Nachhaltigkeit und Geldanlage: Ein unaufhaltbarer Trend

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Das Thema Nachhaltigkeit spielt bei der Geldanlage eine immer wichtigere Rolle. Umweltfragen oder soziale Aspekte gewinnen an Bedeutung, während Anleger dabei die Erzielung einer attraktiven Rendite nicht aus den Augen verlieren. Eine Studie zeigt nun, dass insbesondere erfahrene Investoren der Ansicht sind, dass nachhaltige Investitionen sogar am ehesten zu langfristigen Erträgen führen. Gleichzeitig setzt sich in der Investorengemeinde offenbar der Gedanke fest, dass nachhaltige Geldanlagen tatsächlich zu positiven Veränderungen führen können.

Nachhaltige Geldanlagen nehmen an Bedeutung zu

Angesichts von Problemen wie der hohen Inflation, insbesondere bei Energie und Nahrungsmitteln, der schwächelnden Konjunktur, COVID-19 und des Krieges in der Ukraine wird man das Gefühl nicht los, dass das Thema Dekarbonisierung in der Politik an Bedeutung verloren hat. Wenn es um die Investorengemeinde geht, kann davon keine Rede sein. Nachhaltige Geldanlagen werden für Investoren immer wichtiger. Vielen reicht es inzwischen nicht mehr aus, lediglich auf die Rendite zu schauen.

Sie möchten sich mit ihren Geldanlagen auch Wohlfühlen und ruhig schlafen können. Dies gilt auch nicht mehr nur für junge Investoren. Entsprechend hatte das Forum Nachhaltige Geldanlagen (FNG) unlängst berichtet, dass nachhaltige Geldanlagen zuletzt neue Rekorde aufgestellt hätten. Ende 2021 erreichten nachhaltige Geldanlagen in Deutschland einen Wert von 501,4 Mrd. Euro. Ein Anstieg um 50 Prozent gegenüber dem Vorjahr.

Dabei geht es längst nicht mehr nur um ein gutes Gefühl bei der Geldanlage, bei der der Renditegedanke möglicherweise in den Hintergrund gerät. Vielmehr dürfte inzwischen zur Genüge mit dem Vorurteil aufgeräumt worden sein, wonach der Blick auf Nachhaltigkeit bei der Geldanlage Rendite kosten würde. Eine aktuelle Schroders-Studie impliziert, dass eher das Gegenteil der Fall ist. Demnach heißt es dort, dass erfahrene Anleger glauben, dass nachhaltige Investitionen am ehesten zu langfristigen Erträgen führen.

Only One Earth ist das Motto des Weltumwelttags. Bildquelle: Pixabay / ejaugsburg

Mehr Rendite dank Nachhaltigkeit?

Anleger, die sich selbst als „erfahren“ einstufen (und damit als „Experten“) sind eher der Meinung, dass nachhaltige Investitionen der Schlüssel zur Erzielung langfristiger Renditen sind, als Personen, die sich selbst als weniger sachkundig einstufen, so das Ergebnis der „Schroders Global Investor Study 2022“. Für die jährliche Flaggschiff-Studie des britischen Asset Managers wurden mehr als 23.000 Anleger an 33 Standorten weltweit befragt. Zu den wichtigsten Ergebnissen im Bereich Nachhaltigkeit der Studie gehört der Umstand, dass mehr als zwei Drittel (68 Prozent) der Personen, die sich selbst als „Experten“ oder „fortgeschrittene Anleger“ einstufen, der Meinung sind, dass nachhaltige Investitionen der einzige Weg sind, um langfristig Renditen zu erzielen.

Bei den „semi-erfahrenen“ Anlegern sind lediglich 52 Prozent der gleichen Meinung, während dieser Anteil im Fall derjenigen, die sich als „Anfänger“ einstufen, sogar nur bei 43 Prozent liegt. Ein weiteres Ergebnis passt dazu. Demnach sagen laut Schroders 69 Prozent der „erfahrenen Anleger“, dass nachhaltige Investitionen einen positiven Wandel unterstützen können, wenn es um Herausforderungen wie den Klimawandel geht. Mit Blick auf nachhaltige Geldanlagen ist der letzte Punkt möglicherweise genauso wichtig wie der Blick auf die Renditen. Schließlich müssen sich nachhaltige Investments häufig den Vorwurf gefallen lassen, dass es sich bei ihnen nur um sogenanntes „Greenwashing“ geht und diese zu keinen echten Veränderungen beitragen würden.

Unerfahrene Anleger bleiben skeptisch

Hannah Simons, Head of Sustainability Strategy bei Schroders, kommentiert:

„Die Wechselwirkung zwischen Nachhaltigkeit und Rendite hat in diesem Jahr zu einigen polarisierenden Ergebnissen geführt. Während unerfahrene Anleger eher skeptisch sind, glaubt die Mehrheit der Befragten, dass Nachhaltigkeit für die Erzielung langfristiger Renditen entscheidend ist. Dies ist ermutigend und unterstreicht die entscheidende Rolle, die Vermögensverwalter spielen müssen, wenn es darum geht, Anlegern zu vermitteln, wie nachhaltige Investitionen nicht nur zur Bewältigung von Herausforderungen wie dem Klimawandel beitragen, sondern auch ihre langfristigen Renditen unterstützen können. Wir sehen in der Tat einen engen Zusammenhang zwischen langfristigen nachhaltigen Anlagerenditen und der Lösung einiger sozialer und ökologischer Herausforderungen in der Welt.“

Umweltfragen und soziale Aspekte gewinnen bei der Geldanlage an Bedeutung, während Investoren die Renditeerzielung im Auge behalten. (Bildquelle: Pixabay / Sergioht87)

Soziale Gesichtspunkte immer mehr im fokus

Laut Schroders zeigt die Studie insbesondere, dass die Auswirkungen auf die Umwelt der Hauptgrund sind, warum sich Anleger für nachhaltige Investitionen interessieren. Allerdings wird auch angemerkt, dass im Vergleich zu den Vorjahren Investitionen nach sozialen Gesichtspunkten an Bedeutung gewonnen hätten.

