Jackson Hole unter dem Eindruck steigender Gaspreise

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Die europäischen Börsen werden derzeit von zwei Themen beherrscht: die unaufhaltsam steigenden Gaspreise und die damit verbundene Angst vor noch höheren Lebenshaltungskosten.

Gaskrise voraus?

Nach der überraschenden Ankündigung durch Gazprom – eine erneute wartungsbedingte Unterbrechung der Gaslieferungen nach Europa über die Pipeline Northstream I ab Ende dieses Monats durchzuführen – sind die Preise an der Energiebörse Amsterdam in die Höhe geschnellt. Und das, obwohl die Rohölkurse sowie die Notierungen vieler anderer Rohstoffe weltweit nachgaben.

Zudem warnte die Bundesbank in ihrem jüngsten Monatsbericht vor einem weiteren Anstieg der Inflationsraten auf bis zu 10 Prozent im Herbst und einer möglichen Rezession im Winterhalbjahr. Vor diesem Hintergrund ist zu erwarten, dass sowohl die Veröffentlichung des ifo-Geschäftsklimaindex sowie des GfK-Konsumklimaindex in dieser Woche eine erneut gesunkene Stimmung unter Unternehmen sowie Verbrauchern bestätigen wird.

Jackson Hole im Fokus

Ob vom jährlich stattfindenden internationalen Notenbank-Treffen in Jackson Hole im US-Bundesstaat Wyoming positive Impulse ausgehen können ist fraglich. Vonseiten der EZB wird Isabel Schnabel das Direktorium der Notenbank vertreten. Alles andere als ein Hinweis auf eine weitere große Leitzinsanhebung um mindestens 0,50 Prozentpunkte Anfang September wäre eine Überraschung.

Auch der Rutsch des Eurokurses im Vergleich zum US-Dollar unter die Parität von 1 EUR/USD untermauert die Notwendigkeit einer künftig restriktiveren EZB-Geldpolitik, denn eine schwache Währung erhöht den Inflationsdruck über steigende Kosten für Importgüter zusätzlich. Damit verbleibt nur die Hoffnung, dass der Präsident der Fed dem Euro und den internationalen Aktienmärkten im Rahmen seiner Ausführungen in Jackson Hole zur Seite springen wird.

Er müsste dafür die Erwartung einer weiter nachgebenden US-Inflationsrate und damit weniger stark als bisher erwartet steigender Leitzinsen in den USA schüren. Allerdings dürfte er dafür zunächst die Veröffentlichung der PCE-Preisdaten für Juli am Freitag abwarten, um eine Bestätigung für die zuletzt nachgebende Teuerung zu bekommen.

Ein Kommentar von Carsten Mumm

Er ist Chefvolkswirt bei der Privatbank Donner & Reuschel. Das Traditionshaus mit Sitz in Hamburg und München setzt auf qualifizierte und umfassende Beratung für vermögende Privatkunden, Unternehmer, Immobilienkunden und institutionelle Kunden.
www.donner-reuschel.de

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