Nach den Chaostagen an der Börse

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Die letzten Handelstage im September waren fast schon Chaostage. Vor allem Großbritannien sorgte mit den Konjunkturplänen der neuen Regierung für Verunsicherung an den Märkten. Inzwischen hat sich die Lage etwas beruhigt und die Bullen wittern Morgenluft.

Die Arbeit der neuen britischen Premierministerin Liz Truss lässt sich durchaus als planlos charakterisieren. Während die Bank of England versucht die Inflation zu bekämpfen und die Konjunktur abzukühlen, verkündete die Regierung das größte Steuersenkungspaket seit Jahrzehnten. Das kam an den Märkten alles andere als gut an. Der Kurs des Britischen Pfund ab und verlor zehn Prozent zum US-Dollar.

Auch die britischen Rentenmärkte kollabierten, die Renditen stiegen von 3,5 auf 4,5 Prozent. Die Zentralbank musste daraufhin stützend und stabilisierend eingreifen, aus Angst um die Stabilität des britischen Finanzmarktes und entgegen ihrer eigentlichen Geldpolitik. Durch den Kauf langlaufender Staatsanleihen im großen Stil versuchte die Bank of England den Rentenmarkt wieder zu beruhigen und eine weitere Eskalationsstufe der Krise zu vermeiden. Am Ende ruderte die britische Regierung zurück und kassierte große Teile des Steuersenkungspakets. Das Vertrauen in die neue Regierung war so bereits nach wenigen Tagen aufgebraucht.

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Was bringt uns das vierte Quartal?

Der Fall Großbritannien hat deutlich gemacht, dass in der aktuellen Lage Notenbanken und Regierungen nicht gegeneinander arbeiten können. An den Börsen läuft derweil die (technische) Gegenbewegung und bei den Anleihen sieht es ebenfalls gut aus. Geht es nach Michael Winkler, Leiter Anlagestrategie bei der St.Galler Kantonalbank Deutschland AG, ist die Erwartung an die Zinserhöhungen der Fed inzwischen mit bis zu fünf Prozent eingepreist. Dabei deuten die Renditespitzen eine zu hohe Erwartung an die Zinserhöhungen an. Im Zuge dieser Entwicklung bieten die internationalen Rentenmärkte aktuell gute Chancen für strategische Käufe, so Winkler.

Die Musik dürfte dabei vor allem in den USA spielen, wie Andrew Pease, Global Head of Investment Strategy bei Russell Investments, deutlich macht. „Wir erwarten in den USA weiterhin eine weiche Landung. Dank der starken Finanzlage sowohl der Haushalte als auch der Unternehmen sollte der Abschwung schlimmstenfalls eine leichte Rezession nach sich ziehen“, so Pease.

Für Europa prognostiziert er einen schwierigen Winter. Es zeichnet sich ab, dass die hohen Energiekosten den Konsum und die Industrieproduktion bremsen. Außerdem ist zu erwarten, dass die weiterhin hohe Inflation die EZB zu Zinserhöhungen veranlasst. „Da die Industrieproduktion wegen der hohen Energiepreise zu sinken beginnt, ist in Europa zumindest eine leichte Rezession kaum zu vermeiden”, so Pease.

Unser Fazit

Die Börse ist keine Einbahnstraße. Das haben die letzte zehn Handelstage wieder einmal eindrucksvoll gezeigt. So stark es im September, auch unter dem Eindruck des Desasters in Großbritannien, nach unten ging, so erfreulich war die Gegenreaktion in den ersten Oktobertagen. Freuen wir uns also auf das, was kommt. Langfristig geht es an der Börse nämlich immer nach oben. Günstige Einstiegsgelegenheit muss man jedoch aktiv nutzen, sondern verpuffen sie.

In diesem Sinne,
weiterhin viel Erfolg bei der Geldanlage

Ihre marktEINBLICKE-Gründer
Christoph A. Scherbaum & Marc O. Schmidt

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