Eine Liebeserklärung an die Aktienmärkte

Bildquelle: marktEINBLICKE

Wenn es um den Börsenhandel geht, gibt es einige Mythen, die in die Irre führen. Dazu gehört beispielsweise der Glaube, dass die Aktienanlage ein Glücksspiel ist oder, dass hier langfristig nur wenige gewinnen (Profis und die Banken) und die Mehrheit verliert. Doch die Realität ist eine ganz andere, wie die Börsen-Historie beweist. Warum die Aktien-Gewinnchancen in Wirklichkeit klar überwiegen und welche einzigartigen Eigenschaften Aktien sogar alternativlos machen …

In Folge der zahlreichen konjunkturellen Verwerfungen der vergangenen Jahrzehnte, wie unter anderem der Immobilien- und Finanzkrise 2007/2008, der Euro-Krise (ab 2010) und zuletzt der Corona-Krise haben die Notenbanken über viele Jahre hinweg eine extrem expansive Geldpolitik betrieben. Milliardenschwere Anleihekaufprogramme wurden dabei aufgelegt.

Langfristanleger haben das Glück auf ihrer Seite, wie die Kurshistorien von DAX, Dow Jones & Co. belegen. (Bild: Pixabay / stux)

In Verbindung mit immer neuen Konjunkturpaketen der Regierungen und dementsprechend steigenden Staatsschulden führte das zu einem gewaltigen Anstieg der globalen Geldmengen. Das führte dazu, dass Geld immer weniger wert wurde, was sich auch in steigenden Inflationsraten niederschlug. Die Folgen des Ukraine-Kriegs (vor allem hohe Energie- und Rohstoffkosten) hatten die Teuerung im Jahr 2022 sogar regelrecht befeuert. Inflationsraten von über neun Prozent waren lange Zeit unvorstellbar gewesen, waren nun aber in vielen Ländern bittere Realität.

„Anleger überschätzen die kurzfristigen Risiken und unterschätzen die langfristigen Renditen der Aktienmärkte.“ (Thomas Müller, boerse.de Group AG)

Fehleinschätzung der Risiken und Chancen

Angesichts des vor allem in Europa nach wie vor niedrigen Zinsniveaus erleiden viele Anleger dementsprechend massive Vermögensverluste. Obwohl Zinsprodukte wie Tagesgeld, Staatsanleihen oder Lebensversicherungen nach Abzug der Inflation negative Renditen (Verluste) verzeichnen, ist der Anteil der Aktionäre an der Gesamtbevölkerung gerade auch hierzulande immer noch gering. Grund hierfür ist bei vielen ein renditetechnisch gefährlicher Irrglaube. Viele Menschen sehen in der Aktienanlage ein Glücksspiel, bei dem nur professionelle Investoren und Trader Aussicht auf Erfolg haben. Dabei werden vor allem immer wieder die Risiken von Aktien-Investments über- und die Gewinnchancen unterschätzt.

„Breit gestreut – nie bereut!“ (Beate Sander)

Zeitraum schlägt Zeitpunkt

Doch die Wirklichkeit ist eine andere, denn vor allem, wenn es um langfristige, breit gestreute Aktienanlagen geht, fallen die Risiken gar nicht so hoch aus wie gedacht. Das beweisen beispielsweise auch die Auswertungen des Deutschen Aktieninstituts (DAI) zur langfristigen Entwicklung des deutschen Aktienleitindexes. So war laut den DAI-Berechnungen eine DAX-Anlage in der Historie spätestens nach 13 Jahren gewinnbringend, und das unabhängig davon, zu welchem, auch noch so ungünstigen Zeitpunkt, ein Anleger hier ein- und wieder ausgestiegen wäre.

Die Auswertung macht vor allem eines deutlich: Die Gefahr, mit breit gestreuten Aktien-Investments Verluste zu erleiden, fällt umso geringer aus, je länger der Anlagehorizont ist. Dementsprechend besteht für Langfristanleger kein Grund zur Panik, wenn die Börsen zwischenzeitlich einmal einbrechen, wie wir es beispielsweise im Jahr 2022 erlebt haben.

