Was die Aktienmärkte wirklich bewegt

Bildquelle: Pressefoto Deutsche Börse AG

Gerade in unruhigen Marktphasen, wie wir sie auch im laufenden Jahr erleben, sieht die Entwicklung an den Aktienmärkten zeitweise wie ein stetes Auf und Ab aus, bei dem kein klarer Trend erkennbar ist. So mancher Börsen-Neuling sieht sich dann darin bestätigt, dass der Börsenhandel mehr oder weniger einem Roulette-Spiel gleicht, in dem der Faktor Zufall über Erfolg und Misserfolg entscheidet.

Doch erfahrene Anleger wissen, dass mittel- und vor allem langfristig betrachtet eine enge Korrelation zwischen dem Aktienmarkt und der Wirtschaft herrscht. Dementsprechend ist es für Anleger empfehlenswert, sich über die grundlegenden wirtschaftlichen Rahmenbedingungen zu informieren und daraus die richtigen Schlüsse zu ziehen.

Der Hund und sein Herrchen

In diesem Zusammenhang hat Börsen-Lehrmeister André Kostolany zu seinen Lebzeiten immer wieder einen schönen Vergleich herangezogen. Er verglich das Verhältnis von Wirtschaft und Börse mit einem Mann, der mit seinem Hund Gassi geht. Der Mann verkörpert dabei die Wirtschaft und der Hund die Börse.

Sinngemäß erklärte Kostolany, dass der Hund manchmal im Gleichschritt mit dem Herrchen läuft, zeitweise eilt der Hund aber auch dem Herrchen voraus oder bleibt zurück. Früher oder später findet sich der Hund aber immer wieder bei seinem Herrchen ein.

Das bedeutet, dass die Börse und die Wirtschaft in einem engen Verhältnis zueinanderstehen, auch wenn dies auf den ersten Blick nicht immer offensichtlich ist. Die Kernaussage des Vergleichs lautet dementsprechend, dass schlussendlich die Aktienmärkte der wirtschaftlichen Entwicklung folgen.

Kostolany verglich das Verhältnis von Wirtschaft und Börse mit einem Mann, der mit seinem Hund Gassi geht. (Bildquelle: markteinblicke.de)

Mit der Wirtschaft und der Börse verhält es sich wie mit dem Mann und seinem Hund beim Spaziergang. Der Mann läuft langsam und gleichmäßig weiter. Der Hund läuft vor und zurück. Aber beide bewegen sich in die gleiche Richtung. Der Mann ist die Wirtschaft, der Hund die Börse. (André Kostolany)

Die heimlichen Mechanismen der Börse

Für Anleger ist es deshalb wichtig, sich mit den wirtschaftlichen Rahmenbedingungen vertraut zu machen und damit, wie diese auf die Börsenentwicklung einwirken können. Im Folgenden werden einige der wichtigsten wirtschaftlichen Indikatoren vorgestellt. Damit verbunden ist immer ein grobes Schema, das zeigen soll, wie sich die Entwicklungen der einzelnen Indikatoren auf die Aktienmärkte auswirken können.

Erfahrungsgemäß treten diese Wechselwirkungen nicht immer und nicht immer in gleich starkem Maße auf, die zugrunde liegenden Mechanismen haben sich aber langfristig immer wieder bestätigt. Ein erstes Beispiel hierfür ist die Verbindung zwischen dem Arbeits- und dem Aktienmarkt.

Ein sich positiv entwickelnder Arbeitsmarkt ist gut für den Aktienmarkt. (Bildquelle: Pixabay / andreas160578)

Je weniger Arbeitslosigkeit, desto besser!

Ein sich positiv entwickelnder Arbeitsmarkt ist gut für den Aktienmarkt. Denn eine sinkende Arbeitslosenquote signalisiert eine starke Entwicklung der Wirtschaft. Je mehr Menschen beschäftigt sind, desto mehr Geld steht auch zum Ausgeben zur Verfügung. Der Konsum in einer Volkswirtschaft steigt, was bei vielen Unternehmen für steigende Umsätze und Gewinne und letztendlich auch für steigende Aktienkurse sorgt.

