Amazon & Co müssen sich warm anziehen

Bildquelle: Pixabay / HutchRock

Trotz Inflation und vieler anderer Herausforderungen freuen sich Amazon (WKN: 906866 / ISIN: US0231351067) & andere Online-Händler auf das Weihnachtsgeschäft sowie wichtige online Shopping- und Rabattschlachten.

Neue Zeitrechnung im Einzelhandel

Früher war das Leben einfach. Am vierten Donnerstag im November feiert man in den USA Thanksgiving. Der Tag danach, der “Black Friday”, war einem alljährlichen Shopping- und Rabattwahnsinn in den Einzelhandelsgeschäften des Landes gewidmet. Auf diese Weise läuteten Händler und Konsumenten die vorweihnachtliche Shopping-Zeit ein.

Auch heutzutage hat der Freitag nach Thanksgiving eine entscheidende Bedeutung für Händler, selbst in der letzten Ecke der USA. Mit dem Aufkommen des Internets und des Online-Shoppings hat sich jedoch auch einiges verändert. Beispielsweise gibt es nicht mehr nur das eine große Ereignis wie den “Black Friday”, auf das jeder hinarbeitet und dem er entgegenfiebert.

Gedrückte Verbraucherstimmung

“Black Friday”, “Cyber Monday”, “Cyber Week” “Black Week”, “Prime Day” oder “Singles Day”. Im Bereich E-Commerce hat sich inzwischen eine ganze Reihe wichtiger Gelegenheiten ergeben, an denen Konsumenten ihrer Kauflust nachgehen können und dabei tatkräftig mit Rabatt- und Werbeaktionen unterstützt werden.

Die Feiertage rund um das Shopping bleiben zudem nicht mehr nur auf die vorweihnachtliche Zeit beschränkt. Unternehmen wie Amazon haben ihre ganz eigenen “Feiertage” wie den Prime Day ausgerufen. In diesem Jahr dürfte jedoch in der Branche keine allzu große Jubelstimmung aufkommen. Dies hat man beispielsweise daran gesehen, dass Amazon mit seinem Ausblick auf das Weihnachtsgeschäft Anleger enttäuscht hatte.

Konsumenten zeigen sich nicht mehr ganz so kauffreudig. Zu sehr haben sie mit der Inflation, hohen Nahrungsmittel- und Energiepreisen sowie der schlechten Stimmung, die sich aus dem Ukraine-Krieg, einer drohenden Energiekrise oder der Verschlechterung der wirtschaftlichen Aussichten ergibt.

Geändertes Einkaufsverhalten

Eine Bitkom-Studie besagt, dass Inflation und steigende Lebenshaltungskosten das Einkaufsverhalten der Online-Shopper in Deutschland verändern würden. Demnach geben zwei Drittel (69 Prozent) der Befragten an, sich aktuell sorgfältiger zu überlegen, was sie eigentlich brauchen.

Rund 64 Prozent haben wiederum vermehrt Sonderaktionen und Rabattangebote im Blick, während fast die Hälfte derjenigen, die im Internet shoppen, generell weniger einkaufen (46 Prozent). Das Internet ist aber auch sehr gut dazu geeignet, Preise zu vergleichen. 40 Prozent tun dies verstärkt.

Die schwierigere Situation lässt einige auch verstärkt auf Ratenzahlungsangebote zurückgreifen (9 Prozent). Laut Bitkom sind auch der diesjährige “Black Friday” und die darauffolgende “Cyber Week” für einen Großteil ein willkommener Anlass für eine Einkaufstour im Internet. Allerdings haben sich die Einkaufsgewohnheiten im Internetzeitalter grundlegend geändert.

Amazon-Chart: Börse Stuttgart

Corona-Pandemie verändert den Markt

Demnach würden die allermeisten regelmäßig im Internet einkaufen. Ein Drittel (35 Prozent) machte mindestens einmal pro Woche Online-Einkäufe, die übrigen mehrmals pro Monat (38 Prozent) oder seltener (27 Prozent), so Bitkom. Dabei hat COVID-19 den E-Commerce-Trend verstärkt. Als die Menschen im Zuge von Lockdowns zu Hause bleiben mussten, mussten sie sich auch mit dem Bestellen von Waren im Internet arrangieren.

„Die Corona-Pandemie hatte den Online-Handel massiv beflügelt und das Einkaufsverhalten der Verbraucherinnen und Verbraucher nachhaltig verändert“, sagt Bitkom-Hauptgeschäftsführer Dr. Bernhard Rohleder. Inzwischen werden die Einkäufe vor allem mit dem Smartphone erledigt. 66 Prozent der Online-Shopper nutzen es laut Bitkom zum Einkaufen im Netz, vor zwei Jahren seien es noch 54 Prozent und 50 Prozent im Jahr 2018 gewesen.

„Händler und Plattformen haben ihre Angebote zunehmend auf die Smartphone-Nutzung zugeschnitten. Entsprechend optimierte Online-Shops sollten für jeden Händler zum Standard gehören“, sagt Rohleder. Am liebsten kaufen die Deutschen laut Bitkom wiederum auf Plattformen online ein: 81 Prozent nutzen gerne große internationale Plattformen wie Amazon, Ebay oder Zalando.

mE-FAZIT

Wie sehr die Inflation selbst Branchengrößen wie Amazon zu schaffen macht, ließ sich am Aktienkurs des E-Commerce-Riesen ablesen. Allerdings sollte es in Sachen Inflation in absehbarer Zeit auch wieder eine Entspannung geben, während auch die Konjunktur wieder anziehen sollte. Viel wichtiger dürfte der Umstand sein, dass der E-Commerce-Trend mittel- bis langfristig kaum aufzuhalten sein dürfte und immer mehr Menschen, den Online-Einkauf für sich entdecken sollten.

 

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