Märkte am Donnerstag: EZB hält Kurs

In der Nacht gab es in der Causa Credit Suisse eine Anleger-Beruhigungspille aus der Schweiz. Am Nachmittag hat derweil die Europäische Zentralbank über das geldpolitische Vorgehen entschieden.

Bildquelle: markteinblicke.de

Donnerstag, 16.03.2023/17:45h

Nach dem neuerlichen Kursrutsch am Mittwoch ­– der deutsche Leitindex war um mehr als 3 Prozent auf den tiefsten Stand seit Anfang Januar gefallen – konnten die deutschen Standardwerte am Donnerstag wieder Kursgewinne verbuchen.

Das Tagesplus schrumpfte im DAX jedoch teilweise wieder zusammen. Am Abend schloss das wichtigste deutsche Börsenbarometer dennoch 1,57 Prozent im Plus bei 14.967,10 Punkten.

Zu den besten Werten an der Frankfurter Börse gehörten die Aktien von Siemens Energy, Eon und die Deutsche Börse. Der Börsenbetreiber profitiert von einem positiven Analystenkommentar der Credit Suisse, die das Ranking auf „Outperform“ angehoben haben. Die rote Laterne halten im DAX derweil gemeinsam Vonovia, Deutsche Bank und Fresenius Medical Care.

Kleine Beruhigungspille in der Nacht

Topthema bleibt die Credit Suisse. In der Nacht gab es die Anleger-Beruhigungspille aus der Schweiz: Gestern Abend gaben die Finma und SNB bekannt, dass sie der Credit Suisse bei Bedarf Liquidität zur Verfügung stellen würden. Bereits einige Stunden später meldete die Credit Suisse ihren Bedarf und leiht sich bis zu 50 Mrd. CHF von der SNB, um die Liquidität sicher zu stellen. Damit ist das Thema aber noch nicht durch. Fakt ist:

Die jüngsten Sorgen um das US-Bankensystem, ausgelöst durch die Schwäche der Silicon Valley-, Signature- und Silvergate-Banken, haben nun auch auf Europa übergegriffen. Der Stoxx 600 Banks Index – der größte Sektor in Europa – ist innerhalb einer Woche um 18 Prozent gefallen.

„Dies spiegelt sowohl die Art der nervösen Märkte als auch die einzigartige Bedeutung der Banken für die Volkswirtschaften wider. Das europäische Bankensystem unterscheidet sich jedoch in einigen Punkten von dem der USA, im Guten wie im Schlechten“, so Ben Laidler, Global Markets Strategist bei eToro.

„Die CS ist solide finanziert, aber viele Marktakteure glaubten ihr das nicht mehr.“ (Bildquelle: Pressefoto Credit Suisse Group AG)

Eine große Bankenpleite sei weniger wahrscheinlich, „da das Kapital hoch, die Vorschriften streng und die Behörden stressgetestet sind.“ Aber eine eventuelle Pleite, wie unwahrscheinlich sie auch sein mag, könnte größere Auswirkungen haben und länger dauern als in den USA, so Laidler weiter.

„Die Credit Suisse ist solide finanziert“

Aus der Schweiz äußerte sich heute Morgen Caroline Hilb Paraskevopoulos von der St.Galler Kantonalbank zur Credit Suisse: „Entscheidend ist nun, dass das Vertrauen in die Bank (Credit Suisse) zurückkehrt und die Kundschaft ihre Gelder nicht weiter abzieht. Die Credit Suisse ist solide finanziert, aber viele Marktakteure glaubten ihr das nicht mehr.“

So sagt Paraskevopoulos aber auch weiter: „Die Liquiditätsquote (LCR) hat gemäss Credit Suisse per vergangenem Dienstag 150 Prozent betragen und damit die vom Regulator verlangt Quote von 100 Prozent übertroffen. Die Credit Suisse verlor 2022 aufgrund des schwindenden Vertrauens über 120 Mrd. Franken an Kundengeldern. Die Abflüsse hielten im laufenden Jahr an. Die bestehenden Zweifel sollen nun mit Hilfe der Nationalbank zerstreut werden.“

EZB-Sitzung in turbulenten Zeiten

Die Causa Credit Suisse hat auch am Nachmittag bei der EZB-Sitzung eine große Rolle gespielt. Allerdings nicht in der Art, dass diese die europäischen Währungshüter von einer Leitzinsanhebung um 50 Basispunkte hätte abhalten können.

Ben Laidler, Global Markets Strategist bei eToro, erwartet etwa, dass die heutige Zinserhöhung die letzte große gewesen sein dürfte, „da sie eine deutlich niedrigere Inflation erwartet und auch darüber nachdenken wird, wie die aktuellen Sorgen im Finanzsektor die Wirtschaft und die Inflation weiter bremsen werden.“

David Zahn, Head of European Fixed Income bei Franklin Templeton, meint zur Zinserhöhung, dass die EZB mit dem Zinsschritt damit bei ihrem Plan geblieben sei, in erster Linie die Inflation zu bekämpfen. „Angesichts ihrer neuen Inflationsprognosen von 2,1 Prozent und eines BIP-Wachstums von 1,6 Prozent im Jahr 2025 gehen wir daher trotz der derzeitigen Marktvolatilität von weiteren Zinserhöhungen in den kommenden Monaten aus.“

Sandra Holdsworth, Head of Rates bei Aegon AM, ergänzt: „Angesichts der derzeitigen Volatilität an den Märkten scheint es wahrscheinlich, dass das Tempo weiterer Erhöhungen trotz der derzeit hohen Inflation langsamer sein wird als bisher angenommen.“

US-Börsen drehen ins Plus

Die anhaltenden Turbulenzen rund um Bankenwerte sowie die Leitzinsanhebung der EZB sorgten dafür, dass auch die wichtigsten US-Aktienindizes Dow Jones, S&P 500 und NASDAQ100 am Donnerstag zunächst Verluste verzeichneten. Am Mittag New Yorker Zeit sind jedoch deutliche Zugewinne zu beobachten.

Die Handelszeiten 2023 an der Frankfurter Börse