Interessanterweise rangieren höhere finanzielle Gewinne nur an dritter Stelle auf der Prioritätenliste der Anleger und sind in den vergangenen zwei Jahren zurückgegangen (von 42 Prozent im Jahr 2020 auf 36 Prozent in diesem Jahr), heißt es weiter.

Während Umweltaspekte und soziale Fragen eine wichtige Rolle spielen, wollen Anleger natürlich auch weiterhin Rendite erzielen. Mehr als die Hälfte der Befragten (56 Prozent) sucht laut Schroders einen Fonds, der sich in erster Linie auf die Erzielung von finanziellen Erträgen konzentriert und gleichzeitig Nachhaltigkeitsfaktoren berücksichtigt.

Wichtige Nachhaltigkeitsmerkmale

Dies gelte insbesondere für die Menschen in Asien (61 Prozent) und Amerika (60 Prozent), während die Menschen in Europa eher einen Fonds mit Nachhaltigkeitsmerkmalen wählen würden (51 Prozent).

„Das deckt sich auch mit den Ergebnissen aus Deutschland und Österreich. In Deutschland bevorzugen 49 Prozent Fonds mit Nachhaltigkeitsmerkmalen und 46 Prozent Fonds, die sich auf finanzielle Erträge fokussieren und gleichzeitig Nachhaltigkeitsfaktoren berücksichtigen. In Österreich liegt der Anteil bei 51 Prozent bzw. 56 Prozent. Zudem sehen Anleger in beiden Ländern es als wichtig an, dass Fondsmanager besonders in Bezug auf Naturkapital und Biodiversität mit Unternehmen in den Dialog treten (Deutschland: 70 Prozent, Österreich: 65 Prozent)“, so Schroders.

Besondere Anliegen bei der nachhaltigen Geldanlage

Anleger investieren jedoch nicht nur in nachhaltige Produkte, weil diese irgendwelchen Nachhaltigkeitsaspekten genügen. Vielmehr geht es um ganz spezielle Anliegen. Ähnlich wie man es sich bei Spenden vorstellen würde, dass Menschen sich für gewisse wohltätige Anliegen mehr interessieren als für andere. Laut Studienergebnissen würden Anleger zunehmend in nachhaltige Fonds investieren, wenn sie die Möglichkeit hätten, entsprechend ihren Präferenzen zu investieren. Mehr als die Hälfte der Anleger über alle selbst definierten Kompetenzniveaus hinweg hätten angegeben, dass die Möglichkeit, Anlagen zu wählen, die mit ihren persönlichen Nachhaltigkeitspräferenzen übereinstimmen, sie dazu ermutigen würde, ihre Allokation in nachhaltige Anlagen zu erhöhen.

Was die spezifischen sozialen Nachhaltigkeitsziele der Investoren betrifft, so wurde die Qualität der Bildung laut Schroders weltweit als am wichtigsten angesehen, wobei etwa ein Fünftel der Befragten (21 Prozent) diese Option an erster Stelle genannt habe. In Deutschland lag der Anteil sogar bei 46 Prozent. In Österreich stand Gesundheit und Wohlergehen an erster Stelle (47 Prozent). An zweiter Stelle folgt in Deutschland das Ziel sauberes Wasser und Sanitäreinrichtungen (45 Prozent), in Österreich hochwertige Bildung (46 Prozent), heißt es weiter. Trotz der positiven Entwicklungen im Bereich nachhaltige Geldanlagen wird sehr viel Potenzial bisher nicht genutzt.

Mehr Transparenz gefordert

Neben der Möglichkeit, Anlagen zu wählen, die ihren persönlichen Nachhaltigkeitspräferenzen entsprechen, gab knapp die Hälfte der Befragten (48 Prozent) laut Schroders an, dass mehr Aufklärung über nachhaltige Anlagen sie zu einer nachhaltigeren Allokation ermutigen würde. Das Fehlen klarer Definitionen für nachhaltige Anlagen sei über alle Kompetenzniveaus hinweg eines der größten Hindernisse für nachhaltige Investitionen genannt worden. In Deutschland und Österreich hätten jeweils die Hälfte (50 Prozent) der Befragten die mangelnde Transparenz und fehlende Daten über die Auswirkungen von Investitionen als größtes Hindernis genannt.

Dimitrios Batzis, ESG-Beauftragter für Deutschland, Österreich und CEEMED bei Schroders, fügt hinzu: „Die Schroders Global Investor Study spiegelt das wider, was wir auch aus den Unterhaltungen mit unseren Kunden mitbekommen: Nachhaltige Investitionen werden immer bedeutender und Anleger wünschen Investitionslösungen, die auf ihre individuellen Nachhaltigkeitspräferenzen zugeschnitten sind.“

mE-FAZIT

Die Schroders-Studie bestätigt den jüngsten Trend, dass nachhaltige Geldanlagen immer wichtiger werden und Investoren zunehmend davon überzeugt sind, auf diese Weise nicht nur keine Renditeeinbußen zu erleben, sondern diese verbessern zu können. Außerdem setzt sich offenbar die Überzeugung durch, dass entsprechende Investments auch tatsächlich eine positive Wirkung entfalten.

 

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