Odyssee im Weltraum

Bildquelle: unsplash / SpaceX

Weltraumflüge waren bisher nur einer Handvoll Menschen – je nach Herkunft Astronauten, Kosmonauten oder Taikonauten – vorbehalten. Diese Zeiten sind vorbei. Das Zeitalter des Weltraumtourismus wurde offiziell eingeläutet.  

Der Weltraumtourismus steckt noch in seinen Kinderschuhen. Flüge in den Weltraum – sie bleiben immer noch wenigen Menschen mit einem dicken Geldbeutel oder sehr guten Beziehungen vorbehalten. Doch eine Reihe von Unternehmen hat es zum Ziel gesetzt, Flüge ins Weltall so selbstverständlich wie den jährlichen Sommerurlaub werden zu lassen.

Die ersten Flüge einiger untrainierter Milliardäre oder bekannter Persönlichkeiten haben bereits gezeigt, dass diese nicht nur professionellen Astronauten vorbehalten bleiben müssen. Eine ganze Industrie ist dabei, sich zu entwickeln und den Weltraum auch monetär zu nutzen. Der Branche geht es nicht nur um Weltraumtourismus, sondern um die Eroberung des Weltalls für viele verschiedene Zwecke. Dazu gehören die Wissenschaft, militärische Anwendungen oder der Abbau nahezu unbegrenzter Ressourcen.

Jeff Bezos will hoch hinaus

Der Aufstieg von Amazon zum Weltkonzern begann mit dem Online-Versand von Büchern. Das Unternehmen erlebte ein unglaubliches Wachstum zur dominierenden E-Commerce-Plattform. So wurde Gründer Jeff Bezos zu einem der weltweit reichsten Menschen. Zeitweise hatte er auch die Spitzenposition in dieser Kategorie inne. Bezos hatte Amazon lange Zeit als Vorstandschef geführt. Doch irgendwann war ihm dies nicht genug, er wollte mehr. Vor allem wollte Bezos hoch hinaus – und dies im wörtlichen Sinne. Jeff Bezos hatte sich vorgenommen, den Weltraum zu erobern. Im Sommer 2021 konnte er sich dann als zu diesem Zeitpunkt reichster Mensch der Welt endlich einen Kindheitstraum erfüllen:

Er hatte nicht nur Amazon gegründet, sondern auch das Raumfahrtunternehmen Blue Origin. Dieses ermöglichte ihm gemeinsam mit drei weiteren Personen einen Flug in den Weltraum. Möglich machte es die „New Shepard“-Rakete von Blue Origin. Der kurze Ausflug mutierte zu einem riesigen Medienereignis, das live im Fernsehen übertragen wurde. Schließlich sollte es den Beginn einer neuen Ära einläuten, im Zuge derer Weltraumflüge nicht mehr einer Handvoll Astronauten, Kosmonauten oder Taikonauten vorbehalten bleiben, sondern jedermann zugänglich gemacht werden.

Die neue Selbstverständlichkeit

Unternehmen wie Blue Origin und andere wollen nichts weniger, als dass der Weltraumtourismus zu einer Selbstverständlichkeit wird. Der Schriftsteller und ehemalige NASA-Mitarbeiter Alan Ladwig sagte zu diesem Ereignis: „Der Space-Tourismus ist endlich hier. Es wird immer noch teuer sein, und nicht jeder wird es sofort umsetzen können, aber es ist ein erster Schritt.“ Von Ladwig stammt das Buch „See You In Orbit?: Our Dream Of Spaceflight“. Darin geht es um Versprechungen, Erwartungen, die wichtigsten Persönlichkeiten und Meilensteine in Bezug auf das Ziel Einzelner, ins All zu fliegen.

Dass der britische Milliardär Richard Branson mit einer Raumkapsel, der „VSS Unity“, seiner Firma Virgin Galactic (WKN: A2PTTF / ISIN: US92766K1060) wenige Tage vor Jeff Bezos ins All flog –  obwohl der Flug von Blue Origin längere Zeit zuvor angekündigt worden war – dürfte die Freude bei Bezos nur wenig getrübt haben. In Bezug auf den Beginn des Zeitalters des Weltraumtourismus ist es sogar von Vorteil, wenn sich besonders viele Entrepreneure an der Erfüllung dieses Traums beteiligen.

Der britische Milliardär Richard Branson und sein Tram von Virgin Galactic (Bildquelle: Pressefoto Virgin Galactic)

Jeder kann Astronaut sein …

In Bezug auf das Thema Weltraumtourismus bedeutete der Blue-Origin-Flug am 20. Juli 2021 einen wichtigen Meilenstein. Mit Oliver Daemon war der erste zahlende Kunde des Unternehmens mit an Bord. Der Sohn eines niederländischen Private-Equity-Managers war zum damaligen Zeitpunkt gerade 18 Jahre alt und war damit der jüngste Mensch im Weltall. Später folgten weitere bemannte Flüge. Nummer 6 fand Anfang August 2022 statt. Bezos´Blue Origin widmet sichnicht nur dem Weltraumtourismus. Mithilfe einer Reihe neuer, leistungsstarker Raketen sollen auch Fracht, Satelliten und Menschen in die Umlaufbahn und darüber hinaus befördert werden.

