufriedenheit, Sicherheit und Kontrolle stehen dem Börsen-Erfolg nämlich oft im Wege. Denn genau das, was den Menschen in anderen Lebensbereichen unterstützen kann, führt an den Finanzmärkten oftmals zu einer verfälschten Wahrnehmung der Realität. So kann beispielsweise die Befriedigung des Harmonie-Bedürfnisses zur Beruhigung des Gemüts beitragen, sich aber auf der anderen Seite in kostspieligen Fehlentscheidungen niederschlagen.

„Leib und Seele in Harmonie find’st im Grab du, vorher nie.“ (Conrad Ferdinand Meyer, Schweizer Novellist, Dichter und Epiker)

Menschen streben von Natur aus nach Harmonie

Die Schwächen in der Wahrnehmung, Informationsverarbeitung und in der Entscheidungsfindung haben einen psychologischen Ursprung. Denn die Menschen bedienen sich unterschiedlicher Methoden, um die Komplexität der Realität zu verringern, damit auch in kurzer Zeit ein Urteil gefällt und eine Entscheidung getroffen werden kann.

Die Schwierigkeit liegt dabei darin, teils konträre Wahrnehmungen, Meinungen, Überzeugungen und Fakten schlussendlich auf einen Nenner zu bringen. Das stellt die Menschen vor eine große Herausforderung und führt oft zu einem Gefühl der Unzufriedenheit oder sogar zu seelischen Schmerzen. Grund hierfür ist, dass die Menschen von Natur aus nach Harmonie streben. Konsonanz (Zusammenklang) wird gesucht, Dissonanz (Uneinigkeit) soll vermieden werden, um den eigenen Seelenfrieden sicherzustellen.

Das innere Zerwürfnis

Die Menschen sind bei sehr vielen Entscheidungen in einem inneren Zerwürfnis, so auch im ganz normalen Alltag. Ein Mann hat beispielsweise modische Sportschuhe beim Shoppen im Einkaufscenter ergattert. Einerseits freut er sich zum Beispiel darüber, einen günstigen Preis erwischt zu haben, und die Schuhe noch am gleichen Abend beim Treffen mit Freunden einzuweihen und so ein paar bewundernde Blicke auf sich zu ziehen.

Auf der anderen Seite baut sich bei diesem Mann aber auch Dissonanz auf, da die Schuhe trotz Preisnachlass den eigenen Budgetrahmen überstrapaziert haben und es schon das vierte Paar Schuhe dieser Art ist, das in den vergangenen zwei Jahren erworben wurde. Außerdem wäre es vielleicht wesentlich sinnvoller gewesen, mit dem Geld feine Business-Schuhe für die Büroarbeit zu kaufen, da die alten mittlerweile schon etwas aus der Form geraten sind.

Nach dem Kauf der Sportschuhe kommt in dem Mann zunehmend eine sogenannte kognitive Dissonanz auf, also unangenehme Gefühls- und Spannungszustände. Diese Störzustände tauchen immer dann auf, wenn Menschen mehrere Kognitionen haben, wie Absichten, Einstellungen, Gedanken, Motivationen und Wahrnehmungen, die sich einfach nicht unter einen Hut bringen lassen.

„Harmonie ist inneres Gleichgewicht und immer nur eine Momentaufnahme. Irgendetwas oder irgendjemand stört sie unweigerlich. Daher muss sie ständig neu gefunden werden.“ (Peter Stabel, Manager und Denker)

Taktiken im Kampf gegen die innere Zerrissenheit

Menschen sind deshalb bestrebt, kognitive Dissonanz zu verhindern oder suchen nach Taktiken, um diese inneren Spannungen wenigstens einzudämmen. Eine Strategie besteht dabei beispielsweise darin, sich nur auf Informationen zu fokussieren, welche die gefällten Entscheidungen in ein positives Licht rücken. Informationen, die im Widerspruch zu den getroffenen Entscheidungen stehen, werden dagegen ignoriert oder abgewertet. Das menschliche Gehirn liefert uns deshalb pausenlos die vermeintlich richtigen Motive für unser Handeln.

