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Der Warenhandel boomt, denn auch wenn immer mehr Handel über das Internet abgewickelt wird und Amazon und Zalando den Einzelhandelsriesen das Wasser abgraben, bleibt doch unverändert, dass die Waren irgendwoher kommen müssen. Und den größten Anteil am weltweiten Warentransport hat die Schifffahrt und diese Branche hat sich seit der Finanzkrise 2009 bisher noch nicht wieder erholt und ist von Überkapazitäten, sinkenden Frachtraten und Fusionen und Pleiten geprägt. Also insgesamt kein Szenario, in dem man investiert sein möchte. Und doch bieten sich hier auch Chancen…

Chancen, die nicht ganz offensichtlich „nur“ auf einen Turnaround des stationären Einzelhandels und/oder der Schifffahrtsbranche setzen, sondern auf Bereiche, die von der Krise kaum tangiert sind und auch künftig große Wachstumschancen versprechen: Container.

Der heutige globale Warenumschlag kann nur funktionieren, wenn immer mehr Geld für IT-unterstützte automatisierte Lager- und Containerterminalsysteme ausgegeben wird – und eben für Container. Also überwiegend Standardcontainer. Denn die Logistikketten vom LKW über die Bahn, über die Terminals, die Schiffe bis hin zum Paketdienst/Logistiker basieren auf Standardisierung, die das ständige Umladen der Waren vermeiden und stattdessen auf das Umladen von Standardcontainern setzen. Nur so kann kosteneffizient globale Logistik gewährleistet werden.

Wenn nun die Container auf ihrer Reise aus China bis in den Hamburger Hafen und zum Laden von Edeka oder Lidl durch so viele Hände gehen, dann stellt sich die Frage, wem die Container gehören (müssen). Einem Logistikanbieter wie DHL? Der Reederei wie Hapag-Lloyd oder Maersk? Der Bahn? Lidl? Diese Unternehmen benötigen eine Menge Geld, um ihre Schiffsflotten zu erneuern, ihre Logistikzentren auszubauen, ihre Warenhäuser in immer neue Regionen der Welt vorstoßen zu lassen. Die relativ kapitalintensive Vorhaltung von Containern ist für sie daher keine attraktive Option. Für andere schon…

Kapitalintensiv ist eigentlich ein Begriff, den Investoren nicht gerne hören, denn wenn Kapital gebunden wird, entsteht auch immer ein Risiko, falls etwas schief geht. In einer immer schnelllebigeren Zeit möchte man sein Kapital lieber schnell und flexibel halten. Anstatt Immobilien zu kaufen, setzt man lieber auf Immobilienfonds oder Aktien von Immobilienunternehmen. Doch kurzfristig verfügbares kapital wirft aufgrund der Niedrigzinspolitik der EZB und anderer Notenbanken keine bis kaum noch Zinsen ab. Im Gegenteil, man bezahlt heute schon Strafzinsen, wenn man Geld auf dem Konto vorhält. Die Kehrseite ist, dass Banken und andere Kapitalgeber, wie z.B. Versicherungen und Pensionsfonds, händeringend auf der Suche nach Rendite bringenden Investitionsmöglichkeiten sind. Und die Banken, die selbst bei der EZB Strafzinsen für ihre Einlagen leisten müssen, sind nur allzu gerne bereit, Kredite an Investoren zu vergeben.

In dieser Gemengelage tun sich interessante Möglichkeiten auf und ich habe ja bereits einige Asset Manager hier im Blog vorgestellt, die von diesem Szenario profitieren. Mit Aves One (WKN: A16811 / ISIN: DE000A168114) kommt heute ein weiteres Unternehmen hinzu, das sich in seiner Ausrichtung stark von den anderen abhebt.

Aves One ist ein Bestandshalter von Logistik-Equipment. Erst im November wagte Aves One den „großen Schritt“ an die Börse, denn zuvor wurden die Aktien nur an zwei Regionalbörsen gehandelt; zuvor unter „Pricon Invest AG“ firmierend. Im November gab es dann eine große Kapitalerhöhung, bei der der Vermieter von Frachtcontainern und Güterwaggons mehr als 18 Mio. Euro einnahm, als man neue Aktien für 6 Euro je Stück ausgab. Heute notieren die Aktien im Prime Standard der Frankfurter Börse und dürften künftig für immer mehr Investoren interessant werden.