„Grundsätzlich gilt: Aktienanlage ist ein Marathon, kein Sprint. Je länger der Anlagezeitraum, desto größer die Chance auf attraktive Renditen. Die Botschaft unserer Rendite-Dreiecke lautet deshalb: Durchhaltevermögen und Streuen sind für alle eine erfolgreiche Strategie an der Börse“. (Dr. Christine Bortenlänger, Geschäftsführende Vorständin des Deutschen Aktieninstituts DAI)

DAX-Chart: Börse Stuttgart

Historische DAX-Rendite

Langfristanleger gehören also an den Aktienmärkten zu den klaren Gewinnern. Doch welche Gewinnperspektiven eröffnen sich konkret? Auch zur Beantwortung dieser Frage bietet sich ein Blick auf die historische Kursentwicklung des DAX an. Der Aktienindex wurde per Ende 1987 auf 1.000 Punkte (Indexbasis) taxiert. Mit Kursen von Ende 2022 zeitweise rund 13.000 Punkten legte der DAX seitdem um durchschnittlich rund acht Prozent pro Jahr zu – und das trotz aller zwischenzeitlichen Börsen-Crashs und Krisen. Und mit dieser starken Entwicklung steht der deutsche Leitindex nicht alleine da. Denn auch bei vielen anderen führenden Indizes wie beispielsweise dem Dow Jones oder dem S&P 500 errechnen sich langfristig, unter Berücksichtigung der gezahlten Unternehmens-Dividenden, Aktienrenditen in ähnlicher Größenordnung.

„Wer die Aktien nicht hat, wenn sie fallen, der hat sie auch nicht, wenn sie steigen.“ (André Kostolany)

Vermögensaufbau auch für den „kleinen Mann“

In Bezug auf die Aktienanlage gibt es leider immer noch viele Irrtümer, die sich hartnäckig halten. So glauben viele Menschen, dass für den Einstieg an der Börse ein größerer Kapitaleinsatz notwendig ist und der Aktienhandel deshalb nur etwas für die „oberen Zehntausend“ der Bevölkerung ist. Doch weit gefehlt: An den Aktienmärkten ist es in Wirklichkeit möglich, selbst mit kleinen Einsätzen langfristig ein beachtliches Vermögen aufzubauen.

Für Anleger mit begrenzten finanziellen Mitteln, denen es schwerfällt, sich selbst ein Depot mit vielen einzelnen Aktienpositionen aufzubauen, sind zum Beispiel die sehr kostengünstigen und transparenten Aktienindex-ETFs (Exchange Traded Funds) eine gute Wahl. Mit dem Kauf von Anteilen an einem DAX-ETF ist es zum Beispiel möglich, selbst mit kleinen Kapitaleinsätzen von der langfristigen Entwicklung des DAX zu profitieren und das Risiko auf die Aktien eines ganzen Bündels großer deutscher Konzerne zu streuen.

Hierzu ein einfaches Sparplan-Beispiel: Ein Anleger investiert in einen DAX-ETF (Annahme: Verwaltungskosten 0,1 Prozent jährlich) jeden Monat 100 Euro und das über einen Zeitraum von 30 Jahren. Unter der Annahme eines durchschnittlichen DAX-Kursgewinns von acht Prozent pro Jahr würde sich nach 30 Jahren ein Vermögen von rund 139.000 Euro bilden. Das ist ein starkes Ergebnis, wenn man bedenkt, dass der Kapitaleinsatz im gesamten Zeitraum nur bei 36.000 Euro lag (100 Euro X 12 X 30). An dieser Beispielrechnung zeigt sich, dass mit geringen monatlichen Beiträgen an der Börse langfristig ein beachtliches Vermögen entstehen kann.

