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Die Deutsche Effecten- und Wechsel-Beteiligungsgesellschaft AG (DEWB) (WKN: 804100 / ISIN: DE0008041005) hat viele Jahre lang viel versprochen und schaut man auf den Kursverlauf, dann sieht man auf den ersten Blick, wie viel davon eingehalten wurde. Nullkommanichts. Für ihre Aktionäre war die DEWB über viele Jahre hinweg ein Eurograb und ich habe mich in meinen unregelmäßig erscheinenden Branchenabrissen über die deutschen Beteiligungsgesellschaften auch immer mal wieder mit dem Dauerfiaskolieferanten beschäftigt. Ende letzten Jahres war sie mir allerdings keine besondere Erwähnung mehr wert, nachdem auch die letzte verbliebene Hoffnung, die Biotechbeteiligung Noxxon, nicht den ersehnte Geldregen, sondern zweistellige Millionenabschreibungen eingebracht hatte. Doch im Dezember 2015 hatte ich die damalige Situation der DEWB zusammengefasst mit den Worten die DEWB sei langweilig und könne weder durch Tatkraft noch durch das Einhalten von Prognosen und Ankündigungen bestechen. Die extrem illiquide Aktie eigne sich allenfalls als kleine Depotbeimischung für hartgesottene Anleger. Dem ist eigentlich nicht viel hinzuzufügen, außer dass es den Anschein hat, dass der DEWB gerade wieder Leben eingehaucht werden könnte…

Wiederauferstehung der DEWB?
Die DEWB ist eine börsennotierte Ventrue Capital-Gesellschaft mit Schwerpunkt auf Unternehmen aus den Bereichen Photonik und Sensorik. Zur Zeit hat man noch 6 Portfoliounternehmen:

  • MueTec Automatisierte Mikroskopie und Messtechnik GmbH, München (Anteil 92%)
    – Mikroskopie
  • LemnaTec GmbH, Aachen (Anteil 49,7%)
    – Optische Inspektionsgeräte
  • Nanotron Technologies GmbH, Berlin (Anteil 30,5%)
    – Drahtlose Sensornetzwerke
  • Nanotron Technologies Ltd., London (Anteil 20,7%)
    – Holding der Nanotron Technologies GmbH
  • Decimo GmbH, Berlin (Anteil 16,7%)
    – Online-basierte Plattform für Factoring-Dienstleistungen
  • Noxxon Pharma N.V., Amsterdam (Anteil 12,1%)
    – Entwicklung Pharmazeutika auf Basis der Spiegelmertechnologie

Die früheren Beteiligungen DirectPhotonics und JenaBatteries befinden sich nicht mehr im Depot. DirectPhotonics ist nach einer gescheiterten Sanierung vollständig abgeschrieben worden (Ergebnisbelastung 2,6 Mio. Euro), doch mit dem Verkauf der Anteile an JenaBatteries wurden 2,25 Mio. Euro erlöst und ein Gewinn von 1,7 Mio. Euro verbucht. Das eingesetzte Kapital konnte damit in wenigen Jahren vervierfacht werden und dieser Exit war ein der wenigen Lichtblicke in den letzten Jahren. Auf der anderen Seite hat man leider auch eine äußerst interessante Beteiligung in einem Zukunftsmarkt recht früh aus der Hand gegeben, denn JenaBatteries forschte an Energiespeicher ohne seltene Erden – die momentan zu rund 90% aus China stammen und daher der Flaschenhals für unsere zunehmend technisierte Welt darstellen.

Für eine große Enttäuschung sorgte einmal mehr Noxxon. Trotz vielversprechender Aussichten ist es jahrelang nicht gelungen, Noxxon an ein größeres Biotechunternehmen zu veräußern und auch ein IPO ist kläglich gescheitert. Letztlich hat man sich zu einem sog. Trade Sale entschlossen, die Aktien also einfach an der Börse gelistet.

Doch hierbei musste man eine vergleichsweise niedrige Bewertung akzeptieren, was zu einer umfangreichen Abwertung der DEWB-Position führte – am Ende des Jahres 2016 schlug damit ein Jahresergebnis von -16,5 Mio. Euro zu Buche. Hierzu hat auch die vollständige Abschreibung der Beteiligung Nanotron beigetragen (Ergebnisbelastung 2,2 Mio. Euro), da die Gesellschaft die anvisierten Fortschritte nicht erreicht hat und auf weitere externe Finanzierung angewiesen ist. Aber anders als bei DirectPhotonics sieht der DEWB-Vorstand hier Potenzial für eine zumindest anteilige Wertaufholung, sofern ein externer Partner gefunden wird. Allerdings sind solche Aussagen mit Vorsicht zu genießen angesichts der häufigen Fehleinschätzungen des DEWB-Vorstands in der Vergangenheit und insofern kann man die vollständige Abschreibung der Beteiligungen als Komplettbereinigung der DEWB-Bilanz einstufen und damit als relativ solide Basis für einen Neuanfang.

Erfreulicher scheint sich dagegen aktuell Noxxon zu entwickeln. Das Biotechnologieunternehmen mit Fokus auf der Verbesserung von Krebstherapien durch gezielte Beeinflussung der Tumormikroumgebung, gab Anfang Juli bekannt, dass die ersten Patienten in einer klinischen Phase 1/2-Studie bei metastasierendem Darm- und Bauchspeicheldrüsenkrebs am Nationalen Centrum für Tumorerkrankungen in Heidelberg behandelt wurden. Noxxon und Merck & Co. haben gemeinsam das Design der klinischen Studie entworfen, die aus zwei Teilen besteht.

DEWB-Chart: boerse-frankfurt.de

Die überzeugenden präklinischen Daten und die Ergebnisse der Phase 1-Studie unterstreichen das Potenzial von NOX-A12 als künftige Komponente zur innovativen Behandlung von Patienten mit Darm- und Bauchspeicheldrüsenkrebs und dieser Ansatz könnte im Erfolgsfall die Behandlung für eine Vielzahl von Krebsarten revolutionieren, ist man sich bei Noxxon sicher. Selbstverständlich maße ich mir nicht an, diese Einschätzung in irgendeiner Weise verifizieren zu können.

Allerdings konnte Noxxon zuletzt Aktien in Höhe von 1 Mio. Euro zu einem Kurs von 15,50 Euro platzieren und es sollen in mehreren Tranchen Wandelanleihen mit einem Volumen von bis zu 10 Mio. Euro ausgegeben werden. Das wurde garniert mit der Ausgabe von Aktienoptionen (zu einem Tauschkurs von 18,60 Euro) und einem Debt-to-equity-Swap. Sollten sich bei Noxxon weiterhin Erfolge einstellen, dürfte eine positive Neubewertung anstehen.

Ebenfalls positiv entwickelt haben sich LemnaTec und MueTec, die mit hohen Auftragsbeständen in das Jahr 2017 gestartet sind und die sich erst seit Dezember 2016 im Beteiligungsportfolio befindliche Decimo GmbH…

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Kissig Ein Beitrag von Michael C. Kissig

Er studierte nach Abschluss seiner Bankausbildung Volks- und Rechtswissenschaften und ist heute als Unternehmensberater und Investor tätig. Neben seinem Value-Investing-Blog „iNTELLiGENT iNVESTiEREN“ verfasst Michael C. Kissig regelmäßig eine Kolumne für das „Aktien Magazin“.

Der obige Text spiegelt die Meinung des jeweiligen Kolumnisten wider. Die CASMOS Media GmbH übernimmt für dessen Richtigkeit keine Verantwortung und schließt jegliche Regressansprüche aus.

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