Denn das frische Geld wird zügig investiert. So wurde noch im Dezember das Wechselbrückenportfolio auf 18 Mio. Euro ausgebaut und gerade erst wurden für weitere 9 Mio. Euro 1.000 zusätzliche Wechselbrücken in Auftrag gegeben. Wechselbrücken sind Transportbehälter mit Stützbeinen, die besonders von Logistikdienstleistern aus der Kurier-, Express- und Paketbranche in Europa nachgefragt werden.

Und auch im Bereich der Container hat man stark erweitert, indem man im April zwei Portfolios zukaufte. Einmal erwarb man für 6 Mio. Dollar fabrikneue Container und dann für weitere 4 Mio. Dollar gebrauchte Container.

Schön und gut, wird mancher nun denken, aber wie lässt sich damit Geld verdienen? Aves One hat vier Geschäftsbereiche:

  • Rail Equipment: Aves One investiert in verschiedene Typen von Bahnwaggons mit einer durchschnittlichen Nutzungsdauer von bis zu 45 Jahren. Die Güterwagen sind an große Industrieunternehmen und staatliche Gesellschaften vermietet. Die Vermietung und das Management der Bahnwaggons übernehmen externe Manager, die über jahrzehntelange Erfahrung im Güterverkehr verfügen.
  • Container Equipment: Aves One investiert in verschiedene Typen von Seecontainern mit einer durchschnittlichen Nutzungsdauer von bis zu 15 Jahren. Die Container sind an die weltgrößten Reedereien (zum Beispiel Hapag-Lloyd, Evergreen oder Maersk) vermietet. Die Vermietung und das Management rund um die Container übernehmen externe Manager für die Aves One, die über jahrzehntelange Erfahrung im Containermanagement verfügen.
  • Resale Equipment: Aves One investiert in ehemalige Seecontainer sowie neue Container mit einer Nutzungsdauer von bis zu 15 Jahren. Diese Container werden dann im Resale Markt, der auch als Zweitmarkt bezeichnet wird, vermietet und verkauft. Eine Nutzung erfolgt im Wesentlichen in drei Bereichen: 1. als Storage- bzw. Lager-Behälter an Land 2. durch leichte Modifikationen des Containers als Office, Unterkunfts- oder Baustellencontainer oder 3. in seiner eigentlich Gesinnung als Transportbehälter für kurze bzw. One-Way Strecken auf See oder an Land.
  • Special Equipment: Im Bereich Special Equipment investiert die Aves One in Nischenmärkte für Logistik Equipment. Nischenmärkte zeichnen sich zum Beispiel durch überdurchschnittliche Renditen, verhältnismäßig geringe Marktgröße oder eine geringe Anzahl an Marktteilnehmern aus. Die Aves One investiert in Tankcontainer und Wechselbrücken mit einer Nutzungsdauer von bis zu 12 bis 20 Jahren.
    (Quelle: Unternehmensangaben)

Aves One investiert also in das Equipment und vermietet dieses langfristig. Zumeist sind die Mietverträge schon gesichert, bevor Aves One überhaupt das Equipment erwirbt. Wodurch sich das Risiko reduziert. Der Fokus der Investments liegt dabei auf Seecontainern und Bahnwaggons, wobei man sich hier überwiegend auf Standardcontainer beschränkt und damit eine andere Strategie fährt, als der ungleich größere Mitbewerber VTG. Das Asset Management, also Vermietung, Wartung usw., überlässt Aves One erfahrenen externen Asset Managern.

Hinzu kommen Investitionen in ehemalige Seecontainer, die als Lagerbehälter oder als Unterkunfts- oder Baustellencontainer eingesetzt werden und in ganze Fertigbaugaragen-Parks (Storage Parks). Hier wurde kürzlich der erste Park in Münster fertig gestellt und weitere sollen folgen. Denn im Bereich der Lagerung gibt es weltweit eine steigende Nachfrage, gerade auch von Privatleuten. Immer mehr Menschen müssen aufgrund ihrer Arbeitsplatzsituation mobil sein und können nicht immer alle ihre Gegenstände mit sich nehmen. Diese werden dann zentral eingelagert. Und auch der Trend zur Wärmedämmung alter Mehrfamilienhäuser schafft neue Probleme, denn da zumeist die Wäreverbundsysteme nur obererdig eingesetzt werden, entstehen Kälte und Feuchtigkeitsbrücken im Kellerbereich. Schimmelbildung ist die Folge – und wer lagert schon gerne seine alten Bilder, Kleidungsstücke usw. in einer schimmligen Umgebung, da kann man sie gleich wegwerfen. Die Lösung heißt Dachboden oder eine externe Unterbringung/Lagerung: eben Storage.