Auf diese Weise kann die Harmonie und das Gleichgewicht zwischen den verschiedenen Kognitionen zurückgewonnen werden. Das Streben nach dem „Friede, Freude, Eierkuchen“-Gefühl leitet die Menschen dazu, unbewusst Tricks und Faustregeln („Heuristiken“) anzuwenden, um Harmonie und Glückseligkeit zu erreichen. Dementsprechend gibt es eine innere Bereitschaft, uns selbst in die Irre zu leiten. Das Streben nach Harmonie macht uns nämlich blind für die relevanten Informationen und die tatsächlichen Realitäten.

„Sobald man davon ausgeht, dass die Menschen eben nicht komplett rational handeln, wird man auch nicht mehr annehmen, dass die Leute die besten Entscheidungen treffen.“ (Daniel Kahneman, Wirtschaftsnobelpreisträger)

Die wichtigsten Psycho-Fallen

Diese Denk- und Verhaltensmuster haben immer wieder, auch für Anleger, negative Auswirkungen. Diejenigen, die sich dieser Prozesse aber bewusstwerden, können die Fehleranfälligkeit verringern und die Auswirkungen von Handelsfehlentscheidungen abschwächen. Das bedeutet einen extremen Vorteil gegenüber den Marktteilnehmern, die ein ums andere Mal in die gleichen Psycho-Fallen tappen. Es dürfte sich deshalb lohnen, die wichtigsten psychologischen Phänomene der kognitiven Dissonanz näher unter die Lupe zu nehmen.

Das Geheimnis der versunkenen Kosten

Der sogenannte „Sunk-Cost-Effekt“ gibt die Erklärung dafür, warum die Menschen Engagements tendenziell lieber weiterführen als stoppen, in die bereits Zeit, Geld und mentale Energie investiert worden sind.

Damit sind oft auch weitere Nachinvestitionen verbunden, die sich im Nachhinein oft als Fehler entpuppen. Ein Schüler beispielsweise, der vor einem Jahr bereits eine Reparatur an seinem alten Notebook hat vornehmen lassen, würde vermutlich beim nächsten Defekt wieder die Computer-Werkstatt seines Vertrauens aufsuchen, um sein geliebtes Arbeitsgerät weiter nutzen zu können.

Die mögliche Alternative, die darin besteht, sich ein neues Notebook zu beschaffen, wird dagegen ausgeklammert. Denn sonst wäre die jüngste Notebook-Reparatur ja eine Fehlinvestition gewesen.

Warum Kriege oft zu lange fortgeführt werden

Verhaltensforscher und Psychologen ziehen beispielsweise den Sunk-Cost-Effekt auch bei Kriegen gerne heran, um zu erklären, warum diese oft viel länger fortgeführt werden, als es eigentlich ratsam wäre und als es ursprünglich geplant war. Auch hier liegt ein Erklärungsansatz in den versunkenen Kosten. Ein Beispiel könnte dafür der Vietnamkrieg geben, der sich über einen vergleichsweisen sehr langen Zeitraum von 20 Jahren (1955 bis 1975) erstreckte.

Obwohl sich der Krieg immer weiter in die Länge zog und sich aus Sicht der Amerikaner alles andere als erfolgreich entwickelte, dauerte es sehr lange, bis sich die USA die Niederlage, auch wegen der zunehmenden Proteste der amerikanischen Zivilbevölkerung, mehr oder weniger eingestanden und ihre Truppen aus Vietnam abzogen. Auch hier dürfte der Grund in den bereits sehr hohen getätigten Investitionen in Form von Geld, Soldatenleben und Emotionen liegen.

Außerdem ist das Eingestehen einer Kriegsniederlage natürlich auch mit einem internationalen Gesichtsverlust verbunden, der überhaupt nicht zum sonst so erfolgreichen Image der USA passen will. Im Nachhinein betrachtet, bewerten es viele als großen Fehler, dass Amerika den Krieg solange fortgesetzt hat oder auch grundsätzlich, dass die USA sich in diesem Krieg fernab der eigenen Heimat engagiert haben.

An Verlierer-Aktien wird zu lange festgehalten

Der Erklärungsansatz der versunkenen Kosten ist auch auf den Börsenhandel übertragbar. Dass sich nicht jede Investitionsentscheidung als Glücksgriff erweiset, liegt bekanntlich in der Natur der Sache. Schließlich verfügen die Menschen nicht über hellseherische Fähigkeiten. Das heißt, es kommt immer wieder vor, dass Anleger Aktien kaufen, die sich im Anschluss unvorteilhaft entwickeln.

