Nicht zu investieren ist unmöglich

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Wer nicht an der Börse aktiv ist, hält sich in der Regel nicht für einen Investor. Dabei wägen wir im Umgang mit Geld täglich zwischen Chancen und Risiken, zwischen kurzfristig und langfristig sinnvoll ab. Wer versteht, dass man niemals nicht investieren kann, kann seine finanzielle Zukunft besser planen.

Wer ein Haus oder eine Wohnung besitzt, ist in Immobilien investiert. Wer für das Wohneigentum einen Kredit aufgenommen hat, bedient sich sogar einer Praxis, die bei Hedgefonds beliebt ist: dem Hebeln. Natürlich ist der Hausbau kein Hedgefonds. Doch Tatsache ist: Viele finanzielle Entscheidungen sind auch dann eine Art Anlage, wenn sie nicht an der Börse stattfinden.

Wer Aktien und Anleihen meidet, tut das oft aus Angst vor Verlusten am Kapitalmarkt. Die Schlagzeilen über Staaten, die ihre Anleihen nicht bedienen können, oder Unternehmen, deren Aktien nach einem Skandal einbrechen, tragen hierzu bei. Nur wenige denken darüber nach, welche Risiken man im Alltag längst eingegangen ist und wie man infolgedessen den Wert seines Vermögens am besten erhält oder steigert.

Girokonto: Welche Risiken damit verbunden sind

Für Mittel, auf die man kurzfristig zugreifen will, ist das Girokonto nicht falsch. Doch es gibt zwei Risiken: die Inflation sowie die Gefahr, langfristige finanzielle Ziele mit diesem Sparinstrument zu verfehlen. Zinsen gibt es für Kontoguthaben kaum. Keine Rendite, dafür auch kein Risiko? Falsch gedacht. Denn durch die Inflation werden Waren und Dienstleistungen ständig teurer, und Geld verliert an Kaufkraft.

Bei einer Inflation von zwei Prozent sind 1.000 Euro nach zehn Jahren nur noch 820 Euro wert, nach 20 Jahren noch 672 Euro und nach 30 Jahren noch 552 Euro, also kaum mehr als die Hälfte. Wer also Geld für seinen Ruhestand zur Seite legt, sollte möglichst die Inflation ausgleichen. Und da mit steigender Lebenserwartung ein langer Ruhestand von mehreren Jahrzehnten wahrscheinlicher wird, ist selbst der Werterhalt der Ersparnisse oft nicht genug für einen komfortablen Ruhestand.

Eigenheim: Gefahr des Klumpenrisikos

Jeder zweite Deutsche besitzt laut Statista Wohneigentum. Die Entscheidung ist meist nicht rein finanzieller Natur, sondern hat viel mit dem gewünschten Lebensstil zu tun. Aber der Immobilienkauf hat große Auswirkungen auf den Vermögensaufbau. Als Anlage ist eine Immobilie illiquide, sie bindet viel Geld und passt sich nur schwer an veränderte Lebensumstände an. Marktschwankungen gibt es zudem auch bei Wohneigentum: Was beim Verkauf einer Immobilie herausspringt, hängt stark davon ab, wie groß die Nachfrage nach solchen Objekten zum jeweiligen Zeitpunkt ist. In den letzten 20 Jahren sind die Immobilienpreise zwar in vielen Lagen enorm gestiegen – eine Garantie für künftige Preisentwicklungen ist dieser Trend aber nicht.

Wohneigentum kann trotz allem auch entscheidend zur Vermögensbildung beitragen. Es fällt vielen Menschen leichter, einen Hauskredit abzuzahlen, als monatlich Geld zur Seite zu legen und dort zu lassen. Eine illiquide, unflexible Anlage macht manche von uns erst zu disziplinierten Anleger. Die Krux dabei ist ihr Stellenwert beim Vermögensaufbau und der finanziellen Vorsorge. In manchen Haushalten fließt in kein anderes Spar- oder Vorsorgeprodukt so viel Geld wie in das Eigenheim. Im Fachjargon nennt man so etwas ein Klumpenrisiko.

Ausgewogen die finanzielle Zukunft planen

Anleger machen sich viele Gedanken darüber, wie sie Wertpapiere in ihrem Depot kombinieren und wie groß die Gewichtungen sein sollten. Anlagen reagieren unterschiedlich auf äußere Einflüsse: Was passiert im Fall einer Finanzkrise oder einer Pandemie? Ein krisenfestes Portfolio sollte das Ziel einer langfristigen Anlagestrategie sein. Die Komponenten sollen sich so ergänzen, dass gute Ergebnisse in einem Bereich mögliche Verluste in einem anderen abfedern.

Im Bereich des privaten Vermögens gelten ähnliche Überlegungen. Was passiert, wenn die Inflation deutlich steigt? Wenn das Eigenheim an Wert verliert? Wenn das staatliche Rentenniveau weiter sinkt? All diese Fälle wären eine Belastung, doch ein gut durchdachtes Konzept gewinnt in solchen Momenten noch mehr an Bedeutung.

Risiken gibt es also nicht nur an der Börse, sondern bei allen Formen des Sparens und der Vorsorge. Das Wissen darum ermöglicht es, ein Finanzkonzept zu erstellen, dass Sicherheiten und Renditechancen kombiniert. Am Ende kann dann ein Plan stehen, der flexibel ist und dadurch womöglich mehr Sicherheit bietet, als man bisher glaubt.

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Ein Beitrag von Jesper Wahrendorf

Er ist Head of Vanguard Invest, der digitalen Anlageplattform von Vanguard.

 

 

 

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