Warum Aktien alternativlos sind

Wie zahlreiche Auswertungen belegen, eröffnen die Aktienmärkte im Vergleich zu allen anderen Asset-Klassen (Anleihen, Geld, Gold, Immobilien, Lebensversicherungen etc.) die mit Abstand historisch höchsten Renditen. Der Grund dafür liegt in einer besonderen Eigenheit, die Aktien von anderen Vermögenswerten grundsätzlich unterscheidet: Aktien sind Anteile an Unternehmen, und Unternehmen schaffen letztendlich den Wohlstand in einer Volkswirtschaft. Und an dieser kontinuierlichen Wohlstandmehrung können Anleger mit Aktien partizipieren.

Langfristig betrachtet fiel das Kräfteverhältnis an den Aktienmärkten klar zugunsten des Börsen-Bullen aus, der für steigende Kurse steht. Das belegt beispielsweise auch die Entwicklung des deutschen Aktienleitindexes. Für den DAX ging es in seiner Historie im Schnitt um acht Prozent jährlich nach oben. (Bildquelle: unsplash / Christian Waske)

Unternehmer lassen sich nicht von ihrem Kurs abbringen

Das gilt auch für die Zukunft, denn: Ebenso, wie sich der technologische Fortschritt nicht aufhalten lässt, so werden sich auch tüchtige Unternehmer mit Hilfe ihrer Mitarbeiter niemals davon abbringen lassen, nach neuen Innovationen, Wachstum und immer höheren Gewinnen zu streben. Das erklärt auch, warum die breiten Aktienmärkte in der Vergangenheit alle Crashs, Wirtschaftskrisen und sogar zwei Weltkriege überstanden haben und aus diesen sogar immer wieder gestärkt hervorgingen.

Mit Aktien werden Anleger zu Unternehmensmiteigentümern und investieren in Produktivvermögen, wie unter anderem in Maschinen, Marken, Patente und Know-how sowie in die Leistung fähiger Manager, Entwickler und Mitarbeiter. Das macht Aktien, die dementsprechend ein dynamisches Eigenleben innehaben, so besonders. Denn bei allen anderen Asset-Klassen, wie Edelmetalle, Anleihen oder Immobilien, handelt es sich nicht um Produktivvermögen. Diese schaffen nämlich keine Wertschöpfung.

Eingebauter Inflationsschutz

Viele Aktien zeichnen sich außerdem durch eine Art eingebauten Inflationsschutz aus. So sind erfolgreiche Unternehmen mit marktbeherrschenden Stellungen und starken Marken in der Lage, in Zeiten hoher Inflation höhere Kosten mittels Preiserhöhungen an ihre Kunden weiterzureichen. Das kurbelt die Umsätze dementsprechend zusätzlich an und sorgt für Gewinnstabilität.

Die zeitweise extrem hohe Inflation macht sich auch beim wöchentlichen Einkauf im Supermarkt bemerkbar, der immer kostspieliger wird. Auf der anderen Seite können Lebensmittelgiganten wie beispielsweise Nestlé von der Teuerung sogar profitieren. Denn höhere Rohstoffkosten werden hier über Preiserhöhungen an die Kunden weitergereicht, was die Umsätze zusätzlich ankurbelt. Die Aktien von Konzernen mit marktbeherrschender Stellung und Preissetzungsmacht sind deshalb für Anleger in Zeiten hoher Inflation eine gute Wahl. (Bildquelle: Pixabay / ccipeggy)

Weitgehende Chancengleichheit beim Börsenhandel

Ein weit verbreiteter Börsen-Irrglaube ist, dass der Aktienhandel ein unfaires Spiel ist. Viele Menschen sind davon überzeugt, dass nur professionelle Investoren wie Fondsmanager, Banken und erfahrene Trader gewinnen, während die finanzschwachen Kleinanleger tendenziell leer ausgehen beziehungsweise ihre Kapitaleinsätze an die Profis abgeben. Getreu der Devise: „Ihr Geld ist nicht weg, mein Freund, es hat nur ein anderer.“ (Amschel Mayer Rothschild)

Doch dem ist zum Glück nicht so. Wie bereits das Rechenbeispiel zum ETF-Sparplan gezeigt hat, lässt sich auch mit kleinen Kapitaleinsätzen langfristig ein großes Vermögen aufbauen. Der Börse ist es auch ganz gleich, welche Ausbildung oder welchen Bildungsabschluss ein Anleger hat. Dank einer riesigen Auswahl von Büchern und Finanzmagazinen sowie kostenlosen Informationsquellen im Internet kann sich jeder das nötige Finanz-Know-how in relativ kurzer Zeit selber aneignen. Und dank einer Vielzahl an Online-Brokern sind die Ordergebühren inzwischen so niedrig, dass diese nur noch marginal auf die Rendite drücken.