Das große Ziel ist es, ein Ökosystem zu schaffen, das Millionen von Menschen das Leben und Arbeiten im Weltraum ermöglichen soll. Jeff Bezos hat bereits vorgeschlagen, zylindrische Lebensräume mit künstlicher Schwerkraft zu bauen. Diese sind auch als „O‘Neill-Kolonien“ bekannt und nach dem Physiker Gerard K. O’Neill benannt, der diese Idee entwickelt hat.

Auch wenn Blue Origin nicht nur Touristen ins All gebracht hat, sondern auch viel Erfahrung hat, Nutzlasten mithilfe unbemannter Flüge ins Weltall zu bringen – ein Zwischenfall im August 2022 beim 23. Flug der „New Shepard“ zeigte allen Weltraum-Fans, wie gefährlich und unberechenbar die Raumfahrt sein kann. Ein Triebwerksschaden sorgte dafür, dass die Raumkapsel abgesprengt wurde und sicher landen konnte. Die Rakete stürzte dagegen ab. Trotzdem dürften solche Zwischenfälle Unternehmen wie Blue Origin nicht lange aufhalten.

Die Risiken bleiben

Dass die Raumfahrt gefährlich sein kann, wissen Experten wie Fans seit der Challenger-Katastrophe. Viele Menschen werden noch die Bilder der vor Jahrzehnten explodierten US-Raumfähre vor Augen haben. Trotzdem werden die Grenzen des Möglichen immer weiter getestet, mit der Folge, dass neben Blue Origin eine ganze Reihe von Unternehmen und Institutionen daran arbeiten, vom (künftigen) Weltraum-Geschäft zu profitieren.

450.000 US-Dollar pro Weltraumflug

Wenn es um Weltraumtourismus geht, konkurriert Blue Origin derzeit vor allem mit Virgin Galactic. Das Unternehmen des britischen Milliardärs Richard Branson bezeichnet sich als erste kommerzielle Weltraumfahrtlinie. Nach derzeitigen Plänen soll der kommerzielle Regelbetrieb voraussichtlich im zweiten Quartal 2023 aufgenommen werden. Allerdings könnten erneute Verschiebungen dazwischenkommen. Zuletzt machte der Konzern die Verlängerung der Termine für die Fertigstellung des Programms zur Verbesserung des Mutterschiffs geltend. Anfang dieses Jahres hatte Galactic seine neue Marke mit dem Fokus Privatkunden gestartet.

Ebenso begann das Unternehmen Reservierungen für Weltraumflüge anzunehmen. Für einen Flug werden insgesamt 450.000 US-Dollar fällig, während vorab eine Zahlung in Höhe von 150.000 US-Dollar geleistet werden muss. Kurz vor dem Start wird der restliche Betrag fällig. Gestartet wird vom Weltraumhafen Spaceport America im US-Bundesstaat New Mexico. Dort werden auch die tagelangen Vorbereitungen auf den Flug absolviert. Der ganze Flug soll etwa 90 Minuten dauern.

90 Minuten, die das Leben verändern

Los geht es für die Passagiere – ähnlich wie im Fall eines herkömmlichen Fluges – auf einer Startbahn am Boden. Dabei hebt die Raumkapsel, befestigt an einem größeren Flugzeug, dem sogenannten Mutterschiff, ab.

Wenn eine Höhe von etwa 50.000 Fuß (etwas mehr als 15.200 Meter) erreicht ist, wird das Raumschiff vom Mutterschiff getrennt und aktiviert seinen eigenen Antrieb, um die Passagiere Richtung Sterne zu befördern. Es dauert weitere 60 Sekunden bis die Grenze zum Weltraum erreicht ist. Dort dürfen die Gäste nicht nur den fantastischen Ausblick genießen, sie dürfen sich auch abschnallen und in einem Zustand annähernder Schwerelosigkeit (Mikrogravitation) schweben. Beim Wiedereintritt in die Erdatmosphäre hilft wiederum Virgins sogenannte Federtechnologie.

Dabei faltet sich das Raumschiff in zwei Hälften, wobei sich die Flügel nach oben bewegen, während die Piloten das Raumfahrzeug in einen eleganten Rückwärtssprung versetzen. Durch dieses Manöver soll sich das Raumschiff beim Wiedereintritt wie eine Kapsel verhalten, indem es die Reibungshitze über die Unterseite des Raumschiffs verteilt und sich aerodynamisch neu ausrichten kann. Im dichtesten Teil der Erdatmosphäre werden die Flügel wieder heruntergeklappt, sodass das Raumschiff sicher und reibungslos zur gleichen Landebahn zurückgleiten kann, von der aus gestartet wurde.

