So unterschiedlich legen wir Geld an

Angst vs. Spaß

(Bildquelle: unsplash/imelda)

Der Unterschied der Geschlechter ist in vielen Lebensbereichen ein viel diskutiertes Thema. Bei der Geldanlage spielt es allerdings nur selten eine Rolle – dabei sind Verhaltensunterschiede durchaus festzustellen. Wer ist denn nun eigentlich der bessere Anleger?

Wie groß hier die Unterschiede sind, zeigt eine aktuelle Untersuchung. Demnach haben Männer Spaß an der Geldanlage, Frauen eher Angst davor. Frauen legen seltener an, sie sparen weniger und sind insgesamt deutlich sicherheitsorientierter als Männer. Die größten Hemmnisse sind Angst vor Verlusten und davor, etwas Falsches zu tun, genauso wie Unwissenheit. Das sind die zentralen Erkenntnisse einer repräsentativen Befragung der Quirin Privatbank, mit dem Ziel, das Anlageverhalten vor allem von Frauen zu analysieren.

Jede zweite Frau hat keine Geldanlage

„Die Studienergebnisse überraschen uns nicht, sie waren – leider – so erwartbar und decken sich mit unseren Erfahrungen aus der Beratungspraxis“, erklärt Carolin Nawroth, Vermögensberaterin der Quirin Privatbank. „So haben 54 Prozent der befragten Frauen, also mehr als jede Zweite, derzeit gar kein Geld angelegt, das ist erschreckend.“ Bei den Männern gilt das für 37 Prozent.

Es ist eine Frage der Bildung

Je höher Bildung und Einkommen, desto eher verfügen die Frauen über Anlagen. „Wichtig für Anlageentscheidungen ist die Finanzbildung – und die ist bundesweit geschlechtsunabhängig gleich niedrig“, erklärt Dr. Konrad Weßner von der puls Marktforschung. „Frauen und Männer schätzen ihre Finanzbildung jedoch unterschiedlich ein: Ein Mann liest einen Fachartikel übers Investieren und glaubt, alles zu wissen. Eine Frau liest – überspitzt gesagt – fünf Bücher über Geldanlage und denkt immer noch, sie weiß nicht genug, um loslegen zu können.“

Es gibt große Wissenslücken

Die Wissenslücken sind also groß, was auch eine Umfrage des Deutschen Bankenverbandes zeigt. In der Umfrage wird deutlich: Mehr als 54 Prozent der Befragten weiß nicht, was an der Börse geschieht. Den Begriff Inflationsrate kennen zwar knapp 75 Prozent, aber nur 44 Prozent weiß, wie hoch die Inflationsrate im Moment ist. Besonders unter den 16- bis 24-Jährigen ist der Wissenstand erschreckend.  45 Prozent weiß gar nicht was der Begriff „Inflationsrate“ bedeutet. Die ungefähre Höhe der Inflationsrate können nur 23 Prozent der jungen Befragten angeben.

Rund 55 Prozent der Befragten geben an zu wissen, was ein „Investmentfonds“ ist, aber nur 42 Prozent können erklären, um was es sich dabei handelt. Von den 16- bis 24-Jährigen kennt 30 Prozent den Begriff „Investmentfonds“, nur rund 24 Prozent kann ihn aber auch erklären. Nicht besser sieht es beim Begriff „ETF“ aus, 41 Prozent kennen zwar den Begriff, aber nur 17 Prozent können ihn tatsächlich erklären.

Frauen setzen auf Sparprodukte und Fonds

Zurück zu den Geschlechter-Unterschieden: Frauen, die Geld angelegt haben, nutzen dafür am liebsten Tagesgeld (44 Prozent), Fonds (42 Prozent) und Sparbuch (35 Prozent). „Sparbuch und Tagesgeld bringen kaum Rendite, Fonds sind oft sehr teuer – das heißt, die Frauen verschenken hier Renditepotenzial“, erklärt Nawroth. „Da ist noch Luft nach oben, besser als teure Fonds sind beispielsweise kostengünstige ETFs.“ Diese sind bei den Männern beliebt und landen mit 36 Prozent nach Fonds (37 Prozent) und Einzelaktien (37 Prozent) auf Platz drei.

„Männer sind also Wertpapieranleger, Frauen eher klassische Zins- beziehungsweise Sparbuchsparer, weshalb sie in den letzten Niedrigzinsjahren bei den erzielten Renditen besonders stark das Nachsehen hatten“, so Nawroth. „Ziel muss es deshalb sein, bei Frauen die Lust auf Wertpapieranlagen zu wecken, damit auch sie von den damit verbundenen langfristig hohen Renditen profitieren können.“

Unser mE-Fazit

Der Erfolg der Geldanlage steht und fällt mit dem Wissen um die Zusammenhänge. Regelmäßige Anlagen, ohne viele Umschichtungen sind auf lange Sicht eine sichere Anlage. Kurzfristige Sorgen und Ängste muss ein Anleger jedoch aushalten, wenn er nicht mit Verlusten verkaufen will und dann den richtigen Einstiegszeitpunkt verpasst und damit am Ende ohne ein Investment, das Rendite bringt, dasteht. Egal ob Mann oder Frau: Geldanlage ist keine Raketenwissenschaft.

In diesem Sinne,
weiterhin viel Erfolg bei der Geldanlage und beim alltäglichen Lebensgenuß

Ihre marktEINBLICKE-Gründer
Christoph A. Scherbaum & Marc O. Schmidt

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