Das große Problem ist, dass an diesen Verliereraktien häufig viel zu lange festgehalten wird und sich die Verluste dabei immer weiter auftürmen. Im Falle zunehmender Kursverluste wird dann nicht verkauft, sondern oftmals sogar noch nachgekauft. In der Hoffnung bald wieder steigender Kurse soll so der durchschnittliche Einstandskurs vergünstigt werden, um das Investment im Nachhinein doch noch in einen Erfolg zu verwandeln.

Verluste werden höher bewertet als Gewinne

Dieser typische Anlegerfehler rührt auch daher, dass Anleger in der Regel Verluste sehr viel höher bewerten als Gewinne. So schmerzt uns ein Verlust von beispielsweise 2.000 Euro deutlich mehr als dass wir uns über einen Gewinn von 2.000 Euro freuen könnten. Der Grund dafür ist, dass die bei einem Verkauf realisierten Verluste die eigene Fehlbewertung und Fehlentscheidung belegen würden.

Das würde kognitive Dissonanz, also einen emotionalen Spannungszustand, auslösen, der ja gerade vermieden werden soll. An Verliereraktien wird deshalb zu lange festgehalten, um die aus einem Verkauf resultierenden realen Verluste zu verhindern. Verhaltensökonomen sprechen in diesem Zusammenhang von der sogenannten „Verlustaversion“, also der Tendenz, Verluste durch das Aussitzen vermeiden zu wollen. Dabei gilt, je höher das eingegangene Engagement ausfällt, desto stärker ist auch die Verlustaversion ausgeprägt.

Grafik: Warum Verluste begrenzt werden sollten
Kursverlust Notweniger Gewinn zum Ausgleich
10% 11%
20% 25%
50% 100%
75% 300%
90% 900%

Die Tabelle zeigt, warum es in der Regel nicht sinnvoll ist, Kursverluste an der Börse einfach auszusitzen. Eine Aktie, die zum Beispiel um zehn Prozent korrigiert, müsste im Anschluss wieder um elf Prozent steigen, um wieder das ehemalige Kursniveau zu erreichen.

Das wäre noch gut machbar. Bei einem Minus von 50 Prozent wäre dazu allerdings schon eine Kursverdoppelung nötig. Und bei einem Kursverlust von 90 Prozent müsste sich die Aktie anschließend im Kurs verzehnfachen (+900 Prozent), was nur in den seltensten Fällen auch eintreten wird. Deshalb ist es besser, Verlierer-Aktien frühzeitig zu verkaufen, um das Verlustrisiko kleinzuhalten.

Menschen wollen keine Fehlentscheidungen bedauern

Die Verlustaversion wird durch die „Regret Avoidance“ noch verstärkt. Darunter wird verstanden, dass die Menschen generell keine Fehlentscheidungen bedauern wollen. Statt also Aktienverluste durch den frühen Verkauf zu begrenzen, gibt es eine Tendenz zur Unterlassung.

Verursachen Verluste also sowieso schon eine innere Disharmonie, so treibt uns die Regret Avoidance dazu, untätig zu bleiben, da die vermeintliche Gefahr besteht, auf dem Aktien-Tiefstkurs-Niveau auszusteigen. Denn dann würde der Anleger schließlich als doppelter Idiot dastehen, der sowohl beim gewählten Einstiegs- als auch beim Ausstiegszeitpunkt daneben lag.

„Die Börse reagiert gerade mal zu zehn Prozent auf Fakten. Alles andere ist Psychologie.“ (André Kostolany)

Der verquere Blick zurück

Um innere Störzustände zu verhindern, also die emotionale Harmonie zu wahren, begehen viele Anleger auch den „Rückschaufehler“ / „Hindsight Bias“. Das bedeutet, Menschen tendieren dazu, dass nach dem Eintreten eines Ereignisses geglaubt oder behauptet wird, das Ergebnis so auch erwartet zu haben. Und das, obwohl das eigene, vorangegangene Verhalten mit Bezug zum Ergebnis neutral oder sogar konträr war. Für den eigenen Gemütszustand ist das sehr vorteilhaft, schließlich werden mit der verqueren Rückschau die eigenen Prognosefähigkeiten belegt.