Amerikas Nasa setzt auf SpaceX

Auch SpaceX will eines Tages Weltraumtouristen ins Weltall befördern. Das Unternehmen, das von Tesla-Chef Elon Musk geführt wird, ist jedoch im Bereich Fracht und bei den Astronautenflügen deutlich weiter. Im Frühjahr 2020 beförderte das Raumfahrtunternehmen gemeinsam mit der US-Weltraumbehörde Nasa im Zuge eines Testflugs zwei Astronauten mit einer Raumkapsel zur Internationalen Raumstation ISS. Das Besondere:

Erstmals seit neun Jahren erfolgte ein Flug zur ISS von amerikanischem Boden aus. Außerdem beförderte SpaceX zum ersten Mal nicht nur Fracht, sondern auch Astronauten zur ISS. Startpunkt für die Raumkapsel „Crew Dragon“ war das Kennedy Space Center in Cape Canaveral in Florida. Während die Astronauten mit der Raumkapsel zur ISS flogen, landete die Startraketenstufe kurze Zeit nach dem Start auf einem Schiff vor der Küste.

Diese Landung war besonders wichtig – schließlich soll die Wiederverwendung von Raketenstufen die Raumfahrt in Zukunft deutlich günstiger machen. Inzwischen wurde das Prozedere im Rahmen einer offiziellen Nasa-Mission wiederholt. Mit der „Crew-1“ flogen am 16. November 2020 vier Astronauten zur ISS. Nach sechs Monaten im All kehrten sie zurück, während die „Crew-2“ im April 2021 zur ISS flog. Hierbei handelt es sich um wichtige Meilensteine einer neuen Ära der Raumfahrt. Ähnlich dem Erfolg der Weltraumsonde Sputnik-1. Mit ihr gelang es der Sowjetunion 1957 erstmals einen Satelliten in die Erdumlaufbahn zu befördern. Die Rivalität zwischen den USA und der Sowjetunion führte letztlich zu Meilensteinen wie bemannten Flügen in den Orbit, einer Mondumkreisung und schließlich zur Mondlandung.

Auf geht´s zum Mars!

Die jüngsten SpaceX-Flüge sollen nur Zwischenstationen sein. Zunächst soll es wieder auf den Mond gehen. Elon Musk hat aber längst Flüge zum Mars angekündigt. Außerdem soll der Weltraum erobert werden, um das Ressourcenproblem auf der Erde zu lösen, indem beispielsweise Erze auf Asteroiden abgebaut werden. Am Ende sollen Weltraumflüge in Zukunft so selbstverständlich sein, dass das All zu einem Touristenziel wird. Der Weltraum wird jedoch nicht nur dem Tourismus, der Wissenschaft oder der Industrie ein Betätigungsfeld bieten. Zukünftige militärische Konflikte dürften sich im Weltraum abspielen. Entsprechend war dem ehemaligen US-Präsidenten Donald Trump die Einrichtung der „Space Force“ ein wichtiges Anliegen.


Mit dem Open End Partizipationszertifikat auf den Solactive Space Technology Index hat Vontobel das Thema Weltraumtourismus und Raumfahrtindustrie für Anleger investierbar gemacht. In dem Index finden sich sowohl auf rein zivile Angebote ausgerichtete Unternehmen als auch Spezialisten beim Thema Rüstung oder Satellitenkommunikation.


Die Raumfahrtabteilung der US-Streitkräfte wurde am 20. Dezember 2019 ins Leben gerufen und damit offiziell zum sechsten Arm des amerikanischen Militärs. Zwar erinnert das Logo der „Space Force“ sehr an das Sternenflotten-Emblem aus Star Trek, allerdings sind die erwarteten Aufträge, die sich Rüstungsunternehmen wie Raytheon Technologies, Boeing, Aerojet Rocketdyne, Northrop Grumman oder Lockheed Martin vonseiten der „Space Force“ und anderer Arme des US-Militärs erhoffen alles andere als ein Scherz oder Fantasie. Nicht zu verachten sind auch die Investitionsmöglichkeiten, die sich rund um das Weltall auftun. Zumal die Zeiten vorbei zu sein scheinen, in denen sich nur wenige Staaten mit diesem Thema beschäftigten. Stattdessen entdecken immer mehr private Unternehmen eine für sie interessante Nische.

mE-FAZIT

Neue Technologien machen Weltraumtourismus schon heute möglich. Dies ist jedoch nur der Anfang. Das Weltall wird für die Wissenschaft, die Industrie, aber auch für das Militär zu einem immer wichtiger werdenden Betätigungsfeld. Zahlreiche Unternehmen sind schon am Start, die von den neuen Trends rund um die Eroberung des Weltalls profitieren möchten.

 

Bildquelle: Pressefoto Virgin Galactic