Arbeitslosenquote sinkt = Aktien steigen

Die Unternehmen können in der Folge noch mehr Menschen einstellen, womit die Arbeitslosenquote weiter sinkt und sich die volkswirtschaftliche Situation zunehmend verbessert.

Umgekehrt bedeutet eine steigende Arbeitslosigkeit, dass sich die Wirtschaft abwärts entwickelt. Den Menschen steht weniger Geld zum Konsumieren zur Verfügung. Die Umsätze, Gewinne und Aktienkurse der Unternehmen sinken. Die Arbeitslosigkeit steigt dann noch weiter an.

Das Wirtschaftswachstum ist ein Kurstreiber

Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) gewährt Rückschlüsse auf den Gesundheitszustand einer Volkswirtschaft. Ein steigendes BIP bedeutet in der Regel mehr Beschäftigung, mehr Konsum und mehr Investitionen. Das führt zu wachsenden Gewinnen bei den Unternehmen und schlussendlich zu anziehenden Aktienkursen. Je größer und nachhaltiger das BIP-Wachstum also ausfällt, desto besser.

BIP steigt = Aktien steigen

Neben den Arbeitsmarktzahlen und der Entwicklung des Bruttoinlandsprodukts (BIP) ist es empfehlenswert, hierzulande auch den ifo-Geschäftsklimaindex im Blick zu haben. (Bildquelle: Pixabay / Julius_Silver)

Der ifo-Geschäftsklimaindex ist einer der wichtigsten Frühindikatoren

Neben den Arbeitsmarktzahlen und der Entwicklung des Bruttoinlandsprodukts (BIP) ist es empfehlenswert, hierzulande auch den ifo-Geschäftsklimaindex im Blick zu haben. Denn hierbei handelt es sich um den wichtigsten Frühindikator für die wirtschaftliche Entwicklung in Deutschland. Zu Berechnung des Index befragt das Münchener ifo-Institut monatlich etwa 7.000 Unternehmen aus ganz Deutschland.

Diese Gesellschaften sollen ihre aktuelle wirtschaftliche Situation und ihre Zukunftsaussichten bewerten. Aus den Umfrageergebnissen ermittelt das ifo-Institut Werte für die aktuelle Lage und die Erwartungshaltung. Vereinfacht ausgedrückt werden Lage und Erwartung als Mittelwert im Geschäftsklima zusammengefasst.

Isoliert betrachtet bildet der ifo-Index nur eine Momentaufnahme ab. Schaut man sich aber die zeitliche Entwicklung an, lassen sich aus dem Barometer wertvolle Informationen zur Verfassung und Stimmung in der deutschen Wirtschaft ziehen. Eine nachhaltige Verbesserung des ifo-Index und seiner Komponenten ist ein gutes Indiz dafür, dass die Stimmung bei den deutschen Unternehmen immer besser wird. Am deutschen Aktienmarkt können dann steigende Kurse die Folge sein.

Ifo-Index steigt = Aktien steigen

Steigende Ölpreise bedeuten steigende Kosten für die Industrie. (Bildquelle: markteinblicke.de)

Die Entwicklung beim Ölpreis bestimmt die Börsenlage mit

Steigende Ölpreise bedeuten steigende Kosten für die Industrie. Dementsprechend machen die Unternehmen weniger Gewinn und haben weniger Kapital für Investitionen zur Verfügung. Teilweise werden die höheren Rohstoffkosten auch über Preiserhöhungen an die Verbraucher weitergereicht. Die Menschen halten sich deshalb, und auch wegen der höheren Benzinkosten, mit Neuanschaffungen zurück, es kann zudem eine Art Hamstermentalität aufkommen.