Dieses Phänomen lässt sich damit erklären, dass im Vorfeld des eigenen Handelns, zum Beispiel des Aktienkaufs, mehrere mögliche Szenarien und unterschiedliche potenzielle Ergebnisse durchdacht werden. Gibt es am Ende ein Ergebnis, erinnern sich die Menschen an ihr damaliges Gedankenspiel zurück. Und genau hier liegt die Krux der eigenen Rückschau: Wenn sich Anleger nachträglich falsch an ihre Prognosen erinnern und sich einbilden, das eingetretene Ergebnis ja eigentlich richtig erahnt zu haben, wird auch nichts aus den eigenen Fehlern gelernt.

Rückschaufehler: Beispiel Immobilienkrise

Viele Amerikaner haben sich beispielsweise vom Immobilien-Hype Anfang der 2000er-Jahre mitreißen lassen. In Erwartung weiterhin niedriger Kreditzinsen und steigender Immobilienpreise erwarben viele Amerikaner oft gleich mehrere Häuser. Doch 2007, als die Zinsen für Finanzkredite in den USA sprunghaft anstiegen, nahm die Immobilien- und Weltfinanzkrise ihren Lauf. Da viele Amerikaner ihre Kredite nicht mehr bedienen konnten und ihre Häuser wieder verkaufen mussten, brachen die Immobilienpreise ins Bodenlose ein.

Übrig blieben oft nur Schulden, viele wurden sogar obdachlos. Dennoch bildeten sich viele Menschen ein, das Platzen der Immobilienblase eigentlich vorausgesehen zu haben, obwohl sie ja ganz konträr zu dieser Prognose gehandelt haben. Auch in anderen Finanzkrisen wie zum Beispiel der geplatzten Dotcom-Blase, in der die Kurse vieler Technologie- und Internet-Aktien ab dem Jahr 2000 abstürzten und Anlegern schwere Verluste bescherten, trat der Rückschaufehler auf. Alle hatten das Platzen der Spekulationsblase angeblich kommen sehen.

Bildquelle: Pressefoto Deutsche Börse AG

Merkwürdigerweise wurde aber nicht nach der eigenen Prognose gehandelt. Vielmehr ließ sich die Mehrheit der Anleger vom Herdentrieb anstecken, was sich schlussendlich in dramatischen finanziellen Verlusten niederschlug. Der Rückschaufehler führt zur Selbstüberschätzung und einer gefährlichen Illusion der Kontrolle. Bekanntlich sind Menschen dazu verdammt, Fehler zu wiederholen, wenn diese in der Vergangenheit nicht erkannt wurden und es dementsprechend keinen Lernprozess gab.

Psycho-Falle: Selektive Wahrnehmung

Wenn es um das Streben nach innerer Harmonie und dem daraus oft resultierenden Selbstbetrug geht, spielt auch der sogenannte „Besitztumseffekt“ eine wichtige Rolle. Anleger bewerten Aktien tendenziell besser, die im eigenen Depot enthalten sind, also solche, die nicht selbst besessen werden.

Der Grund hierfür ist, dass zu den eigenen Aktien im Laufe der Zeit eine emotionale Verbundenheit aufgebaut wird. Das führt zu einer selektiven Wahrnehmung. Positive Medien- oder Analysten-Berichte zur eigenen Aktie und dem zugehörigen Unternehmen werden aufgenommen und erfüllen die Anleger oft mit Stolz. Schließlich wird die eigene Einschätzung damit bestätigt.

Negative Meldungen werden dagegen eher ignoriert, weil diese Unsicherheit und Sorgen aufkommen lassen würden. Dementsprechend wird eigenen Aktien ein höherer Wert zugemessen als Aktien, die nicht im eigenen Depot sind, und deshalb neutraler oder sogar kritisch bewertet werden.