Wachstum auch durch Übernahmen
Aves One ist noch ein relativ kleines Unternehmen, will aber schnell und stark wachsen. Das gelingt natürlich nicht alleine durch operative Erfolge, sondern auch durch Übernahmen. Einen großen Schritt machte man durch den Zukauf der österreichischen ERR Rail Rent Vermietungs GmbH, wodurch man den Bestand an Güterwagen glatt verzehnfachte auf 4.230 Einheiten. Durch die gleichzeitige Übernahme der 33-Prozent-Beteiligung am Asset Manager ERR European Rail Rent GmbH wird künftig die komplette Wertschöpfungskette vom Eigentümer bis hin zur kaufmännischen und technischen Verwaltung der Güterwagen abgedeckt. Hierdurch fährt Aves One nun zweigleisig, was das Asset Management angeht. Denn einerseits arbeitet man mit externen Asset Managern zusammen und kann diesen Part über die neue Tochter künftig auch selbst übernehmen. Je nach Interessenlage. Gut möglich, dass auch der Bereich Asset Management perspektivisch über Zukäufe ausgebaut wird.

Mit der Übernahme stiegt die Bedeutung des Bereichs Rail Equipment innerhalb des Unternehmens natürlich stark an und auch aus diesem Grund wurde der bisherige Geschäftsführer der ERR-Gruppe, Jürgen Bauer, zum Vorstand der Aves One AG bestellt.

Durch die EEG-Transaktion und die Investitionen in Container und Wechselbrücken hat sich der Gesamtbestand der durch Aves One gemanagten Assets auf mehr als 450 Mio. Euro verdoppelt. Geplant ist, das Portfolio der Gesellschaft bis 2018 auf rund 750 Mio Euro und bis zum Jahr 2020 auf mehr als eine Mrd. Euro auszubauen. Für 2017 und 2018 sind jeweils Investitionen von etwa 200 Mio. Euro vorgesehen.

Aber Wachstum soll nicht um des Wachstums willen erfolgen, sondern der Fokus wird auch künftig auf stabile operative Cashflows gelegt und auf die Optimierung der Finanzierungsstruktur zur Erhöhung der Rentabilität.

Nach hohem Verlust in 2016 deutliche Umsatz- und Ergebnisverbesserung in 2017 erwartet
Das Wachstum hat allerdings seinen Preis. Im abgelaufenen Geschäftsjahr 2016 wies Aves One einen operativen Konzerngewinn (EBITDA) von EUR 15,4 Mio. aus, wobei den größten Ergebnisbeitrag das Segment Container lieferte mit 14,2 Mio. Euro. Durch die erst im vierten Quartal 2016 erfolgte Übernahme der ERR steuerte das Segment Rail 5,5 Mio. Euro zum Konzern-EBITDA bei. Allerdings liegt das Ergebnis vor Steuern im Geschäftsjahr 2016 bei -6,4 Mio. Euro. Hierbei waren vor allem Abschreibungen in Höhe von 8,5 Mio. Euro und Zinsaufwendungen in Höhe von 14,1 Mio. die maßgeblichen Treiber, die das Ergebnis ins Minus drückten. Gegenüber dem Vorsteuerergebnis für das erste Halbjahr 2016 von -8,9 Mio. Euro zeigte sich bereits ein positiver Trend, zumal die EEG gewinnbringend arbeitet. Angesichts dieser Zahlen sich der Vorstand vor allem bei der Optimierung der Finanzierungsstruktur noch großes Potenzial…

Auf www.intelligent-investieren.net geht es weiter.

Kissig Ein Beitrag von Michael C. Kissig

Er studierte nach Abschluss seiner Bankausbildung Volks- und Rechtswissenschaften und ist heute als Unternehmensberater und Investor tätig. Neben seinem Value-Investing-Blog „iNTELLiGENT iNVESTiEREN“ verfasst Michael C. Kissig regelmäßig eine Kolumne für das „Aktien Magazin“.

Bildquellen: Michael C. Kissig / markteinblicke.de

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[Börsenblogger] Bei Aves One b(r)aut sich ganz schön was zusammen… Letzte Kommentartoren
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