Cannabis-Legalisierung: Der nächste Versuch

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Cannabis und Marihuana gehören seit geraumer Zeit zu den an den Aktienmärkten gehandelten Wachstumstrends. Hierzulande wird es nun in dieser Hinsicht immer konkreter.

„Wir wollen die Menschen gesund machen und nicht für Drogen zuständig sein“, sagte Thomas Preis gegenüber Spiegel TV. Zudem hätten wir laut dem Chef des Apothekerverbandes Nordrhein mit Alkohol und Zigaretten genug gesundheitliche Probleme. So in etwa lässt ich die Sichtweise der deutschen Apotheker auf die von Regierungsseite geplante Legalisierung von Cannabis auch als Freizeitdroge zusammenfassen. Trotz dieses Widerstandes stellte Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach jüngst das Eckpunktepapier zu einer Legalisierung von Cannabis und Marihuana zu Genusszwecken vor.

„Jahrelang habe ich eine Cannabis-Legalisierung abgelehnt. Mittlerweile komme ich als Arzt aber zu einem anderen Schluss.“ – Karl Lauterbach, Deutscher Bundesminister für Gesundheit

Entkriminalisierung des Cannabis-Konsums

Die Apotheker fühlen sich in besonderer Weise angesprochen, da sie als eine besonders geeignete Abgabestelle für Cannabis in Frage kommen. Der Bundesregierung geht es wiederum laut Lauterbach um eine „Entkriminalisierung des Cannabis-Konsums, um damit einen besseren Kinder- und Jugendschutz, aber auch einen besseren Gesundheitsschutz zu erreichen.“ Die Pläne sehen vor, dass Cannabis von 20 bis 30 Gramm in lizenzierten Geschäften an Erwachsene zu Genusszwecken abgegeben wird. Der gewerbliche Anbau und Vertrieb soll staatlich lizenziert und kontrolliert sein.

Innerhalb eines klar definierten gesetzlichen Rahmens sollen der Verkauf, Erwerb und Besitz von Cannabis zulässig werden. Vorrangiges Ziel und Leitgedanke des Gesetzgebungsverfahrens soll sein, für einen bestmöglichen Gesundheitsschutz der Konsumenten zu sorgen sowie den Kinder- und Jugendschutz sicherzustellen. Der Schwarzmarkt und die organisierte Drogenkriminalität sollen eingedämmt werden. Ein Gesetzentwurf sollte ursprünglich noch in diesem Jahr vorgelegt werden. Jetzt wird eher das erste Quartal 2023 angepeilt.

Es müssen viele Fragen geklärt werden. Beispielsweise in Bezug auf den Jugend-, Gesundheits- und Verbraucherschutz, den Anbau, Handel oder die Besteuerung. Problematisch könnten Fragen werden, die nicht nur Deutschland betreffen. EU-Recht und selbst internationale Verpflichtungen auf UN-Ebene, sich im Kampf gegen Drogenmissbrauch einzusetzen, könnten einer pauschalen Legalisierung im Wege stehen. Deutschland ist jedoch bei weitem nicht allein, wenn es darum geht, eine Cannabis-Legalisierung zu erwägen oder sogar bereits umzusetzen.

US-Regierung prescht vor

Befürworter einer Legalisierung von Cannabis und der generellen Entkriminalisierung des Marihuana-Besitzes hatten große Erwartungen an US-Präsident Joe Biden. Schließlich gehörte die Lockerung der Drogenpolitik in Bezug auf Marihuana zu seinen Wahlversprechen. Viele dieser Erwartungen wurden bisher jedoch enttäuscht. Nun, kurz vor den Midterms, wagte sich das Weiße Haus nach vorne.

Biden kündige eine Begnadigung aller US-Bürger an, die für Bundesdelikte in Zusammenhang mit dem Besitz von Marihuana verurteilt wurden. Darüber hinaus forderte er alle Gouverneure auf, dasselbe in Bezug auf solche Vergehen auf Ebene der Bundesstaaten zu tun. Außerdem soll eine neue Klassifizierung von Marihuana vorgenommen werden, die das Mittel im Zuge des Controlled Substances Act nicht mehr auf eine Stufe mit den gefährlichsten Substanzen wie Heroin, LSD, Fentanyl oder Methamphetamin stellt.

Als Begründung für die geplante Entkriminalisierung von Marihuana wird der Umstand angeführt, dass der Besitz oder der Konsum viel zu häufig das Leben von Menschen auf den Kopf gestellt und beispielsweise kriminelle Laufbahnen begünstigt hätten. Außerdem hätten Vorstrafen für den Besitz von Marihuana aus Sicht der aktuellen US-Regierung unnötige Hindernisse für Beschäftigung, Wohnraum und Bildungsmöglichkeiten geschaffen.

Kanada als Vorreiter

An den Aktienmärkten dürfte man angesichts solcher Aussagen hoffen, dass nun doch irgendwann die langersehnte Legalisierung auf Bundesebene erfolgt. Zuvor waren zahlreiche Bundesstaaten vorgeprescht und hatten somit auch dafür gesorgt, dass viele Unternehmen in den USA das große Geschäft rund um Cannabis gewittert hatten. Die landesweite Legalisierung wird als der große, fehlende Wurf angesehen.

In Kanada ist man in dieser Hinsicht bereits weiter. Das Land hatte im Oktober 2018 für eine Revolution gesorgt und als erstes G7-Land den Besitz von bis zu 30 Gramm Cannabis und den Konsum für Erwachsene erlaubt. Darüber hinaus darf jeder Haushalt bis zu vier Cannabis-Pflanzen züchten, um den Eigenbedarf zu decken. Die entsprechenden Samen oder Pflanzen müssen von lizensierten Händlern erworben sein.

Im Oktober 2019 wurden zudem Lebensmittel mit Cannabis-Zusätzen wie Backwaren oder Getränke legalisiert. Bereits 2001 hatte das Land den Gebrauch von Cannabis als Arzneimittel erlaubt. Neben den Steuereinnahmen, die ein legaler Handel mit Cannabis-Produkten mit sich bringt, hatte die kanadische Regierung vor allem die Beseitigung der Überkriminalisierung von Marihuana im Blick. Die Frage bleibt nun, wie schnell andere Länder wie Deutschland oder die USA folgen werden.

mE-FAZIT

Das Thema Cannabis ist seit vielen Jahren fester Bestandteil der Diskussion um Zukunftsmärkte und Megatrends. Allerdings sind wir weit von einer umfassenden weltweiten Legalisierung entfernt. So ist es auch zu erklären, dass die Aktien von Branchenvertretern teilweise deutlichen Schwankungen unterworfen sind und für die Aktiendepots von auf Sicherheit bedachten Anlegern kaum geeignet sind. Auch der jüngste Vorstoß der US-Regierung oder der Ampelkoalition bringt uns noch keine umfassende Legalisierung. Allerdings dürften besonders mutige Anleger weiterhin viel Freude an den entsprechenden Titeln haben.

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