Der Konsum sinkt dementsprechend, und es werden mehr Rücklagen gebildet. Der Einzelhandel, die Industrie und damit auch die gesamte Volkswirtschaft werden belastet. Die Aktienkurse der Unternehmen fallen tendenziell. Außerdem können steigende Rohstoffkosten zu einer hohen Inflation führen, was gegenwärtig auch der Fall ist. Die Notenbanken versuchen mit höheren Leitzinsen gegenzusteuern.

Das führt wiederum auch zu höheren Kreditzinsen, welche die Konjunktur ausbremsen können. Außerdem schlagen die höheren Leitzinsen auch auf die Anleihenmärkte durch. Höhere Zinsen bei Anleihen sind nachteilig für die Aktienmärkte, denn es wird dann immer mehr Kapital von den Aktien- in die Rentenmärkte umgeschichtet.

Ölpreis steigt = Aktien fallen
Zinsen steigen = Aktien fallen

Der Devisenmarkt und die Wirtschaft

Die Entwicklung an den Devisenmärkten hat entscheidenden Einfluss auf die Aktienmärkte. Ein starker Euro (gegen den US-Dollar) bspw. kann die Geschäfte bei europäischen Exportunternehmen belasten, was hier dann wiederum zu fallenden Aktienkursen führen kann. (Bildquelle: Pixabay / NikolayFrolochkin)

Die Veränderung des Währungskurses kann auch Einfluss auf die Aktienkursentwicklungen einzelner Unternehmen haben, was sich beispielsweise immer wieder bei den deutschen Automobilherstellern sehr stark zeigt. Steigt der Euro im Vergleich zum US-Dollar kräftig an, werden deutsche Autos in den Vereinigten Staaten immer teurer.

Das kann dazu führen, dass die deutschen Autobauer in den USA weniger Fahrzeuge absetzen und weniger Umsatz und Gewinn erzielen. Ein steigender Euro-Kurs kann dementsprechend auch zu fallenden Aktienkursen bei Autokonzernen führen, die einen großen US-Anteil an ihren Gesamterlösen haben. Ganz allgemein gilt, dass ein starker Euro die deutsche Exportindustrie belastet.

Das Wirtschaftswachstum und die Folgen für die Währung

Wenn beispielsweise die US-Wirtschaft und damit entsprechend das Bruttoinlandsprodukt (BIP) kräftig wächst, dürfte das auch tendenziell für einen steigenden US-Dollar sorgen. Denn ausländische Investoren erwarten dann steigende Unternehmensgewinne und investieren verstärkt in US-Aktien.

Außerdem gibt es die Fantasie, dass die US-Notenbank Fed die Leitzinsen tendenziell eher anheben wird, was auch zu steigenden Anleihenzinsen führen kann. Die Nachfrage nach dem Dollar steigt, da zunehmend Kapital aus dem Ausland in den amerikanischen Aktien- und Anleihenmarkt transferiert wird.

BIP steigt = Währung steigt

mE-Fazit

Mittel- und langfristig betrachtet besteht eine enge Verbindung zwischen der volkswirtschaftlichen Entwicklung eines Landes und dem entsprechenden Aktienmarkt. Eine dauerhaft sinkende Arbeitslosigkeit und ein deutliches Wirtschaftswachstum treiben beispielsweise die Aktienkurse an.

Hohe Rohölpreise und Zinsen können dagegen die Konjunktur bremsen und sich damit auch negativ auf die Aktienmärkte auswirken. Das gilt ebenso für eine vergleichsweise starke Währung, da diese die Exportindustrie belastet.

Anleger sollten die wichtigsten ökonomischen Einflussfaktoren und ihre Wechselwirkungen untereinander im Auge behalten, um daraus Rückschlüsse auf die mögliche weitere Entwicklung an den Aktienmärkten zu ziehen.

flo / Bildquellen: marktEINBLICKE, Deutsche Börse AG, Pixabay