So halten Anleger ihre Emotionen im Zaum

Um an der Börse langfristig erfolgreich zu handeln, ist es unabdingbar, eigene Fehler frühzeitig zu erkennen und diese zu korrigieren. Dementsprechend sollte an Verlierer-Aktien nicht zu lange festgehalten werden, denn die Verluste werden sonst immer größer und belasten immer stärker das Ergebnis des Gesamtdepots. Noch schlimmer wird die Sache dann, wenn Verlierer-Aktien zu vermeintlich günstigen Kursen sogar noch nachgekauft werden.

Das würde sprichwörtlich bedeuten, gutes Geld dem schlechten Geld (Aktien-Verlustpositionen) hinterherzuwerfen. Das Gegenteil sollte der Fall sein: Aktien, die enttäuschen, sollten schnell verkauft werden. Denn kleine Verluste sind nicht schlimm und lassen sich schnell wieder ausgleichen. Außerdem wird bei einem Verkauf wieder Geld frei, das dann für bessere Aktien-Alternativen bereitsteht. Das Problem ist nur, dass es unglaublich schwerfällt, sich die eigenen Fehlinvestitionen einzugestehen und die nötigen Schritte zu unternehmen.

Exit-Strategie planen

Anleger sind deshalb gut beraten, bereits vor dem Aktienkauf eine Ausstiegs-Strategie zu planen. Es sollte ein bestimmter Aktien-Tiefstkurs festgelegt werden, bei dem die Aktie später gegebenenfalls verkauft werden muss, um den Verlust zum Beispiel auf 15 oder 20 Prozent zu begrenzen. Vielen Anlegern fehlt leider die Disziplin, um solch eine Ausstiegs-Strategie später auch umzusetzen.

Deshalb kann es sich anbieten, beispielsweise im Wertpapierdepot eine sogenannte Stop-Loss-Order aufzugeben. Wird ein so festgelegter Kurs unterschritten, erfolgt der Verkauf dann ganz automatisch. Der eigene, aktive Verkauf, der vielen so schwerfällt, ist dann gar nicht mehr nötig. Das erspart auch Zeit und Nerven, die es kosten würde, wenn die eigenen Aktien-Positionen ständig überwacht werden müssten.

Börsen-Tagebuch zeigt eigene Prognose-Fähigkeiten

Bereits vor dem aktiven Handel an der Börse kann es sich vor allem für noch unerfahrene Anleger empfehlen, eine Art Börsen-Tagebuch zu führen. In diesem können Aktien eingetragen werden, die man für besonders aussichtsreich hält. Hier sollte genau skizziert werden, wann oder zu welchem Kurs die entsprechenden Aktien auf dem Papier gekauft werden und zu welchen Kursen ein Ausstieg erfolgen soll.

Mit einem Börsen-Tagebuch ist es also möglich, die eigenen Prognosen mit den späteren, tatsächlichen Kursentwicklungen abzugleichen. So lässt sich gut einschätzen, wie gut die eigenen Prognose-Fähigkeiten wirklich sind und inwieweit es noch Verbesserungspotenzial in der Handelsstrategie gibt. Dazu sind auch sogenannte Musterdepots empfehlenswert, die von vielen Börsen-Portalen und Banken kostenlos angeboten werden.

Hier können beliebig viele Aktien virtuell gehandelt werden. Da die aktuellen Kurse und Wertentwicklungen fortlaufend aktualisiert werden, ersparen sich Anleger im Vergleich zu einem selbst geführten Börsen-Tagebuch dabei auch viel Zeit.

Fazit

Das Streben nach innerer Harmonie verleitet viele Anleger zur Selbsttäuschung. So wird beispielsweise an Verlierer-Aktien oft viel zu lange festgehalten, um sich nur ja nicht eigene Fehlentscheidungen einzugestehen. Um nicht Opfer des eigenen Selbstbetrugs zu werden, empfiehlt es sich, das eigene Handeln immer wieder kritisch zu hinterfragen, aus Fehlern zu lernen und dementsprechend auch zu handeln. Hilfreich kann es dabei sein, bereits im Vorfeld mit dem Führen eines Trading-Tagebuchs oder eines Musterdepots die eigenen Prognosefähigkeiten auf den Prüfstand zu stellen. Beim tatsächlichen Handel sollte dann eine klar definierte Ausstiegsstrategie festgelegt und konsequent umgesetzt werden, um die Verlustrisiken zu begrenzen.

Bildquelle: markteinblicke.de