Kleinanleger haben sogar Vorteile gegenüber den großen Playern

Während beispielsweise Fondsmanager nur nach bestimmten, festgelegten Strategierichtlinien investieren, Aktien teilweise nur in mehreren Tranchen kaufen können, um die eigenen Kaufkurse nicht in die Höhe zu treiben, und stets über ihre getätigten Transaktionen Rechenschaft ablegen müssen, sind Privatanleger vollkommen flexibel. Ihnen stehen Tausende von Aktien und Fonds zur Verfügung, aus denen sie frei wählen können und mit denen sie ihre Anlagestrategie jederzeit anpassen können. Außerdem gibt es eine immense Anzahl an Derivaten, mit denen beispielsweise auf ganze Unternehmensbranchen (u.a. Themen- und Strategiezertifikate) gesetzt oder mit denen das Depot vor einem Börsen-Einbruch geschützt werden kann (bspw. Short-Zertifikate und Put-Optionsscheine).

Flexibilität und Liquidität

Gerade die deutschen Anleger sind bekannt für ihre Vorliebe für Lebensversicherungen, Festgelder und geschlossene Fonds (bspw. Erneuerbare Energien, Schiffsbeteiligungen, Immobilien) oder Eigentumswohnungen zur Vermietung. Die meisten dieser Anlagen sind ebenso wenig flexibel wie transparent und liquide. Das heißt, Anleger sind hier in der Regel über einen längeren Zeitraum gebunden, wissen nicht über den genauen Wert ihrer Investments Bescheid und haben außerdem durch sichtbare oder unsichtbare Provisionen („Kick-backs“) eine hohe Kostenbelastung. Teilweise fallen die Kosten dabei so hoch aus, dass sich diese Anlagen erst ab einer gewissen Haltedauer überhaupt rentieren können.

Ein Höchstmaß an Transparenz

Aktienanlagen sind das genaue Gegenteil davon. Dank günstiger Online-Broker und zahlreicher Fonds, bei denen keine Ausgabeaufschläge anfallen (u.a. ETFs), werden die möglichen Gewinne durch Kosten nur geringfügig geschmälert. Aktien sind dabei so flexibel wie kaum eine andere Anlageform, denn ein Verkauf ist zu den Börsenhandelszeiten oder teils auch außerbörslich jederzeit möglich. Und das innerhalb kürzester Zeit.

Gleichzeitig bieten Aktien ein Höchstmaß an Transparenz. Jeder, der einen Internet-Zugang hat, kann sich rund um die Uhr mittels kostenloser Finanzportale über den Stand und die Entwicklung seiner Aktien informieren und auf dieser Grundlage seine Handelsentscheidungen treffen. Außerdem ist über (Index-)Fonds eine sehr hohe Risikostreuung möglich, die es bei vielen anderen Anlagealternativen nicht gibt. Man denke beispielsweise an den Kauf und die Vermietung einer Eigentumswohnung, bei der viel Kapital an nur ein Investment gebunden ist („Klumpenrisiko“).

mE-Fazit

Aktien sind für den Vermögensaufbau alternativlos. Denn historisch gesehen haben sich DAX, Dow Jones & Co. wesentlich besser entwickelt als alle anderen Investment-Klassen. Dabei lassen sich die Anlagerisiken bei Aktien stark reduzieren, wenn breit gestreut und langfristig investiert wird. Auch die Aspekte Kostenbelastung, Flexibilität, Liquidität und Transparenz sprechen klar für die Aktienanlage.

Flo / Bildquelle: markteinblicke.de